Jun 14
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Spätestens seit im August 1969 auf einer Farm in Bethel im amerikanischen Bundesstaat New York das legendäre Woodstock Music and Art Festival stattfand, kennt man sie: Meist mehrtägige Open Air Festivals.

Ob Country-Music, Rock-a-Billy, Hard-Rock oder Volksmusik, die Musikrichtung ist egal, eines haben alle Festivals am Ende gemeinsam: Der Müll tausender Besucher bleibt zurück. Leider weder gesammelt in dafür vorgesehenen Mülleimern oder getrennt in Gelben Säcken/Gelben Tonnen. Nein, der Müll wird nämlich genau dort entsorgt, wo man zuvor noch zur Musik getanzt hat oder auf der Wiese hinterlassen, die für das nächtliche Quartier herhalten musste.

Die Wiesen und Felder der Eventareale gleichen nach den Konzerten eher Müllhalden und man will gar nicht glauben, dass sich Menschen in dem zurückgelassenen Chaos wohlfühlen konnten. Es ist schon bemerkenswert, was da so an Müll zusammenkommt. So musste die Nürburgring GmbH, in deren Händen die Organisation für Rock am Ring, einem der größten und bekanntesten Musikfestivals Deutschlands, liegt, in diesem Jahr wieder ca. 750 Tonnen Haushaltsmüll entsorgen. Hierbei ist eigentlich Alles zu finden, was man sich so vorstellen kann: Getränkedosen, Verpackungen von Würstchen und Steaks, Klamotten, alte Schuhe, Zelte, Garten-Pavillions, und immer mehr Einweg-Grills samt ausgebrannter Holzkohle.

Während die Einweg-Grills tatsächlich nur für den einmaligen Gebrauch vorgesehen und zweckbestimmt sind, machen billige Internet-Preise von mitunter noch nicht einmal zehn Euro Pavillions und Zelte ebenfalls quasi zu Wegwerfprodukten. Toll! – zusätzlicher Vorteil: Man lässt sie einfach stehen und verzichtet auf den zeitraubenden Abbau. Bei den hohen Eintrittspreisen fallen die Kosten für die nächtlichen Zeltbehausungen ja auch nicht mehr nennenswert ins Gewicht, also weg damit.

Noch schlimmer wird es bei den Einweg-Grills. Sie gehören bestimmt auch zu den Produkten, die die Menschheit nicht braucht, wie Einweg-Kameras oder Einweg-Handys. Nicht nur dass die Einweg-Grills jedem vernünftigen Gedanken an die Umwelt und an die Müllvermeidung entgegenstehen, nein, durch ihre Konstruktion versengen sie beim geselligen Bruzzeln zudem noch die darunterliegende Grasnarbe – da wächst dann nichts mehr. Man muss sich das mal klar machen: Diese Grills können ja praktisch auch gar nicht direkt entsorgt werden, da die Kohle ja noch lange nach Gebrauch glüht und somit für Mülleimer aus feuertechnischen Gründen wohl eher nicht in Frage kommen dürfte. Also müssen sie ja quasi auf dem Festplatzgelände stehen bleiben. Übrigens verschandeln eben genau diese Einweg-Grills auch immer mehr öffentliche Parkanlagen oder Wiesen, die zwar zum Grillen freigegeben sind, aber wer hat da schon an Einweg-Grills gedacht. Die Folge: Immer mehr Gemeinden untersagen das Freiluftgrillen in Parkanlagen.

Das Problem mit dem zurückgelassen Müll bei öffentlichen Veranstaltungen liegt zum großen Teil auch daran, dass sich kein Teilnehmer für das Allen zur Verfügung stehende Festivalgelände verantwortlich fühlt. Den eigenen Garten würde man nie so hinterlassen, hier wird der Müll meist penibel entsorgt und zum Glück – ökologisch korrekt – getrennt. Die Festivalveranstalter jedenfalls unternehmen einiges um die wilde Müllflut im Vorfeld zu verhindern. So bezahlt jeder Besucher von Rock am Ring bereits beim Kauf seines Tickets ein Müllpfand in Höhe von fünf Euro und erhält dann beim Betreten des Geländes drei Müllsäcke und eine Müllpfandkarte. Gegen Abgabe der gefüllten Säcke bei Festivalende gibt’s das Müllpfand zurück. Aber auch hier gilt natürlich „Umweltschutz lebt vom Mitmachen“. Bei vielen Festivalbesuchern ist dies offensichtlich nicht der Fall. Schade, dass Gleichgültigkeit gegenüber der Umwelt viele schöne Events überschattet. Mehr Eigenverantwortung würde schon helfen, jeder müsste nur seinen eigenen Dreck wieder mitnehmen.

„……..es könnte so einfach sein“, so die musikalischen Grüße der Fantastischen Vier.

 

Bildnachweis: Sarah Kern, Rhein-Zeitung

4 Kommentare zu “Open Air Festivals: Musik im Ohr – Müll auf der Wiese”

Kommentare
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  1. avatar
    Svenja

    … Dann bitte aber auch Festivals und Initiativen erwähnen, die versuchen, entgegen zu wirken.
    Auf dem Hurricane Festival gibt es das „Green Camp“, das jedes Jahr an Teilnehmern wächst. Dort wird auf Sauberkeit und mehr Ruhe geachtet. Außerdem wird geworben mit „Love your tent, take it home!“ und dem Angebot „Mein Zelt steht schon“, bei dem man sich ein Zelt eines Anbieters ausleiht, es wird aufgebaut und nach dem Festival von diesem Anbieter auch wieder abgebaut.
    Ich war letztes Wochenende wieder Teil des Green Camps und ich muss sagen, es war am Abreisetag DEUTLICH sauberer als auf dem allgemeinen Zeltplatz!
    Bitte beachtet bei einem solchen Festivalbericht auch die vielen positiven Ansätze!

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  2. avatar
    Julian

    Liebe Svenja, ein greencamp gibt es mittlerweile auf fast jedem Festival, so auch bei Rock am ring 🙂
    Und ich war in diesem Jahr 2014 auf dem Hurricane und bei Rock am ring! Und ich muss sagen, dass es auf dem Hurricane wesentlich schlimmer aussah als bei RaR.
    Selbst das Greencamp bei RaR war sauberer als das greencamp 🙂

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        Heiko Müller Blogteam

        Liebe Svenja, lieber Julian,

        Ihr habt beide Recht. Das Hurricane und auch das Schwesterfestival „Southside Festival“ sind in den letzten Jahren wahre Vorreiter in der Festivalbranche, was die Müllentsorgung betrifft. Aber nicht nur die Müllentsorgung, sondern auch viele andere „grüne“ Initiativen wurden gegründet. So hat das Southside Festival Müllinseln als Sammelstelle, vier große Recyclingstationen, Pfandautomaten und ein Food Sharing Projekt ins Leben gerufen. Leider ist es dennoch im Allgemeinen sehr verbreitet, auf Festivals achtlos seinen Müll und sogar Mobiliar zu hinterlassen. Hoffentlich ziehen in den nächsten Jahren alle anderen Festivals den Vorbildern im Norden und Süden nach.

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