Apr 17

20170314_problem_plastikmuell_nabuIn den Meeren der Welt gibt es ein Problem mit Plastikmüll. Wie konkret dieses Problem ist, wie man es in Zahlen fassen kann und welche Lösungen in Frage kommen, haben der NABU (Naturschutzbund Deutschland), die Hochschule Magdeburg-Stendal und Der Grüne Punkt in Berlin mit Vertretern der Bundesregierung und des Umweltbundesamts sowie der Wirtschaft diskutiert.

Fishing for Litter ist eines der Projekte des NABU, das Lösungen für das Problem der Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll bietet. Im Rahmen des NABU-Projektes sammeln bereits über 150 Fischer während ihrer Arbeit auf Nord- und Ostsee das Plastik und anderen Abfall, den sie als Beifang in ihren Netzen finden und bringen es in ihren Heimathäfen kostenlos zur Entsorgung bzw. Wiederverwertung. Eine geregelte und umweltgerechte Entsorgung dieses Mülls fand in der Vergangenheit oft nicht statt. Doch im Rahmen des Projekts konnten bereits über 20 Tonnen Abfall gesammelt werden. Und was noch viel wichtiger ist: durch die Analyse des gesammelten Plastiks können Rückschlüsse auf die Wege des Mülls in die Meere und den Zersetzungsprozess des Kunststoffes im Salzwasser gezogen werden. Bei der Analyse und Auswertung des gesammelten Kunststoffmülls wird der NABU vor allem von der Hochschule Magdeburg-Stendal unterstützt.

Die Fischer vor Ort beteiligen sich rege an dem Projekt, sichern sie damit doch auch ein Stück weit die Zukunft ihrer Zunft. Denn vor allem für Fische und Meeresvögel ist der Plastikmüll in den Meeren eine große Gefahr. Kunststoff, der ins Meer gelangt, zerfällt unter der Einwirkung von Salzwasser, Temperatur und Strahlung in immer kleinere Partikel, die in den Mägen der Fische oder Meeresvögel landen. Diese kleinen Partikel werden Mikroplastik genannt und sind immer häufiger in verendeten Tieren zu finden, wie Untersuchungen zeigen. Aber auch der grobe Plastikmüll – etwa Fischernetze oder Plastiktüten – sind eine Gefahr für die Meeresbewohner.

20 Jahre für eine Tüte, 450 Jahre für eine Flasche

Bis eine Plastiktüte zerfallen ist, dauert es je nach Kunststoffsorte bis zu 20 Jahre, bei einer Plastikflasche bis zu 450 Jahre – und das bedeutet lediglich, dass der Kunststoff in mikroskopisch kleine Teile auseinanderfällt, die nach wie vor in den Meeren treiben. Und jedes kleine Stück Kunststoff, das in den letzten Jahrzenten im Meer gelandet ist, ist immer noch dort. Umso bedeutsamer und wichtiger ist es, zu verhindern, dass weiterer Plastikmüll in die Ozeane gelangt. Aktuell sind das rund 10 Millionen Tonnen Kunststoff jährlich – Tendenz steigend. Um die Zahl nochmal deutlich einzuordnen: Ändert sich daran nichts, werden wir im Jahr 2050 vielleicht genauso viel Plastikmüll wie Fische im Meer haben.

Um diese Entwicklung nachhaltig zu stoppen, bestätigte Michael Wiener, CEO des Grünen Punkts, im Rahmen der Veranstaltung in Berlin die entscheidende Rolle der Abfall- und Kreislaufwirtschaft im Kampf gegen die Müllkippe Meer: „Wir müssen endlich weltweit ein wirkungsvolles System zur Sammlung und Verwertung von Kunststoffen aufbauen, wie es in Deutschland bereits vorhanden ist. Das ist ein Schlüsselelement für gesunde Meere. Viele Länder der Erde verfügen heute nicht über eine geregelte Abfallinfrastruktur. Um aber in funktionierende Sammel-, Sortier- und Verwertungssysteme zu investieren, müssen wir Kunststoffabfälle als Wertstoffe begreifen, die nicht ungeregelt in die Umwelt gelangen dürfen.“

Bekämpfen und vorbeugen

Der Plastikmüll, der bereits in die Meere gelangt ist und im Rahmen des NABU-Projektes wieder eingesammelt wird, ist in der Mengenrelation zum gesamten Plastikmüll im Meer nur ein kleiner Anteil. Er liefert aber wichtige Daten, die weitere Lösungen des Problems unterstützen. Es gilt, die zahlreichen Möglichkeiten weiterzuentwickeln, die verhindern, dass Plastik und Kunststoff-Verpackungen in die Meere gelangen. Der weitere Ausbau einer geschlossenen Abfallinfrastruktur nach Vorbild des Grünen Punkts ist eine solche Maßnahme; denn der hat zur Folge, dass Plastik als echter Wert- und Rohstoff begriffen und nicht mehr achtlos und falsch entsorgt wird. Ein weiterer Ansatzpunkt ist die enge Zusammenarbeit in der Wirtschaft beim Thema Kreislaufwirtschaft – etwa bei der Gestaltung von Verpackungen, wie sie der Grüne Punkt beim Design for Recycling mit Kunden und Partnern schon lange praktiziert. Im Design for Recycling bereiten Unternehmen in enger Abstimmung mit dem Grünen Punkt eine Verpackung bereits beim Entwurf in Hinblick auf Konstruktion und Materialien bestmöglich für ein späteres Recycling vor. Und auch mit einer fundierten Bewertung und Verbesserungsvorschlägen für bestehende Verpackungen kann der Grüne Punkt bei einer besseren Wiederverwertung helfen. Das hat nicht nur Vorteile für unsere Umwelt, sondern auch für die Kunden und Partner, die über neue Materialien, Konstruktionen oder Prozesse langfristig und effektiv Kosten sparen können.

Alle sind gefordert

Optimierte Verpackungen und eine geschlossene Kreislaufwirtschaft, ein Bewusstseinswandel bei den Verbrauchern und ein Umdenken der Industrie zu mehr Produktverantwortung – um das Plastik-Problem in den Weltmeeren zu lösen, müssen alle an einem Strang ziehen. Projekte wie Fishing for Litter leisten wertvolle Arbeit, die der Grüne Punkt tatkräftig unterstützt, um so das gemeinsame Projektziel zu erreichen: die Wege des Mülls in die deutschen Meere zu analysieren und die gefischten Abfälle möglichst nachhaltig zu verwerten.

Im Sommer stellt der NABU weitere Ergebnisse des Projekts vor. Weitere Informationen rund um das Thema Plastikmüll in den Meeren, Fishing for Litter, Design for Recycling und nachhaltiges Kunststoff-Recycling gibt es unter anderem auf folgenden Seiten:

www.NABU.de/fachgespraech-meeresmuell

www.NABU.de/presse/fotos/#fishingforlitter

www.fishing-for-litter.de

www.gruener-punkt.de/de/geschaeftsfelder/beratung-service/design4recycling.html

0 Kommentare zu “Endstation: Müllkippe im Meer?”

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