Mär 15
Herstellerrücknahme

Fast jeder kennt diese Situationen aus dem Alltag: Die Kilometeranzeige des Autos nähert sich unaufhaltsam der 150.000-Marke und die Reparaturen häufen sich in kurzer Zeit bedenklich. Grund genug, sich mal im Internet nach etwas Neuem umzusehen. Aber auch der Laptop braucht mal wieder gefühlte Stunden, bis er hochgefahren ist; kein Wunder, denn er hat ja mittlerweile acht Jahre auf dem Buckel – ein neues Ultrabook wäre nicht schlecht. Während der Rechner lädt, ist aber genug Bedenkzeit vorhanden, um festzustellen, dass eigentlich ohnehin kein Geld für derartige Ausgaben zur Verfügung steht, denn auch der Kleiderschrank benötigt dringend eine „modische Aufwertung“ – zwei Jeans sind zu eng und drei Hemden entsprechen nicht mehr meinem Modegeschmack. Auch wenn es nicht immer die o.g. Produkte betrifft – Fakt ist: So gut wie jedes Elektrogerät und jedes Kleidungsstück geht irgendwann kaputt, ist technisch überholt oder gefällt einfach nicht mehr. Meist werden die Produkte dann entweder direkt beim Hersteller zurückgegeben (Garantie/Gewährleistung) oder entsorgt (Elektroabfall, Altkleidersammlung). Doch was passiert dann mit diesen ausgedienten Gegenständen? Dieser Frage möchten wir in unserem heutigen Blogeintrag nachgehen.

Die Schönheitskur für Laptop & Co.  – „Refurbishing“

Die Elektronikbranche und insbesondere der Multimedia- und Unterhaltungselektronikbereich sind sehr trendorientiert und schnelllebig und einem rasanten technischen Fortschritt unterworfen. Viele Menschen kaufen sich in regelmäßigen Abständen das neueste Smartphone oder Tablet. Doch was ist, wenn das Smartphone oder Tablet nach einer Woche defekt ist oder einem einfach nicht mehr gefällt? Für den Verbraucher stellt dieser Fall in der Regel kein größeres Problem dar, denn die meisten Elektroprodukte, die defekt sind und für die noch Garantie vorhanden ist, können problemlos beim Händler zurückgegeben werden, der die Artikel dann an die Hersteller zurücksendet. Und neben dem von Online-Händlern gewährten gesetzlichen 14-tägigen Rückgaberecht nehmen auch viele Einzelhändler – außerhalb dieser gesetzlichen Verpflichtung – Produkte bei Nichtgefallen aus Kulanz zurück.  Kommen die Garantiefälle dann bei den Elektronikherstellern an, werden sie meist einer „Schönheitskur“ unterzogen, d.h. sie werden ggf. repariert und professionell neu aufbereitet, gesäubert, formatiert und manchmal auch mit einem neuen Akku versehen, wobei zentrale Bestandteile (z.B. die Hauptplatine, Gehäuse) erhalten bleiben. Diesen Prozess bezeichnet man als „Refurbishing“. Derart aufbereitete Produkte werden vom Hersteller – oftmals mit einem entsprechend hohen Rabatt – als „B-Ware“ neu zum Verkauf angeboten.

Der Boxenstopp für Kaffeeautomat und Motor – „Remanufacturing“

Aber auch Elektrogeräte, die länger im Haushalt treu ihren Dienst verrichtet haben, gehen irgendwann kaputt und werden dann letztlich entsorgt. Die Entsorgung von Elektrogeräten wird in Deutschland durch das „ElektroG“ geregelt. Im Kern sieht dieses Gesetz vor, dass entsorgte Elektrogeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen, Telefone, Spielekonsolen, Toaster, usw. in von Kommunen bereitgestellten Containern gesammelt und anschließend von den Herstellern zurückgenommen werden. Eine kürzlich vorgeschlagene Novellierung des ElektroG soll die bisherige freiwillige Direktrücknahme künftig für Händler mit einer Verkaufsfläche von mehr als 400 Quadratmetern sowie für Online-Händler zu einer gesetzlichen Verpflichtung machen. Für alle in Verkehr gebrachten Elektrogeräte gilt laut dem ElektroG aber bereits jetzt, dass diese ein spezielles Siegel tragen müssen, das darauf hinweist, dass diese Geräte nicht im Restmüll entsorgt werden dürfen.

Alle in Verkehr gebrachten Elektrogeräte müssen dieses Siegel tragen
Alle in Verkehr gebrachten Elektrogeräte müssen dieses Siegel tragen

So weit so gut. Doch nicht alle Elektrogeräte, die entsorgt werden, sind „Schrott“. Ist bei einem Kaffeevollautomaten beispielsweise ein Zahnrad defekt, wird in vielen Fällen leider immer noch der komplette Automat auf dem Schrottplatz entsorgt, obwohl das Gehäuse und größere Teile der Mechanik meist gar nicht kaputt sind und die intakten Teile erneut zur Basis für einen neuwertigen Kaffeeautomat werden könnten. Oftmals müssten nur die defekten Teile, bzw. ausgewählte Verschleißteile ausgetauscht werden, um das Gerät wieder voll funktionsfähig zu machen. Und genau hier setzen viele Unternehmen aus der Elektronik-. Automobil- und Maschinenbaubranche an, die „Manufacturing“ betreiben und in einem aufwändigen Prozess aus den alten Geräten neuwertige generalüberholte Produkte herstellen. Die zurückgegebenen, gebrauchten oder auch defekten Geräte werden komplett gesäubert, auseinandergebaut und die defekten/verschlissenen Teile ausgetauscht. Dann wird das Gerät neu zusammengesetzt und schließlich auf Funktionalität geprüft. Eine solche Vorgehensweise schont Ressourcen und erzeugt ein absolut neuwertiges Produkt, das den Vergleich mit einem tatsächlich neuen Produkt keinesfalls scheuen muss. Wie dies im Einzelnen bei einem Motor funktioniert, zeigt das folgende anschauliche Video: 

