Feb 14
Foto

Beim Wachstum des Kiribaums kann man zuschauen. Seine Blätter sind mit einem Durchmesser von mehr als einem halben Meter in jungen Jahren groß wie ein Regenschirm. Er ist ein Meister der Effizienz und liefert Holz für japanische Kaiser und für den guten Klang der Rolling Stones.

 

 

Der Blauglockenbaum, auch Kiri-Baum genannt, ist in Zentral- und Westchina beheimatet. Er wird aber weit darüber hinaus in Korea, Japan, Nordamerika und Europa als Zierbaum kultiviert. Der Blauglockenbaum wächst als sommergrüner, laubabwerfender Baum mit Wuchshöhen von bis zu 15 Meter.

Nach Europa wurde der Blauglockenbaum vom Würzburger Naturforscher, Arzt und Japanologen Philipp Franz von Siebold gebracht. Siebold stand in niederländischen Diensten und benannte den Baum nach der niederländischen Kronprinzessin und späteren Königin Anna (Pawlowna), die eine Tochter des russischen Zaren Paul I. war. Der Blauglockenbaum war der Lieblingsbaum von Kaiser Franz Joseph. Viele der Bäume, die heute in allen Ländern des ehemaligen Österreichischen Kaiserreichs stehen, sind aufgrund seiner Anordnung dort gepflanzt worden. Damit ist auch die Häufung von Blauglockenbäumen in den Zentren der ehemaligen Monarchie (z. B. Baden, Schönbrunn) erklärbar.

Bild: margrit22  / pixelio.de
Bild: margrit22 / pixelio.de

Von April bis Mai vor dem Blattaustrieb erscheinen die Blüten in aufrecht verzweigten, bis zu 40 Zentimeter hohen traubigen Blütenständen. Die glockenförmigen, rosavioletten und innen gelb gestreiften Blüten sind 5 bis 6 Zentimeter lang Die großen violetten Blütenstände, die nussförmigen Kapselfrüchte sowie die samtige rotbraune Behaarung der Zweigspitzen machen den Blauglockenbaum unverwechselbar. Aufgrund des ähnlichen Blattschmucks wird er häufig mit dem Trompetenbaum verwechselt.

Charakteristisch für den Kiribaum sind seine außergewöhnlich großen Blätter, die bei jungen Bäumen nicht selten Durchmesser von über 60 Zentimetern erreichen. Diese großen Blätter sind es, die dem Baum eine im Vergleich zu anderen Baumarten überdurchschnittlich große Fläche für die Aufnahme von Sonnenenergie bieten. Ähnlich wie bei Solarmodulen, bei denen die Größe der Oberfläche maßgeblich über die Leistung der Stromerzeugung entscheidet, hängt bei Bäumen die Zuwachsrate primär von der Blattoberfläche ab. Dank seiner großen Blätter ist der Kiribaum in der Lage, überdurchschnittlich hohe Photosynthese- und Zuwachsraten zu erzielen und somit schon in einem sehr kurzen Zeitraum ein großes Volumen an Holz zu produzieren. So sind beispielsweise im Bonner Stadtgebiet Kiribäume zu sehen, die bereits nach 16 Jahren ein gleiches Holzvolumen erzeugt haben, wie Eichen es unter identischen Standortbedingungen erst nach 150-180 Jahren erreichen können. Der Kiribaum wächst somit etwa 8 bis 10-mal so schnell wie die Eiche. In Deutschland sind Höhenzuwächse von 2 Meter pro Jahr keine Seltenheit.

Das Holz des Blauglockenbaums wird aufgrund seines häufigen Vorkommens und der guten Eigenschaften als Klangholz in China gern zur Herstellung von Musikinstrumenten verwendet. So wird beispielsweise auch bei vielen auch nach Europa exportierten Elektrogitarren der Korpus aus Paulownia-Holz gefertigt. Auch für die Herstellung von Tischtennis-Hölzern werden Kernfurniere aus dem Holz (in diesem Kontext meist japanisch Kiri genannt) gerne verwendet.

Der weltweite Holzbedarf ist seit 1950 um etwa 600 Prozent gestiegen. Die globale Abholzung als Folge des ungesättigten Rohstoffhungers schreitet unaufhaltsam voran. In großen Teilen der Erde wird heute kein Wert auf nachhaltige Nutzung der Ressource Holz gelegt. Da liegt es nahe, dass Geschäftsmodelle mit  diesem „Turbo-Baum“ Konjunktur haben.

Quellen: Wikipedia, WeGrow

Titelbild: Wikipedia

0 Kommentare zu “Turboholz vor der Hütte”

Kommentare
Du möchtest mitdiskutieren? Hinterlasse hier deinen Kommentar oder melde dich in der Community an.

Werde jetzt Mitglied der Community! Hier geht's zur Anmeldung.