Okt 17

Das Problem ist bekannt: Gerade bei Getränken oder Essen zum Mitnehmen fällt sehr viel Verpackungsmüll an. Dabei geht es nicht nur um die typischen Coffee-to-go-Becher, die gerade häufiger in der Kritik stehen. Auch Styropor- und Aluboxen von Restaurants tragen zum steigenden Müllaufkommen bei. Die „Mehrweg Initiative Stuttgart“ tritt dieser Entwicklung mit einem interessanten Pilotprojekt entgegen, das wir heute vorstellen möchten.

Beim Thema Nachhaltigkeit schauen viele Menschen sehr viel genauer hin als noch vor einigen Jahren. Biologische und regionale Produkte stehen hoch im Kurs und ziehen sich durch alle möglichen Lebensbereiche. Vor allem beim Thema Food geht der Trend ganz klar zu ökologischen und hochwertigen Inhaltsstoffen. Was in vielen Bereichen allerdings oft auf der Strecke bleibt, ist der nachhaltige Umgang mit Verpackungen von Takeaway-Produkten. Klar, denn natürlich sind Einwegbehälter und -becher einfach praktisch, wenn man sich im Vorbeigehen eine Mittagsmahlzeit oder einen Latte Macchiato mitnehmen möchte. Allerdings landen die Verpackungen nach der einmaligen Benutzung direkt im Müll.

Grundsätzlich mangelt es nicht an guten Ideen, dieses Problem anzugehen und Alternativen zu To-go-Verpackungen zu produzieren. Immer wieder werden neue und vielversprechende Konzepte vorgestellt, die das Müllproblem verringern sollen. Diese Konzepte scheitern aber leider oft an verschiedenen Stolpersteinen wie Hygienebedingungen, nicht funktionierenden Rücknahmesystemen oder einfach an der Rentabilität. Das möchte jetzt eine Initiative aus Stuttgart ändern und startet ein tolles Pilotprojekt mit dem reCIRCLE-Mehrwegsystem. Daran nahmen zu Beginn zehn Restaurants und Cafés in Stuttgart teil. Das Grundmodell ist bereits in mehreren Schweizer Städten mit 70 Restaurants etabliert. Beste Vorrausetzungen also, um auch im umweltbewussten Deutschland zu funktionieren. Aber wie läuft das Ganze ab?

Du genießt und die Umwelt freut sich
Eigentlich ist der Prozess ganz einfach: In den teilnehmenden Restaurants und Cafés erhältst du gegen eine Pfandgebühr von zehn Euro entweder eine „reBOX“ für Essen oder einen „reBECHER“ für Getränke. Diese kannst du dann mit nach Hause nehmen und beim nächsten Besuch bei den teilnehmenden Anbietern wieder abgeben – auch ohne sie vorher zu spülen. Anschließend bekommst du deine zehn Euro Pfand zurück. Natürlich kannst du die praktischen Becher und Boxen auch einfach behalten.
Welche Restaurants und Cafés an der Aktion teilnehmen, erkennt man schon von weitem an den auffälligen Flaggen und Aufklebern an den Türen der Teilnehmer – oder natürlich online auf der Website von reCIRCLE. Dabei hat die Initiative bei dem Pilotprojekt darauf geachtet, auch bei der geringen Anzahl der Restaurants eine gewisse kulinarische Bandbreite anzubieten und Lieferdienste miteinzuschließen.

Mehrwegsystem_Ablauf_recircle
Der Ablauf ist ganz einfach.
Original auf https://www.recircle.ch

 

Was sind die Vorteile der Boxen und Becher?
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob sich dieser Mehraufwand lohnt – auch wenn er schon sehr gering gehalten wurde. Wir denken ja. Denn das System ist gut durchdacht: Die „reBOX“ und „reBECHER“ bestehen aus auslaufsicheren und schadstofffreien Kunststoffen und sind so im Alltag und zum schnellen Mitnehmen besonders praktisch. Sie haben Maßangaben im Inneren und einen durchsichtigen Deckel, um den Inhalt zu sehen. Ein weiterer Vorteil ist, dass dein Essen in den Frischhalteboxen auch im Kühlschrank länger knackig und lecker bleibt – im Gegensatz z.B. zu Styroporboxen. Und auch einen weiteren Punkt hat reCIRCLE gut gemeistert: Durch das Pfandsystem wird auch der Hygiene-Faktor erfüllt, an dem viele vorherige Projekte gescheitert sind. Denn für die Befüllung und Reinigung sind allein die Anbieter der Getränke und Mahlzeiten verantwortlich. So werden keine Lebensmittel in vorher benutzte Behälter gefüllt, wie es bei manchen Coffee-to-go-Konzepten angedacht war. Natürlich ist auch die Ökobilanz ein wichtiger Punkt für das Gelingen des Pilotprojekts. Denn klar ist auch, dass die Behälter erst nach mehrmaliger Verwendung besser als Einwegplastik dastehen. Dieser Umstand soll laut der Initiative aber schon nach der zehnten Benutzung der Boxen durch eine bessere Bilanz gegeben sein. Ab dann sind sie ökologisch sinnvoller als vergleichbare Einwegbehälter. Insgesamt können die reCIRCLE-Produkte mindestens hundertmal wiederverwendet werden. Bei allem brauchst du keine Angst zu haben, dass du stark abgenutzte Becher oder Boxen bekommst. Verfärbte und beschädigte Behälter werden aus dem System genommen und alle zwei Jahre sollen alle sich im Umlauf befindlichen Behälter ausgetauscht werden.
Uns überzeugt das Projekt. Allerdings bleibt abzuwarten, ob das System auch angenommen wird. Nur wenn sowohl viele Gastronomen mitmachen, als auch die Verbraucher dieses Projekt unterstützen, kann es zum Erfolg führen. Wir drücken auf jeden Fall fest die Daumen.

Mehrwegsystem_rebecher_rebox
Die praktischen Alltagshelfer „reBECHER“ und „reBOX“
(startnext.com/recircle-stuttgart)

0 Kommentare zu “Weniger Verpackung für mehr nachhaltigen Genuss – Das reCIRCLE-Mehrwegsystem kommt nach Deutschland”

Kommentare
Du möchtest mitdiskutieren? Hinterlasse hier deinen Kommentar oder melde dich in der Community an.

Werde jetzt Mitglied der Community! Hier geht's zur Anmeldung.