Nov 16

Kunststoffverpackungen bergen viele Möglichkeiten, um auch nach der Benutzung noch Gutes zu tun. Der Kanadier David Katz hat ein ambitioniertes, neues Projekt entwickelt: Er möchte die Umwelt mit möglichst wenig bürokratischem Aufwand von Kunststoffabfällen befreien und gleichzeitig Menschen finanziell unterstützen, die ein niedriges oder gar kein Einkommen haben.

Plastic Bank in Port-au-Prince (Haiti) • © The Plastic Bank
Plastic Bank in Port-au-Prince (Haiti) • © The Plastic Bank

Katz nennt sein Projekt Plastic bank. Die Idee dazu hatte er im Jahre 2013 und der Gedanke der ihr zugrunde liegt, ist so einfach wie genial: „Das Problem mit Plastikmüll ist, dass wir ihn als Abfall sehen. Wenn er aber einen Wert bekommt, dann wird Plastik zu kostbar, um es wegzuwerfen.“ Katz möchte den versteckten Wert des Kunststoffs aufdecken und seine Potentiale nutzen. Und damit Gutes für bedürftige Menschen tun, die Dank der Idee auf einen höheren Lebensstandard hoffen können.

Ein Ansatz, den zum Beispiel auch das Projekt Spende dein Pfand verfolgt, dessen Partner der Grüne Punkt ist. Die Initiative sammelt an ausgewählten deutschen Flughäfen und mit Hilfe gemeinnütziger Organisationen seit einiger Zeit die Pfandflaschen, die an der Sicherheitskontrolle nicht mitgenommen werden dürfen und daher weggeworfen würden, und führt sie mit Hilfe des Grünen Punkts dem Wertstoffkreislauf zu.

Katz‘ Idee funktioniert im Kern ganz ähnlich: Menschen sammeln herumliegendes Plastik ein und bringen es zu seiner Plastic bank. Die nimmt den Abfall entgegen, zahlt dem Sammler den Gegenwert des Kunststoffes aus oder stellt ihm etwa einen Internet-Zugang oder ein Stromkontingent zur Verfügung. Das klappt mittlerweile schon ganz gut – zum Beispiel in Haiti. Hier können Menschen gesammeltes Plastik bei den Sammelstellen der Plastic Bank abgeben und bekommen dafür beispielsweise kostenlosen Internetzugang oder können Ihr Smartphone laden.

Auch in Peru läuft bereits ein ähnliches Projekt und die Macher denken auch über die günstige Vergabe von Micro-Krediten und Dinge des täglichen Bedarfs wie Essen an ihre Lieferanten nach. Aber die Plastic bank ist nicht nur Annahmestelle für das weitergegebene Plastik. Sie lässt es auch abtransportieren, kümmert sich um Recycling und Weiterverarbeitung und verkauft den Rohstoff schließlich unter der Marke Social Plastic. Seit 2014 gibt es das erste Produkt aus recyceltem Plastik: Filament, ein Plastikfaden für die Befüllung von 3D-Druckern.

Katz und sein Partner Shaun Frankson denken in großen Dimensionen: 11.000 Personen sollen im ersten Schritt auf den verschiedenen Ebenen in System eingebunden werden, weitere 10.000 sollen folgen. Die Facebookseite des Unternehmens verzeichnet mittlerweile über eine Million Likes. Neben dem sozialen Aspekt ist auch die Pflege der belasteten Natur ein erwünschter Effekt des Projektes.

Das Konzept ist vor allem für die Länder relevant, wo aktuell eine funktionierende Abfallwirtschaft fehlt. Denn vor allem in den Drittwelt- und Schwellenländern, die das Projekt hauptsächlich im Blick hat, ist nicht oder falsch entsorgter Plastikmüll ein zunehmendes Problem. Kein Wunder also, dass Katz’ Idee Anklang findet. Bereits 400 Personen an entscheidenden Stellen in rund 70 Ländern haben sich für das System ausgesprochen und wünschen sich einen Testlauf in ihrer Region.

Eine tolle Idee, wie wir finden. Hoffentlich hören wir bald mehr von der Plastic Bank. Wir würden uns freuen.

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