Feb 18
Das Medienecho war gewaltig: China hat ab Januar 2018 die Einfuhr von Kunststoffabfall weitgehend gestoppt. Aber was bedeutet das genau? Ist dieser Schritt aus deutscher Perspektive ein Rückschritt oder eine Chance für die Zukunft? Wir versuchen die Entwicklung aus verschiedenen Sichtweisen zu beleuchten.
01. März 2017, Iserlohn, Deutschland, Foto: KAY HERSCHELMANN
01. März 2017, Iserlohn, Deutschland, Foto: KAY HERSCHELMANN

Um das ganze Thema zu beurteilen, muss man erst einen Blick zurückwerfen. Die Müllimporte Chinas begannen in den frühen 90er Jahren. Damals wurden hauptsächlich Polyethylen (Folien) und PET mit Containerschiffen importiert. Seit damals hat sich die chinesische Wirtschaft in einem enormen Tempo weiterentwickelt. Inzwischen hat die chinesische Regierung erkannt, dass der Import von Schrott und Müll auch Nachteile hat und Umweltschäden nach sich zieht. Und: In China fallen aufgrund seiner wirtschaftlichen Entwicklung immer mehr einheimische Abfälle an – für große Anteile davon gibt es aber (noch) keine Lösung.

China hat daher den Import von gebrauchten Kunststoffen und unsortiertem Altpapier drastisch eingeschränkt. Das ist aus der Sicht Chinas nachvollziehbar und sinnvoll. Aber was bedeutet das für die exportierenden Länder? Eins ist sicher: Der Importstopp für Papier- und Kunststoffabfälle kann für die Kreislaufwirtschaft in Deutschland und Europa zu einer großen Chance werden.

Welche Lösungen gibt es für den überschüssigen Müll?

Zunächst einmal müssen allerdings für die Kunststoffabfälle, die bisher nach China exportiert wurden, andere Verwertungswege gefunden werden. Das bedeutet gleichzeitig, dass mehr Rohstoffe – vor allem Kunststoffabfälle guter Qualität – in Deutschland bleiben. China hat nämlich vor allem sogenannte Gewerbefolie importiert, das sind große und meist recht saubere Folien. Diese kommen jetzt zusätzlich in Deutschland und Europa auf den Markt. Das größere Angebot sorgt zunächst für Preisdruck.

Es wird aber auch deutlich mehr Kunststoff recycelt werden müssen. Denn das neue Verpackungsgesetz, das 2019 in Kraft tritt, schreibt wesentlich höhere Recyclingquoten für Kunststoffverpackungen aus dem Gelben Sack und der Gelben Tonne vor. Daher sind bereits mehrere Sortieranlagen nach dem neusten Stand der Technik im Bau. Voraussetzung für das Recycling ist nämlich, dass die Kunststoffabfälle möglichst sortenrein vorliegen.

Während Packstoffe, wie Papier, Glas und Metalle, bereits seit vielen Jahrzehnten mehr oder weniger gut im Kreislauf geführt werden und teilweise auch wieder zur Herstellung von neuen Verpackungen genutzt werden, ist das bei Kunststoff noch nicht zu einem so hohen Prozentsatz der Fall. Denn Kunststoffverpackungen werden weit überwiegend aus neuem Kunststoff hergestellt. Und von allen Kunststoffabfällen werden laut einer Studie des Institus Consultic nur etwa 37 Prozent recycelt.

Das muss und wird sich allerdings ändern. Ab 2019 müssen zunächst 58,5 Prozent der Kunststoffe im Gelben Sack und der Gelben Tonne, die am System teilnehmen, einer werkstofflichen Verwertung zugeführt werden, 2022 steigt diese Quote auf 63 Prozent. Die Anlagen, um den Abfall künftig besser zu sortieren, sind wie gesagt bereits im Bau. Technisch wird das Ziel erreichbar sein – die neuen Quoten bedeuten aber auch, dass mehr Recyclingkunststoff tatsächlich eingesetzt werden muss. Und da hapert es derzeit noch. Dabei sind zum Beispiel mit Systalen, dem Recyclingkunststoff vom Grünen Punkt, sogar neue Verpackungen möglich. Bisher sind aber erst wenige Hersteller bereit, ihre Verpackungen aus solchen Kunststoffen, die vollständig aus Abfall aus dem Gelben Sack erzeugt werden, herzustellen.

Was muss getan werden, um diesen Prozess voranzutreiben?

Um mehr Recyclingkunststoff zu nutzen, braucht es daher eine gemeinsame und rasche Anstrengung von Wirtschaft und Politik. Vor allem die Industrie muss eine höhere Bereitschaft bei der Nutzung von Rezyklaten signalisieren. Die Politik kann diese Entwicklung zusätzlich fördern, etwa indem bei der öffentlichen Beschaffung Produkte aus Rezyklaten bevorzugt werden, wenn sie qualitativ mindestens gleichwertig sind.

Und wir als Endverbraucher können Plastik vermeiden, indem wir Einkaufstüten mehrmals verwenden und auf den Einkauf von Recyclingprodukten und Mehrwegverpackungen achten. Dadurch kann man auch große Mengen an Treibhausgasen einsparen. Und damit können wir alle gemeinsam die Umwelt noch ein Stück besser schützen.

Fazit:

Der chinesische Importstopp für Papier- und Kunststoffabfälle ist bei genauerer Betrachtung eine riesige Chance für die Industrie in Deutschland und Europa. Denn für die Kunststoffabfälle, die bisher nach China exportiert wurden, müssen nun andere Verwertungswege und neue Lösungen gefunden werden. Das bedeutet aber auch, dass mehr Wertschöpfung in Europa bleibt. Mit einem klaren Ergebnis: Wir können und müssen mit unseren Rohstoffen effizienter umgehen, um Ressourcen einzusparen und den CO2-Ausstoss zu verringern. Das ist gut für die Umwelt und gibt Deutschland die Chance, sich einmal mehr an die Spitze der Recyclingbewegung zu stellen.

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