Aug 13
Nestlé besucht eine Sortieranlage

Oma´s Filterkaffee war einmal – heute muss es der Espresso oder Latte Macchiato sein, und der kommt immer häufiger aus der Kaffeekapsel. Die Systeme sind einfach und schnell und es gibt jede Menge Geschmacksrichtungen bis hin zu Grand-Cru-Sorten für Feinschmecker. Aber was ist mit der Umwelt? Unbestritten ist: Kaffeekapseln bedeuten relativ viel Verpackung für relativ wenig Produkt. Und natürlich sind sie auch nicht ganz billig.

Der Markt für portionierte Kaffees boomt. Aus dem Schweizer Nestlé-Konzern kommen zwei verschiedene Produkte: Exklusiv über einen eigenen Club bietet Nespresso seinen Kunden über die Internetseite, das Customer Relationship Center und in den Nespresso Boutiquen 19 verschiedene Grand Cru-Kaffees, die aus den weltweit besten Rohkaffees gewonnen werden. Darüber hinaus begeistert Nespresso seine Clubmitglieder und Kunden auch durch sein einzigartiges Markenerlebnis und individuelle Services. Die Kapseln bestehen zum größten Teil aus Aluminium, ein Packstoff, der nach der Nespresso Philosophie das Aroma am besten bewahrt und optimal die Zubereitung in den speziellen Kapselmaschinen unterstützt. Der Anspruch: Nespresso Fans können sich zu Hause einen Espresso zubereiten, wie ihn der Barista in der italienischen Kaffeebar auch nicht besser hinbekommt.

Die zweite Linie wird unter dem Namen Nescafé Dolce Gusto im Lebensmitteleinzelhandel angeboten. Hier gibt es nicht nur Kaffee, sondern verschiedene Kaffeespezialitäten, bei denen zur Kaffeekapsel noch eine für Milch hinzukommt. Es gibt auch Trinkschokolade und sogar Tees in Kapseln. Die Portionsverpackungen bestehen zum größten Teil aus Kunststoff, genauer aus Polypropylen. Daraus stellt man auch Joghurtbecher her.

Wie funktioniert das Recycling?

Beide Systeme stehen wegen des Verpackungsaufwands durchaus in der öffentlichen Kontroverse: Aluminium herzustellen, ist sehr energieaufwändig, weil das Metall unter Einsatz von elektrischem Strom aus Bauxit gewonnen wird. Und das Plastik der Dolce Gusto-Kapseln wird aus Erdöl hergestellt. Doch beides lässt sich zurückgewinnen. Nestlé selbst hat dies eingehend in so genannten Life Cycle Assessments untersucht. Das sind Ökobilanzen über den gesamten Produktweg vom Anbau der Rohstoffe über die Zubereitung bis zur Entsorgung. Auch wenn beide Systeme auf Umwelteffizienz getrimmt sind und einen Vergleich mit Röstkaffee nicht scheuen müssen: Die Analysen zeigen auch die Bedeutung der Kapseln für den „ökologischen Fußabdruck“. Daher ist Nestlé selber eine bestmögliche Verwertung der Kapseln als Wertstoff wichtig.

In Deutschland nehmen die Kapseln am dualen System, also am Grünen Punkt, teil. Und das heißt: Solche Kapseln könnt ihr nach Gebrauch und samt Inhalt in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne geben.

Und dann? Was dann passiert, hat sich kürzlich eine Gruppe von Nestlé-Experten aus Deutschland und der Schweiz in der Nähe von Halle angesehen. Dort steht eine der modernsten Sortieranlagen für Verpackungen aus dem Gelben Sack. Die Nestlé-Mitarbeiter interessierten sich für zwei Aspekte: Was geschieht mit den Aluminium- bzw. den Plastikkapseln, nachdem sie im Gelben Sack gelandet sind? Und was können wir als Hersteller ändern, um das Recycling weiter zu verbessern?

Die Nespresso Kapseln aus Aluminium werden von den Sortiermaschinen im Werk problemlos erkannt und zusammen mit anderen Aluminiumverpackungen aussortiert. Wie das funktioniert und was danach mit den Kapseln passiert, sehr ihr hier. Das Recycling von Aluminium spart jede Menge Energie und das recycelte Aluminium lässt sich wieder für neue Produkte einsetzen. Das verbessert die Ökobilanz der Aluminiumkapseln entscheidend.

