Jul 13
Polen

Über den Tellerrand schauen ist immer gut. Wir wollen euch in unserer neuen Serie vorstellen, wie in anderen Ländern die Wertstofferfassung organisiert ist. Dabei geht es uns nicht nur um offizielle Darstellungen, sondern um die Wirklichkeit.

Die 57jährige Joanna Czymniak aus Danzig trägt drei große Tüten zu den Mülltonnen in ihrer Wohnsiedlung. Dann packt sie alles einzeln in die bunten Abfalltonnen: Papier, Plastik, buntes und weißes Glas wird hier getrennt. „Ich trenne den Müll in Glas und Papier. Ich presse die Plastikbehälter zusammen, so dass keine Luft drin bleibt. Ich überrede auch meine Nachbarn dazu. Bisher leider ohne Erfolg“, erklärt Joanna Czymniak. Ein größeres Umweltbewusstsein in der Gesellschaft werde sich aber mit der Zeit vielleicht doch noch entwickeln – so erhofft sich das zumindest Joanna.

Das hofft auch die Politik, denn noch prägen riesige stinkende Deponien oder illegale Ablagerungsplätze die Abfallwirtschaft in Polen. Mehr als 80 Prozent aller Abfälle landen dort. Nur Möwen, Tauben und vierbeinige Aasfresser fühlen sich dort richtig wohl. Das soll sich nun, maßgeblich mit „freundlichem“ Druck der EU angeschoben, ändern. Ab 1. Juli 2013 müssen die Bürger in Polen ihren Hausmüll trennen. Für dessen Abfuhr sind jetzt die Gemeinden zuständig und nicht wie bisher die Hausbesitzer. Geldanreize und technische Hilfsmittel zur Mülltrennung sollen helfen, die Polen zur Mülltrennung zu motivieren. Bunte Müllsäcke haben die Gemeinden bereits an die Haushalte verteilt, auch die Müllgebühren sollen etwas sinken. Wer den Müll aber nicht trennen will, dem drohen bis zu 40 Prozent mehr Gebühren.

Die neuen Bestimmungen zum Abfallmarkt bringen Veränderungen für die polnischen Städte und Gemeinden mit sich. Diese umfassende Neuordnung der Abfallwirtschaft wurde langfristig vorbereitet. Bis Mitte 2012 mussten die Kommunen beispielsweise Abfallbezirke einrichten und Pläne erarbeiten, um das jeweilige Abfallaufkommen zu erfassen. Neben der Müllverbrennung und der daraus entstehenden Energiegewinnung erhält der Bereich des Recyclings von Abfällen Auftrieb. Das jährliche Aufkommen von rund vier Millionen Tonnen Verpackungsmüll ist ab 2014 zu bis zu 60 Prozent wiederzuverwerten und zu 55 Prozent zu recyceln.

Links zum Thema:

http://www.bpb.de/internationales/europa/polen/41028/tabellen-und-grafiken

http://www.laenderkontakte.de/polen/umweltschutz

http://poleko.mtp.pl/en/

Bilder: Wikipedia, www.flags.de (Fahne)

0 Kommentare zu “Serie Abfalltrennung im Ausland (2): Polen will die Abfallrevolution und macht Mülltrennung zur Pflicht”

Kommentare
Du möchtest mitdiskutieren? Hinterlasse hier deinen Kommentar oder melde dich in der Community an.

Werde jetzt Mitglied der Community! Hier geht's zur Anmeldung.