Okt 14
Armedangels - fair produzierte Kleidung

Sieht fair produzierte Kleidung immer aus wie Sackware oder kann sie auch cool sein? Martin Höfeler ist Mitgründer des grünen Modelabels „Armedangels“. Der ehemalige BWL-Student will die Menschen schöner anziehen – mit einer modischen Kollektion aus fair produzierter Kleidung.

Künstliches Licht und kreative Stille herrschten in der Kölner Seminarbibliothek, als die BWL-Studenten Martin Höfeler und Anton Jurina den Stoff für die nächste Klausur durchgingen. Fast nebenbei, in einer Lernpause, hatten sie eine fixe Idee: Wie wäre es, das fairste Modelabel der Welt zu gründen? Heute, gut sieben Jahre später, ist aus dem Traum längst Realität geworden – und aus Armedangels ein wachsendes Unternehmen mit stylishem Produktportfolio.

Sackförmige Kleider aus Jute, mit Hilfe einer Kordel tailliert – dieses alte Klischee grüner Mode führt Höfeler ad absurdum. „Wir sind der Meinung, dass Nachhaltigkeit nicht von außen sichtbar sein muss“, sagt der Jungunternehmer. „Wir wollen, dass unsere Kunden Spaß daran haben, unsere Mode zu tragen. Nachhaltig sind die inneren Werte – zu wissen, dass die verwendeten Materialien umweltfreundlich sind und die Menschen, die das Produkt hergestellt haben, fair behandelt werden.“

Doch in der Modebranche ist aller Anfang schwer. Höfeler und Jurina starteten das Modelabel in ihrer Studenten-WG und einem 15 Quadratmeter kleinen Mietbüro. Es galt, sich intensiv in die Anforderungen der Textilindustrie einzuarbeiten. „Fertige Kleidungsstücke haben zahlreiche Produktionsprozesse durchlaufen. Dabei gibt es in jedem Schritt andere Besonderheiten: Während es beim Färben um Chemikalien-, Wasser- und Energieverbrauch geht, stehen bei der Konfektion der Mensch und die Arbeitssicherheit im Vordergrund. Es ist kompliziert, alle Schritte sauber aufzusetzen und zu kontrollieren“, erklärt Martin Höfeler.

Dass dies nicht unmöglich ist, stellt Armedangels unter Beweis. Inzwischen verfügt das Unternehmen über neun Produktionsbetriebe, zwei in Portugal, einen in Marokko, vier in der Türkei und zwei in Indien. Dabei ist die gesamte Produktionskette nach strengen Standards zertifiziert und unterliegt regelmäßigen Kontrollen. Die Geschäftsführer besuchen die Produzenten vor Ort und haben dabei ein offenes Auge für Arbeitsbedingungen, Sicherheits- und Umweltstandards. Doch damit nicht genug: „Aktuell sind wir dabei, eine Art Wikipedia für nachhaltige Produktion in der Textilindustrie zu entwickeln, um das Know-how in unserem wachsenden Team gut weitervermitteln zu können“, sagt Höfeler. „Da Nachhaltigkeit in der Produktion der Kern unserer Unternehmensphilosophie ist, entwickeln wir uns hier ständig weiter und haben noch viele Verbesserungsideen, die wir in den nächsten Jahren umsetzen werden.“

500.000 Textilien will Armedangels im Jahr 2014 verkaufen und strebt einen Umsatz von zwölf Millionen Euro an. Die bisherigen Ergebnisse können sich sehen lassen: Von 2012 bis 2013 stieg der Unternehmensumsatz von dreieinhalb auf sieben Millionen Euro. Mittlerweile beschäftigt das Modelabel 30 feste Mitarbeiter und verfügt über ein breites Sortiment von T-Shirts über Jeans und Röcke bis hin zu Kleidern und Accessoires. Der nächste Meilenstein sei ein Nettogewinn von zehn Prozent im Jahr, verrät der ehemalige Student. „Damit wollen wir beweisen, dass ein nachhaltig arbeitendes Unternehmen auch wirtschaftlich erfolgreich sein kann.“

Bild: Martin Höfeler als Fotomontage auf einem seiner T-Shirts (Quelle: Armedangels).

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