Auch das Material der Nescafé Dolce Gusto Kapseln kann wiederverwertet werden. Für die Sortierung der Kunststoffkapseln gibt es ebenfalls Maschinen: Sogenannte Nahinfrarot-Trenner erkennen mit Hilfe von Computern das von der Verpackung zurückgeworfene Licht und sortieren die gesuchte Kunststoffart aus. Die Kaffeekapsel aus Plastik wird dann zusammen mit anderen Kunststoffverpackungen verwertet – entweder zu neuem Kunststoff oder zu einem Brennstoff für industrielle Feuerungsanlagen. Dass die Kapseln mit Kaffeesatz in den Gelben Sack gelangen, stört in diesem speziellen Fall nicht weiter, im Gegenteil: der Kaffeesatz dient letztlich als Brennstoff, und zwar aus nachwachsenden Quellen.

Im zweiten Teil ihres Workshops diskutierten die Experten von Nestlé und dem Grünem Punkt, wie man die Sortierung und Verwertung der Kapseln weiter verbessern kann. Die Kunststoffkapseln von Nescafé Dolce Gusto haben da noch Potenzial: Je nach Technik der Sortieranlage werden die verschiedenen Kapseln unterschiedlich gut erkannt. Die Experten vom Grünen Punkt und Nestlé suchen nun gemeinsam nach Lösungen, wie dies verbessert werden kann. Hierfür werden verschiedene Optionen geprüft, in Bezug auf die Sortiertechnik und die Kapseln selbst. Das Ganze funktioniert aber nur, wenn die Verbraucher die Kapseln auch dort entsorgen, wo sie hingehören – im Gelben Sack.

Das Interesse der Nestlé-Experten an der Verpackungsverwertung ist ein Beispiel dafür, dass sich die Lebensmittelindustrie immer mehr für die Umwelteigenschaften der verwendeten Verpackungen interessiert. Die Verpackung muss natürlich vor allem das Produkt schützen und präsentieren. Aber sie soll auch möglichst wenig Ressourcen verbrauchen und nach dem Konsum nicht zu Abfall werden, sondern als Rohstoffquelle dienen. Dieser Aspekt wird immer wichtiger.

6 Kommentare zu “Kaffeekapseln – ist das nicht eine Umweltsauerei?”

Kommentare
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  1. Rüdiger F. Engel

    Was zahlen die Tassimos und Nestles dieser Welt eigentlich an den grünen Punkt für? Ein Kaffeeröster erzählte mir die Tage er müsste einige Tausend€ zahlen. Die Kapsel-Industrie Null€ (!!!)- weil deren Lobby es geschafft hat, die Kapsel als „Bestandteil der Hardware“ zu definieren … ich schmeiße meine Kapselmaschine weg und kaufe mir einen Kaffeevollautomaten. Spart Geld und jede Unmenge an Abfall. – Und schmeckt besser.

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      Norbert Völl Blogteam

      Lieber Rüdiger F. Engel, immer mehr Kapselhersteller nehmen da ihre Verantwortung wahr – Nespresso hat wie geschildert den Anfang gemacht. Daher nehmen diese Kapseln am dualen System teil und werden über die Gelbe Tonne und den Gelben Sack eingesammelt.

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      Norbert Völl Blogteam

      Lieber Rüdiger F. Engel, immer mehr Kapselhersteller nehmen ihre Verantwortung wahr – Nespresso hat da den Anfang gemacht. Die Kapseln werden daher auch über den Gelben Sack und die Gelbe Tonne eingesammelt.

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    Khoa Nguyen

    Wir wollen uns demnächst unter http://www.bosch-home.com/de/produkte/kaffeegenuss.html diese Tassimo Geräte kaufen, die nicht nur Kaffee, sondern diverse andere Heißgetränke kreieren. Diese Geräte arbeiten mit speziellen T-Discs, die mit speziellen Barcodes versehen sind. Für die Zubereitung sind sie optimal. Aber solche T-Discs häufen auch den Müllberg an, wo die Leute diese Kapseln eher bevorzugt in den normalen Müllcontainer werden als separat beim Müll zu trennen. Es ist aber sehr interessant zu wissen, wie die Kapseln verwertet werden und wer was Gutes für die Umwelt tun will, schmeißt sie nicht einfach in die Bio Mülltonne. Deshalb finde ich auch solche Recyclingprozesse wie bei den PET Flaschen sehr sinnvoll, wo das Material aussortiert und sinnvoll wiederverwertet wird.

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    Tran

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Habe eine Frage.

    Suche ganz viele leere Kaffeekapseln zum Basteln.

    Für ehrenamtliche Tätigkeit mit Grundschülern.

    Porto würde ich übernehmen.

    0176 53393654 whatsapp möglich.

    Mit freundlichen Grüßen

    Tran

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