Nov 14
Steuer auf Plastiktüten?

Da ist es wieder, das Thema mit den Tüten: Plastik oder Papier? Doch lieber Stoff? Das Thema ist deshalb so unerschöpflich, weil die Antwort auf diese Fragen so viele Facetten hat.

Mit dem Gedanken, was hinterlässt von all den Tüten im Wald oder Meer am wenigsten Schaden, ist es halt nicht getan. Der ökologische Fußabdruck fängt bei jeder Tüte bei ihrer Herstellung an, geht dann über ihren Einsatz und den jeweiligen Vorteil ihres Materials in die Zeit nach der Entsorgung. Und innerhalb dieser drei Stationen gibt es vieles zu beachten.

Fangen wir mit der Herstellung an.

Plastiktüten werden aus endlichen Rohstoffen hergestellt, nämlich Erdöl. Das heißt, es werden Ressourcen verbraucht, die es irgendwann nicht mehr geben wird, die also nicht nachwachsen. Aber die Herstellung selber ist die billigste von allen. Es wird verhältnismäßig wenig Energie und Wasser für die Erzeugung benötigt, und wenige Treibhausgase werden dabei erzeugt. Papiertüten sind in ihrer Erzeugung wesentlich aufwendiger in allen drei oben genannten Kategorien. So fällt ein rund 17 mal so hoher Wasserverbrauch an. Um die Traglast von Papiertüten zu erhöhen, braucht es lange Zellstofffasern, da sie reißfester sind als kurze. Hergestellt werden diese durch die Verwendung von Chemikalien. Auch die Wandstärke muss für eine Benutzung dicker sein als bei Plastiktüten, was wiederum mehr Materialkosten bedeutet. Dafür werden Papiertüten aus nachwachsenden Ressourcen hergestellt. Stofftaschen benötigen ebenfalls in Ihrer Herstellung viel Energie und Wasser und auch der Treibgasausstoß ist nicht klein. Bei einer Baumwolltasche sind es beispielsweise 1.700 Gramm Kohlendioxid die ausgestoßen werden. Doch hier sind die Ressourcen nicht endlich, im Gegensatz zu einer Tasche aus Polyester.

Wie sieht es mit der Benutzung aus?

Grundsätzlich sind alle Tütenarten so gemacht, dass sie etwas aushalten, um ihren Zweck zu erfüllen. Die Plastiktüte ist aber als einzige wasserdicht. Dies sind Papiertüten und Stofftüten leider nicht. Während Papiertüten auf Dauer (abhängig von der Qualität der Tasche) bei Regen kaputt gehen werden, trocknen Stofftaschen aber ohne Probleme.

Das Leben danach: Um zum ersten Beispiel zurück zu kommen: Im Wald ist die Plastiktüte schädlich und auch im Meer sorgt sie für erhebliche Umweltschäden. Doch auch nicht jede Papier- oder Stofftasche ist nach ein oder zwei Monaten restlos wieder in die Natur übergegangen. Beim Thema Recycling können aber alle drei Tüten einen Platz im Wirtschaftskreislauf finden, wenn auch mit unterschiedlicher Schwierigkeit im Recyclingprozess oder der anschließenden Wiederverwertungsquote- und qualität.

Die Kernaussage: Jede Tüte muss hergestellt werden und hat somit immer eine Umweltbelastung auf dem Konto. Das Schlüsselwort für die Lösung ist Verantwortungsbewusstsein von uns allen, die wir Tüten tagtäglich benutzen. Wenn wir Tüten im Prozesszyklus „Kaufen-Benutzen-Wegwerfen“ in einem Zeitrahmen von 30 bis 60 Minuten sehen, dann schaden wir der Umwelt enorm! Priorität Nummer eins ist schließlich immer die Müllvermeidung. Wer Tüten öfter benutzt und dann ordnungsgemäß entsorgt, reduziert die Produktion von Müll. Wer Tüten einmalig kauft und diese bis an den Rest seines Lebens benutzt, der hat alles richtig gemacht, und auch wenn die Realität anders aussieht: Ambitionen sind Voraussetzungen für ein bestmögliches Ergebnis.

4 Kommentare zu “Immer dieses Thema mit den Tüten”

Kommentare
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    Gerd Pult

    also lautet die Empfehlung :zurück zum aus naturmaterialien geflochtenem (Rotkäppchen)Korb.Reisst nicht aus und sieht sogar schick aus!:-)

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  2. avatar
    Heike

    Guten Tag,

    Schön erklärt! Mein Mann arbeitet bei dem Plastikhersteller Elke Plastic. Da wird auf der Websete über Plastiktragetaschen gesagt, sie seien „lebensmittelecht, universell einsetzbar sowie recyclebar“ – Mein Mann erzählt öfter, wie Leute ungläubig bei der Firma anrufen oder Mails schreiben (haben die Leute nichts besseres zu tun?) und sagen: „Plastik kann doch nie und nimmer recyclebar sein!“ Kann es eben doch, auch wenn der Aufwand, wie sie richtig schreiben, vielleicht nicht der kleinste ist, und ich und mein Mann findn es gut, dass Autoren wie Sie sich die Mühe machen, das Thema mal differentiert zu betrachten. Was sich hierzulande ja kaum jemand eingestehen will: Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir ohne Kunsstoff schwerlich zurecht kommen. Plastiktüten sind ja wirklich nur die absolute Spitze des Eisbergs – von meinem Mann weiß ich, dass Plastik oder allgemeiner Kunststoffe in vielen Bereichen eine, haha, „tragende“ Rolle spielen. Natürlich oft da wo mans gar nicht sieht: in Kabeln, Prothesen, kleinen Zahnrädchen, Pumpen …

    Beste Grüße (auch im Namen von meinem Mann)
    Heike

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    • avatar
      Julia Wierk Blogteam

      Hallo Heike,

      vielen Dank für Dein positives Feedback.
      Uns ist es ein großes Anliegen, die Wertstoffe in der Kreislaufwirtschaft zu erhalten, denn nur so können wir dazu beitragen, dass Ressourcen geschont werden und die Umwelt entlastet wird.
      Für weitere Informationen empfehle ich Euch die Umweltbilanz unserer Dualen System Holding: Allein im Jahr 2014 konnten wir knapp 2,6 Millionen Tonnen Wertstoffe zurück in den Wirtschaftskreislauf bringen und dadurch 1,4 Millionen Tonnen an Kohlendioxidäquivalenten vermeiden.
      Also eine lohnenswerte Sache. Für weitere Infos klickt auf http://www.gruener-punkt.de/de/verbraucher/umwelt/umweltbilanz.html

      Liebe Grüße,
      Julia vom Blogteam

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      • avatar
        Heike

        Hallo Julia,

        nichts zu danken! Die gute Recherche-Arbeit macht ja ihr!

        Den Text hinter dem Link fand ich ebenfalls interessant. Super – werde hier gewiss noch öfter reinschauen – eben auch weil mein Mann, wie gesagt, auch ein berufliches Interesse an Plastik hat

        Beste Grüße
        Heike

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