Jul 17
Ein solches Treffen hat es in Deutschland noch nie gegeben: 60 Studierende der Verpackungstechnik von allen sechs Hochschulen, die diesen Studiengang in Deutschland anbieten, treffen sich zu einem Kongress über die Zukunftsfähigkeit von Verpackungen. Mit dabei ihre Professoren und Lehrkräfte, Vertreter von Verpackungsherstellern und -abfüllern, NGOs – und das international!

Internationaler student congress 2017Insgesamt fast 120 Teilnehmer trafen sich in Berlin zum „student congress 2017 packaging, environment, future“, um zwei Tage über die nachhaltige Gestaltung von Verpackungen zu diskutieren und dabei vor allem mehr über die Wertschöpfungskette von Verpackungen zu erfahren und darüber, wie sich die Verpackungsgestaltung darauf auswirkt. Ausgerichtet haben den Kongress das Deutsche Verpackungsinstitut (dvi) und der Grüne Punkt im Rahmen des dritten „Tag der Verpackung“.

Spannende Vorträge von Unternehmen und Vertretern von Nichtregierungsorganisationen (NGO) informierten über aktuelle Entwicklungen bei Verpackungen. Immo Sander von Werner & Mertz („Frosch“) stellte die Recyclat-Initiative vor, die aus Kunststoffabfällen unter anderem aus dem Gelben Sack Rohstoffe für neue „Frosch“-Flaschen gewinnt. Inzwischen bestehen die Verpackungen mehrerer „Frosch“-Produktlinien komplett aus Rezyklaten – bis hin zu Flaschenkappen, die aus Recyclingkunststoff hergestellt werden.

Torsten Matthias (FRoSTA AG) stellte das Engagement des Unternehmens bei der nachhaltigen Gestaltung seiner Verpackungslösungen dar. Die Verpackungen des Tiefkühlspezialisten müssen vielen Anforderungen genügen, teilweise wird das Produkt sogar darin in der Mikrowelle oder im Backofen zubereitet. Trotzdem kommen die Verpackungen nach zahlreichen Entwicklungsschritten mit deutlich geringerer Umweltbelastung aus oder sind jetzt recyclingfähiger als vorher.

Recycling einfacher gestalten

Was nationale und internationale Normung für das Recycling und die Weiterentwicklung von Verpackungen erreichen können, zeigten zwei Vorträge aus dem Deutschen Institut für Normung (DIN), in dessen Räumen der Kongress stattfand. „Wir können den Studenten klarmachen, wie Normen und Standards dazu beitragen können, die Umwelt sicherer zu machen, Recycling einfacher zu gestalten und Hersteller mit Standards zu verknüpfen, um eine nachhaltige Recyclingwirtschaft hinzubekommen“, sagte Christoph Winterhalter, Vorsitzender des Vorstandes des DIN.

Interaktion in Workshops und dem „World Café“

Einige Hersteller sind da schon weit vorangegangen, wie die Beispiele von Werner & Mertz und FRoSTA zeigen. Weitere große Unternehmen nutzten die Chance, beim student congress mit dem Nachwuchs in Kontakt zu kommen: Leitende Mitarbeiter wie Christian Detrois von Nestlé Deutschland, Jürgen Dornheim von Procter & Gamble, Caroline Babendererde von Tetra Pak  Deutschland und Patrick Pundsack vom Verpackungshersteller Mondi erarbeiteten mit den Studierenden in Workshops konkrete Schritte hin zur nachhaltigen Verpackungslösung und erörterten hindernde und fördernde Faktoren auf dem Weg dorthin.

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Wie dringend notwendig solche Schritte sind, wurde in den Vorträgen von Jo Ruxton und Prof. Wahyu Supartono deutlich: Ruxton hat den Film „A Plastic Ocean“ produziert, für den das Team weltweit die Auswirkungen von Müll im Meer gedreht hat. Sichtlich beeindruckt folgten die Teilnehmer dem Vortrag der früheren BBC-Journalistin, die Bilder von den Folgen der Vermüllung zeigte, deren wesentliche Ursachen in wachsendem Konsum bei mangelnder Entwicklung von Abfallwirtschaft und Recycling liegen. Am konkreten Beispiel zeigte das Prof. Supartono, der die Situation in seiner Heimat Indonesien schilderte. Supartono ist unter anderem an Initiativen beteiligt, die das Recycling von Kunststoffabfällen voranbringen sollen, darunter einer Abgabestelle, an der für gesammelte Plastikabfälle geringe Beträge gezahlt werden. Das hilft der Umwelt durch Entlastung von Abfall und den Sammlern, die ihr oft niedriges Einkommen ein wenig aufbessern können.

Ansätze, die Lebensqualität zu erhöhen

Doch auch die indonesischen Behörden starten vermehrt Versuche, das Abfallproblem in den Griff zu bekommen. So wurden einige wichtige Flussufer und andere Landstriche von Müll befreit, auch um die Lebensqualität der Menschen zu erhöhen.

„Eigentlich genau das, warum ich mich für die Verpackungstechnik entschieden hatte“, sagte ein Teilnehmer mit Blick auf die Berichte aus dem pazifischen Raum. Genau das will der student congress erreichen: Deutlich machen, wie umfassende Konzepte für nachhaltige Verpackungen zur Lösung globaler Probleme beitragen.

Ein Kommentar zu “Internationaler student congress: Nachhaltiges Design gegen Müll im Meer”

Kommentare
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  1. avatar
    Dr. Monika Kaßmann

    Der Congress war von allen Veranstaltern großartig geplant und ausgeführt. Ein unbedingt zu wiederholendes Beispiel für die praxisnahe Ausbildung mit nachhaltigen Ergebnissen für alle Beteiligten!

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