Die Altkleidersammlung – Das Geschäft mit dem „Stoff“

Was für ein verlockendes Angebot im Fashion-Store: ich gebe dem Händler vor Ort meine alten Kleidungsstücke, diese werden einem guten Zweck gespendet und ich erhalte zusätzlich einen Rabatt auf den Kauf von Neuware. Der Gedanke dahinter ist ebenso naheliegend wie praktisch – ich kaufe mir eine neue Hose und ein neues Hemd, werde meine alten Klamotten dabei los und tue so sogar noch etwas Gutes. Eine klassische Win-Win-Situation – aber ist das wirklich so? Fakt ist, viele Kleidungshersteller bieten mittlerweile die Möglichkeit an, alte Kleidungstücke gegen einen Gutschein oder Rabatt auf den Kauf von Neuware im Laden zurückzunehmen und diese dann für einen guten Zweck zu spenden. Doch was bedeutet das konkret? Hinter der Fassade erscheinen solche Aktionen dann deutlich unspektakulärer, denn im Wesentlichen passiert mit den im Laden gesammelten Kleidungsstücken am Ende nichts anderes als mit denjenigen, die in Altkleidercontainern gesammelt werden. Der wesentliche Unterschied liegt in dem Kaufanreiz durch die Gewährung des Rabatts. Derartige Rabattaktionen  haben aber vor allem den Nachteil, dass sie dem Gedanken der Nachhaltigkeit eher entgegenwirken als ihn zu fördern, da der Kunde geradezu zum Kauf neuer Kleidung und dem Wegwerfen potentiell guter Kleidung angehalten wird. Der naheliegendste Gedanke wäre an dieser Stelle nun wohl: „Dann ab mit den Kleidungsstücken zum Altkleidercontainer – da weiß ich wenigstens, dass mit meiner Spende Menschen geholfen wird.“

In solchen Sammelcontainern des DRK kann bedenkenlos gesammelt werden
In solchen Sammelcontainern des DRK kann bedenkenlos gesammelt werden

Aber was passiert eigentlich mit Kleidungsstücken, die in eine Straßensammlung abgegeben bzw. in Container geworfen werden? In der Regel werden die Kleidungsstücke in Sortierbetrieben von Hand sortiert und auf Zustand und Modestil überprüft. Dabei entscheidet sich, ob ein Kleidungsstück gut genug ist, um einem gemeinnützigen Projekt gespendet oder in dem günstigen Second-Hand-Laden verkauft zu werden. Verdreckte oder unmoderne Kleidungsstücke werden hingegen aussortiert und zu textilbasierten Rohstoffen verarbeitet. Aber Vorsicht ist auch hier geboten, denn nicht überall, wo ‚Wohltätigkeit‘ draufsteht, ist auch ‚Wohltätigkeit‘ drin. Zwar kann in den Sammelcontainern des Deutschen Roten Kreuzes und anderer bekannter Hilfsorganisationen bedenkenlos gesammelt werden; stehen aber auf einmal dubiose Wäschekörbe, Sammeleimer oder -säcke vor der eigenen Haustür, handelt es sich fast immer um gewerbliche Sammlungen von Firmen, die mit dem Rohstoff „Altkleider“ Profit machen wollen. Und diese gewerblichen Sammler sind nicht immer klar zu erkennen: Viele mieten nämlich für kurze Zeit den Namen einer Organisation an, um unter diesem Namen sammeln zu können. Daher ist oftmals nicht klar zu erkennen, wer hinter der Sammlung von Altkleidern steckt. Aus diesem Grund sollte man immer genau hinschauen, wem man seine Kleidung spenden will. Eine gute Möglichkeit, innerhalb der Altkleidersammler die Spreu vom Weizen zu trennen: bei bekannten Organisationen mit transparenten Sammlungen spenden oder  sich beim Verband FairWertung über gemeinnützige Sammlungen in der Nähe informieren.

Ausblick

Was können wir als Verbraucher mit diesen Informationen zur Herstellerrücknahme anfangen? Zunächst einmal sollten wir ruhig öfter zu Ware greifen, die generalüberholt wurde oder als B-Ware gekennzeichnet ist. Diese ist in aller Regel vollkommen neuwertig und nur im strengen definitorischen Sinne „gebraucht“. Der große Vorteil dabei: Es lassen sich auf diese Weise nicht nur nachhaltig Ressourcen schonen, sondern auch Geld. Bei Rückgabe von Kleidung im Laden sollte man bewusst hinterfragen, ob der Neukauf/die Rückgabe wirklich nötig ist oder nur wegen des Rabatts erfolgt. Bei der Altkleidersammlung schließlich gilt: Genau hinschauen, wem man seine Altkleider spendet und im Zweifelsfall bei FairWertung informieren.

Titelbild: Judith Lisser-Meister / pixelio

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