Jan 14
(c) Glasaktuell

Glasrecycling ist sinnvoll – aus der Weinflasche oder dem Gurkenglas kann immer wieder eine Weinflasche oder ein Gurkenglas werden. Die Glasindustrie setzt bis zu 90 Prozent Altglas aus den Glasiglus in ihren Schmelzwannen ein. Vorausgesetzt die Qualität der Scherben stimmt. Und da liegt die Latte hoch: Farbrein müssen die Scherben sein – das leuchtet ein. Gerade transparentes Glas ist empfindlich, jede andere Farbe würde es verfälschen.

Auch Fremdstoffe dürfen die Scherben nicht aufweisen, kein Plastik, kein Metall, keine Keramik. Sie würden den Schmelzprozess stören oder sich als Einschlüsse im fertigen Glas wiederfinden – das sieht nicht nur hässlich aus, sondern bringt die Glasverpackungen auch zum Platzen. Deshalb sind überall auf den Glascontainern Aufkleber angebracht, die zeigen, was alles nicht ins Altglas gehört. Eine Kampagne klärt mit witzigen Motiven über das richtige Trennen auf.

Passt_passt_nichtEine Extrawurst beim Altglas hat ausgerechnet die Hauptstadt Berlin: Seit 1992 werden gebrauchte Verkaufsverpackungen aus Glas in Berlin auf Grundlage des „Berliner Modells“ gesammelt. Es gibt zwar auch Glasiglus auf den Straßen, aber zusätzlich kleinere Tonnen in den Hinterhöfen.

Anfangs wurde über die Hälfte der Gesamtsammelmenge in Berlin über Depotcontainer im „Bringsystem“ (man muss sein Altglas zum Iglu bringen) eingesammelt. Dabei wird – wie überall sonst in Deutschland auch – das Altglas in drei Farben (Weiß-, Braun- und Grünglas) getrennt gesammelt. Die restlichen Mengen an Altglas wurden über kleinere Gefäße direkt an den Haushaltungen im „Holsystem“ (die Müllwerker kommen vorbei und machen die Tonnen leer) gesammelt, wobei jedoch lediglich eine Trennung in zwei Farben (Weiß- und Buntglas) vorgenommen wird.

Das Problem dabei: Das Buntglas lässt sich kaum noch in grünes und braunes Glas sortieren – man kann es eigentlich nur „beimischen“. Das ist aber nicht alles: In den Tonnen auf den Hinterhöfen findet sich auch mehr Müll, der dort nicht hineingehört. Damit verglichen ist das Altglas in den Glasiglus erheblich sauberer. Das war zunächst nicht das Problem, weil das Glas aus den Iglus den größeren Anteil ausmachte.

Das hat sich aber geändert: Allein von 2003 an ist jeder fünfte Depotcontainerstellplatz verschwunden. Stattdessen sind an weiteren Haushalten zahlreiche Glastonnen in verschiedenen Größen aufgestellt worden.

Glastonne in BerlinMittlerweile werden daher zwei Drittel des Berliner Glases zweifarbgetrennt in Behältern im Holsystem auf den Höfen/in den Müllstationen und nur noch ein Drittel dreifarbgetrennt in Depotcontainern im Bringsystem gesammelt. Und diese Mischung ist problematisch: Die Glasindustrie schlägt Alarm und will das Berliner Glas nicht mehr annehmen. Die Qualität ist einfach zu schlecht.

Vor einem Jahr haben die zuständige Senatsverwaltung und die dualen Systeme, die das Altglas einsammeln lassen, daher vereinbart, das Sammelsystem zu verändern. Das führte in Berlin zu dicken Schlagzeilen: „An den Glascontainern scheppert’s“, hieß es und: „Anwohner-Proteste, weil mehrere Bezirke Glassammel-Behälter entfernt haben“.

Was genau verursacht den „Ärger um Altglasentsorgung“? In einem ersten Schritt soll die Erfassung des relativ guten dreifarbgetrennten Depotcontainer-Glases in den Bezirken Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick erhöht werden. In einem Radius von 300 Metern um einen Depotcontainerstandplatz herum dürfen keine Gefäße im Rahmen des Holsystems in den Höfen mehr aufgestellt werden. Die Erfahrung zeigt, dass die Depotcontainer sonst nicht ausreichend genutzt werden. Ziel ist es, langfristig in Berlin wieder mehr Glas in den Glasiglus zu sammeln statt in den Hinterhoftonnen.

Dazu muss es auch wieder mehr Glasiglus auf der Straße geben – die Standplätze müssen die Bezirksverwaltungen natürlich ausweisen. Wissenschaftler begleiten die Umstellung, ziehen Stichproben  und beurteilen die Menge und Qualität des gesammelten Glases. Schon für 2015 könnten und sollten weitere Umstellungen in Berlin vorgesehen werden, um die Qualität zu verbessern.

Fast die gesamte Altglaserfassung in Deutschland erfolgt über Depotcontainersysteme, also über die Glasiglus im öffentlichen Raum oder an Supermärkten. Das darin gesammelte Glas hat eine bessere Qualität als das derzeitige Berliner Altglas – was aber passiert, wenn die Glasindustrie dieses Glas nicht mehr annimmt?

Es wäre doch schade, wenn ausgerechnet das Hauptstadt-Glas nicht mehr recycelt würde …

(Fotos: Glasaktuell, DSD)

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