Aug 16

Dass man im Urlaub auf Interessantes und Neues stößt ist in der Regel nichts Außergewöhnliches, auch wenn es erfreulich ist. Wenn die Entdeckung, die man gemacht hat, allerdings nachhaltig und ökologisch wertvoll ist, sollte sie unbedingt erwähnt werden – was ich hiermit tue.

Dorf aus Plastikflaschen EinfahrtAuf unserer Quad-Tour über die Straßen Panamas fällt mir eine gigantische Toreinfahrt mit zwei Türmen auf. Das besondere hieran bemerke ich beim Näherkommen: Das Innere der Mauern besteht, wie man gut erkennen kann, aus leeren Plastikflaschen. An den Außenwänden hängen große Schilder mit Aufschriften wie „ save the earth“, „save the planet“ und „drink it und build it“. Meine Neugier ist geweckt.

Wir halten also an, parken unsere Quads und begeben uns Richtung Einfahrt. Drinnen werden wir sehr herzlich vom Erfinder des Ganzen empfangen. Robert Bezeau, ist Anfang 50, Kanadier, lebt seit einigen Jahren in Panama und sprudelt nur so vor Begeisterung für sein Projekt. Er erzählt uns von dem „Flash“, den er vor einigen Jahren bekommen hat. Die Idee die Welt auf seine eigene Weise zu retten. Roberts Konzept ist simpel und effektiv. Wer leere Plastikflaschen bei ihm abgibt erhält dafür Reis, Bohnen, Öl oder andere Lebensmittel. Mit den gesammelten Plastikflaschen befüllt er Stahlgitterboxen, aus denen einzelne Bauplatten entstehen. Im Anschluss werden diese zusammengesetzt, zementiert und auf diesem Wege zu soliden Wänden für Häuser, die gleichzeitig noch ein isolierende Funktion haben. Für die Strom- und Wasserversorgung wird durch Rohre, die im inneren der Wände verlaufen, gesorgt.

Dorf aus Plastikflaschen Bauschritte_01
Mit Plastikflaschen befüllte Stahlgitterboxen
Dorf aus Plastikflaschen Bauschritte_02
Der Grundriss steht: Rohkonstruktion eines Hauses
Dorf aus Plastikflaschen Bauschritte_03
Das Plastikflaschenhaus steht, hiernach folgen Putz und alle Feinarbeiten.

 

Doch laut Robert können seine Häuser noch viel mehr. Durch das Zusammensetzen der einzelnen, mit Plastikflaschen gefüllten Teile erreichen die Wände eine gewisse Flexibilität und können so im Falle eines Erdbebens besser standhalten.
Bei auftretenden Tsunamis können die einzelnen Wandelemente als Floß genutzt werden, da sie aufgrund der Luft in den Plastikflaschen die Fähigkeit haben zu schwimmen. Und auch für den Brandfall hat Robert ein passendes Löschsystem, das in Rohren innerhalb der Wände verläuft und durch einen Hebelzug ausgelöst wird, entworfen.
Hinzu kommt, dass alle Häuser aufgrund ihrer Bauweise transportabel sind.

Robert hat große Pläne für die Zukunft. Dorf aus Plastikflaschen Plastik_BurgEr hat ein Bungalow Hotel gebaut, in dem man testweise leben und übernachten kann. Hierhin möchte er Menschen einladen, sein Handeln verständlich machen und sein Wissen weitergeben. Die Vision, ganze Dörfer durch seine kostengünstige Bauweise entstehen zu lassen und dabei die Umwelt zu schonen, treibt ihn an.
Sein erstes Haus hat er sogar schon an eine junge Familie in Panama verkauft. Es konnte innerhalb von 50 Tagen errichtet werden, verwertet 20.000 Flaschen und kostet komplett ca. 36.000€.

Gerade für ärmere Länder ohne Recycling-Infrastruktur ist diese kostengünstige Bauweise eine clevere Verwertungsmöglichkeit von Plastikabfällen, mit der nicht nur den Menschen, sondern auch der Umwelt geholfen wäre.
Dass Umweltbewusstsein für Robert ein großes und wichtiges Thema ist, bekommt man nicht nur durch seine Ideen und einen Blick in seine Arbeiten zu spüren, auch auf seiner Website ist es unübersehbar.

Robert hat es geschafft mich zu berühren und mit seiner Begeisterung anzustecken. Es ist immer wieder schön Menschen und Ideen zu entdecken, mit denen es gelingt die Welt in eine positive Richtung zu bringen. Abfall auf die verschiedensten Arten zu recyceln und dadurch Neues entstehen zu lassen ist großartig. Es freut mich zu sehen, wenn neue Dinge wie bspw. Handtaschen oder sogar ganze Häuser aus Müll entstehen, für den bisher keine Infrastruktur geschaffen wurde um ihn sinnvoll zu recyceln oder zu entsorgen. Denn genau solche Ideen schaffen nicht nur Teillösungen für Länder, die ein riesiges Müllproblem haben, sondern sorgen vor allem für Aufmerksamkeit rund um diese unglaublich wichtige Thematik.

Danke an Robert und an alle, die mit kreativen Ideen versuchen, unsere Welt ein bisschen besser zu machen.

0 Kommentare zu “Ein Dorf erbaut aus Plastikflaschen – Drink it and build it”

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