Dez 14
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Abfall ist nicht gleich Abfall. Vieles davon ist wiederverwertbar oder recycelbar. Dafür muss der Wertstoff aber natürlich in verschiedene Fraktionen getrennt werden. In dem Fall von Verpackungen ist dies übertragbar. Doch wie werden all die Verpackungen, die im Gelben Sack oder der Gelben Tonne landen, in verwertbare Fraktionen getrennt? Dafür gibt es Sortieranlagen, deren Aufgabe genau darin besteht.

Wie diese funktioniert, welche Gerätschaften wie in welcher Reihenfolge ihre Arbeit verrichten, ist sehr interessant. Doch nochmal ganz anders, wenn man es vor Ort mitverfolgen kann. Dass das nicht nur interessierte Bürger oder mich als Praktikant interessiert, zeigt das bestehende Angebot des Grünen Punktes, solche Führungen auch für Kunden anzubieten. Ich hatte das Glück, ein solches Seminar komplett zu begleiten und eine Sortieranlage zu erleben. Die besichtigte Sortieranlage befindet sich in Bassum, in der Nähe von Bremen. Neben den Kunden des Grünen Punkts durften auch eine Praktikantin der DKR und ich mit.

Der erste Teil des Seminars war die Einführung in das Thema in Form einer Präsentation der DSD-Mitarbeiter. Dabei ging es kurz um die Funktionsweise der verschiedenen Mechaniken, die uns später in der Sortieranlage wiederbegegneten. Nach der Mittagspause fuhren wir dann auf das Gelände der Anlage, wo wir von Herrn Winter empfangen wurden, welcher als Betriebsleiter die Besichtigung führen würde.

Die erste Station war die Waage an der Ein- und Ausfahrt.

Bild Fahrzeugwaage Pixel

Jeder LKW, der die Anlage befährt oder verlässt wird mit seinem gesamten Gewicht gewogen und die Daten aufgezeichnet. Genaue Buchführung ist der erste wichtige Schritt.

Und dann ging es auch schon direkt los mit den neuen Eindrücken. In einer Halle wird der gesamte ankommende Abfall nach und nach aufgeschüttet und von einem Bagger auf ein Fließband gehoben.

Bild Fließband

Der Boden ist durchweg von kleineren Verpackungen bedeckt und spätestens ab hier spürten wir den Geruch, der sich für die nächsten zwei Stunden festsetzen sollte. Der kommt natürlich von den Inhaltsresten, also aus einem Gemisch von Milch, Saft und anderen Lebensmitteln, aus Reinigungsmittelresten und so weiter. Auf die Frage eines Teilnehmers, warum die LKW nicht gleich ihren Müll auf das Fließband kippen, war die Antwort, dass dies die Sortieranlage überfüllen würde und bei Betriebsstörungen die LKW weiter die Halle aufschütten können, sodass in dieser Hinsicht keine Verzögerung entstehen kann.

Die zweite Station war das vorgezogene Ergebnis, wie die Wertstoffe am Ende sortiert und zusammengepresst aufbewahrt wird, nämlich in Würfeln. Sortiert nach PP, PE und PS werden diese nebeneinander gelagert. Was manche Teilnehmer besonders faszinierte, war, dass es ersichtliche Unterschiede zwischen den Verpackungen aus diesen Stoffen gab, was vor dem Trennen hingegen dem menschlichen Auge meist verborgen bleibt. Bild 2

Als nächstes ging es in das Gebäude selbst hinein. Die Luft war immer noch erfüllt von dem bereits bekannten Geruch und es war sehr staubig. Die Wege zwischen den einzelnen Maschinen, wie beispielsweise dem Trommelsieb und der optischen Sortierung durch die sogenannte Nahinfrarottrennung (NIR) für Kunststoffarten waren alle sauber. Aber überall sonst gab es Berge aus Staub und auch Kleinmüll.

Das Trommelsieb ist eine der ersten Stationen in dem Sortierprozess. Durch seine Drehung mit verschieden großen Löchern siebt es die eingehenden Stoffe so, dass am Ende zwischen drei Größen getrennt wird. Durch die erste Lochgröße fallen die kleinen Stoffe, wie beispielsweise Staub oder Kieselsteine. Durch die zweite Lochgröße werden Stoffe wie Joghurtbecher oder Haarwaschmittelverpackungen abgesiebt. Der übrigbleibende Rest bildet dann die letzte Fraktion an Stoffen. Alle ausgesiebten Stoffe werden im Anschluss durch weitere Sortierprozesse gezogen.

Bild Trommelsieb

Das NIR System operiert mit Halogenlicht. Die Verpackungen fahren nacheinander in das System und werden mit einer Infrarotbestrahlung mit unterschiedlicher Wellenlänge beschossen. Aus den Daten der verarbeiteten Reflexion an den Stoffen kann der Rechner entscheiden, ob es der für ihn gedachte Stoff ist, um diesen dann durch einen gezielten Druckluftstoß auf ein anderes Fließband zu befördern, oder nicht. Es kann bis zu fünf verschieden eingestellte NIR Systeme in einer Anlage geben. Eines für Getränkekartons und für die Kunststoffarten PE,PP,PS und PET.

Die letzte Station war ein weiteres Gebäude für die manuelle Sortierung. Manuelle Sortierung? Richtig gelesen. Dort arbeiten mehrere Mitarbeiter an unterschiedlichen Fließbänden und sortieren per Hand (!) weiter die Verpackungen, was die Anlage bisher aus unterschiedlichen Gründen nicht trennen kann. Dabei werden Fremdstoffe herausgenommen oder „falsche“ Stoffe auf das Band nebenan gelegt. Also drei verschiedene Aktionen müssen bei jedem Teil in Sekundenschnelle überdacht werden: Lassen, Entfernen oder Umverteilen. Da war ich erstmal richtig überrascht. Klar, hätte man mich das im Vorfeld gefragt, hätte ich diese notwendige Arbeit für das verbesserte Trennen von Verpackungen nicht ausgeschlossen. Aber ich hatte es niemals im Hinterkopf, wenn ich meinen Abfall sortiert habe – das hat sich geändert. Auch einen eigenen Versuch haben wir in der Anlage gewagt. Wir haben eine Flasche aus Plastik an einem bestimmten Punkt im Sortierungsprozess auf das Fließband gelegt und auf der anderen Seite dieser Station überprüft, ob die Maschine dies auf das richtige Fließband legen kann – es funktioniert.

Bild draußen

Danach ging es wieder ins Freie. Nach einem kleinen Resümee gingen wir in das Geschäftsgebäude. Dort erhielten wir noch einen kleinen Überblick über die Geschichte und Leistungen der Sortieranlage. Ebenfalls wurde thematisiert, wie wichtig, ja zukunftsrelevant, die Abfalltrennung inzwischen ist und in ihrer Bedeutung nur zunehmen kann. Damit dies auch weiterhin positive Ergebnisse erzielen kann, erfordert dies das verantwortliche Zusammenwirken von allen beteiligten Akteuren, nämlich Politik, Industrie, Hersteller und Verbraucher. Ein erkenntnisreicher Tag für mich.

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