Mai 13
(c) Claus Breitfeld, 2009

Ich mache alles einfach, was ich im Herzen habe und übertrage es nach außen“, in einfachen Worten beschreibt der ehemalige Mönche Don Justo Gallego in einem Interview mit der Deutschen Welle sein Lebenswerk: die Kathedrale zu Mejorada del Campo in Spanien. Seit über 50 Jahren baut er sie, mit Angel Lopèz als einzigem festen Mitarbeiter und unterstützt dann und wann von freiwilligen Helfern. Er hat sein Bauwerk der „Nuestra Señora de Pilar“, der Schutzheiligen Spaniens gewidmet, bekannt ist es in ganz Spanien aber nur unter „Catedral de Justo“.

Aus dem Kopf und in einem sich täglich weiterentwickelnden Bauplan, der unglaublicherweise offensichtlich und sprichwörtlich das Gebäude „trägt“, schuf Gallego auf eigenem Grund und Boden ein Bauwerk von imposantem Ausmaß: 55 Meter lang, 25 Meter breit und 35 Meter hoch erstreckt es sich auf einer Grundfläche von 8.000 Quadratmetern. Der Stil entspricht der klassischen Basilika spanischen Typus mit zweitürmiger Westfassade, Langschiff, säulengetragenem Hauptgewölbe mit Emporen, Vierungskuppel und Krypta. Die blaue Kuppel ist ca. 36 Meter hoch, die beiden Westtürme sollen 58 Meter hoch werden. Alles ist noch unvollendet, Gallego arbeitet unorthodox, mal hier, mal da, und wenn möglich immer gerne bunt und hell. Sein Werk ist nicht nur durch die erfassbare Größe absolut imposant, sondern auch, weil die verbauten Materialien so unterschiedlich sind. Was auf Baustellen und in Fabriken übrig bleibt, aber auch Alltagsgegenstände oder Glasscheiben – alles findet Platz und Zweck in seinem Gotteshaus. Gallego rührt den Mörtel für die Fugen in alten Treibstofffässern an und die Schalung für die hohen Säulen aus Beton sind Kartontrommeln. „Aqui todo está reciclado – hier ist alles wiederverwertet“, sagt er. Recycling zur Ehre Gottes.

Etwas Familienvermögen, vor allem aber Geld- und Sachspenden tragen Don Justo, Jahrgang 1925, mittlerweile durch fünf Jahrzehnte „freies Bauen“. Und das ohne die offizielle Unterstützung der katholischen Kirche, sogar ohne Baugenehmigungen. „Loco“, verrückt, nannte man ihn zu Beginn, heute lässt man ihn schaffen. Er ist bekannt und seine Kathedrale ist für die Stadt Mejorada zu einer unerlässlichen Touristenattraktion geworden. Diese reicht bis nach Übersee: Das Museum of Modern Art, New York, widmete der Kirche eine Fotoausstellung.

Sein Mitarbeiter Angel will das Bauwerk weiterführen, wenn Don Justo nicht mehr ist, und erben wird es das Bistum Alcalá de Henares. Don Justo ist stolz, seit Baubeginn 1961 soweit gekommen zu sein. Die Antwort auf die Frage, warum er sein Leben der „Catedral de Justo“ gewidmet hat, ist so bescheiden und einfach wie der Mann selbst. Sie sei Ausdruck seines Dankes für eine Genesung von Tuberkulose, die einst seine Lebensplanung als Mönch im Trappistenkloster von Santa María de Huerta bei Soria verhindert hatte.

Einen interessanten Artikel zu Don Justo Gallego mit tollen Bildern zu seiner Recycling-Kathedrale findet ihr hier: punkt1_09 Don Justo

Das Interview von Don Justo mit der Deutschen Welle-TV seht ihr hier

 

 

 

Ein Kommentar zu “Die Kathedrale des Don Justo Gallego”

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