Feb 16
Screenshot des Videos "How This Town Produces No Trash", Seeker Stories.
Screenshot YouTube-Video „How This Town Produces No Trash“, Seeker Stories.

Die Idee eines müllfreien Lebens ist nicht neu – wenn jedoch ein ganzes Dorf versucht, müllfrei zu werden, lohnt das einen genaueren Blick.

Kamikatsu, ein kleines Dorf auf der japanischen Insel Shikoku, sorgt mit einer Idee weltweit für Aufsehen. Die Einwohner des Orts wollen das angeblich Unmögliche schaffen: eine Recyclingquote von 100 %! Ihr „Zero-Waste-Plan“ sieht vor, dass das 1700-Seelen-Dorf im Jahr 2020 seinen kompletten Müll recycelt. Schon jetzt gelingt das Vorhaben mit 80 % des Abfalls – die restlichen 20 % wandern nach wie vor auf die normale Müllhalde. Für ihr Vorhaben müssen die Einwohner nicht zwischen drei Mülleimern, sondern gleich zwischen 34 verschiedenen Tonnen unterscheiden. Geleitet wird das Projekt von der Zero Waste Academy, einer eigens von der Gemeinde gegründeten Non-Profit-Organisation. Die kontrolliert auch, ob alle Anwohner ihren Müll ordentlich sortieren. Keine leichte Aufgabe!

Für jeden Müll ein eigener Eimer

In Kamikatsu gibt es für fast jede Müll-Art ein eigenes Behältnis: Plastikflaschen für Sojasoße werden beispielsweise getrennt von PET-Flaschen für Wasser entsorgt. Auch die Etiketten der Flaschen haben ein eigenes Entsorgungseimerchen. Glasflaschen müssen nach Farbe sortiert und der komplette Müll vor dem Sortieren fein säuberlich ab- und ausgewaschen werden. Bioabfall wandert in den hauseigenen Kompost.

Den gesammelten Müll müssen alle Einwohner selbst in ein „Waste Collection Center“ bringen. Eine Müllabfuhr gibt es in Kamikatsu nicht! Für viele Einwohner eine anstrengende Aufgabe, da rund die Hälfte über 65 Jahre alt ist und in unterschiedlichen Höhenlagen lebt. Im Sammelzentrum stehen für den Müll erneut eigene Eimer und Container bereit. Auf jedem Behältnis steht, wie das Material weiterverarbeitet wird und welche Kosten oder Einsparungen die Gemeinde dadurch hat.

Innovation als positiver Nebeneffekt

Vor der Einführung des Zero-Waste-Plans im Jahr 2003 gab es in Kamikatsu die offene Müllverbrennung und die politisch gewollte Abkehr davon war der Auslöser des Plans. Anfangs hatte es das Team der Zero Waste Academy schwer, alle Einwohner von den neuen Regeln zu überzeugen. Doch mittlerweile ist das Trennen zur Gewohnheit geworden und die Menschen erkennen die Vorteile für Umwelt und Alltag. Und mittlerweile gibt es in der kleinen Gemeinde sogar weitere Recycling-Projekte. Zum Beispiel einen sogenannten „Kuru Kuru“-Laden, in dem alte, noch brauchbare Dinge abgeben werden und andere Sachen kostenlos mitgenommen werden können. Außerdem gibt es einen Workshop für die Frauen des Dorfes, der zeigt, wie alte Kimonos und Kleidung zu Teddybären, Taschen und Pullovern verarbeitet werden können.

Und wenn es auch zweifelnde Stimmen an dieser Art der Mülltrennung gibt , finden wir: Kamikatsu hat richtig entschieden ! Der Erfolg gibt den Dorfbewohnern Recht: Allein im letzten Jahrzehnt ist die Recyclingrate im Ort von 55 auf 80 Prozent gestiegen. Da ist sogar die 100-Prozent-Zielmarke keine Utopie mehr.

 

Mehr Infos und weitere Einblicke findet ihr in dieser interessanten Kurzdoku:

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