Jul 13
Reparatur_3

„Früher war alles besser!“ – sagt meine Oma. „Ja ja“ sage ich und mache mir einen Kaffee. Natürlich nicht handgebrüht, sondern per Knopfdruck mit meinem Kaffee-Vollautomaten. „Von wegen, früher war alles besser“ denke ich mir und warte auf mein Heißgetränk, das aber heute leider nicht kommt. Im Display lese ich die Ursache: „Verkalkungsüberwachung meldet Fehler!“. Ich nehme die Maßnahmen zur Behebung des Fehlers laut Anleitung vor und freue mich nun endlich auf meinen Kaffee – der aber leider noch immer auf sich warten lässt. Diesmal erscheint allerdings kein Hinweis im Display, der Aufschluss darüber gibt, was ich tun könnte. Ahnung von solchen Geräten habe ich natürlich keine und so wühle ich mich erst mal durch die zahlreichen Foren im Internet, die Hilfe zur Selbsthilfe versprechen. Aber mir kann heute leider niemand helfen – und ich mir selbst schon gar nicht.

Ein Anruf beim Händler meines Vertrauens endet auch in Ernüchterung „Schicken Sie das Gerät mal ein, wir gucken dann mal, was los ist. Sie bekommen dann einen Kostenvoranschlag für die Reparatur“. Zwei Tage später meldet sich der Händler „Da können wir leider nichts mehr machen, die Reparatur ist zu aufwendig, das lohnt sich nicht mehr. Sie kaufen sich am besten eine neue Maschine. Die Diagnose des Problems müssen wir Ihnen allerdings in Rechnung stellen – die Summe in Höhe von 35,- Euro können Sie per Banküberweisung begleichen“.

Voller Frust begebe ich mich ins nächste Café, wo ich es mir mit Käffchen und Zeitung gemütlich mache. Im Lokalteil stolpere ich dann über einen sehr interessanten Artikel zum Thema „Repaircafés“. Wegwerfen ist nämlich nicht immer nötig, wie ich erfahre – und teure Reparaturen schon gar nicht. Die meisten Geräte lassen sich nämlich mit etwas Geschick und ein paar Ersatzteilen wieder reparieren. Das schont zum einen die Umwelt – denn wir wissen, auch wenn viele Wertstoffe recycelt werden, ist die Müllvermeidung noch immer das Beste für die Umwelt – und zum anderen sind Reparaturen in der Regel doch günstiger, als die Anschaffung eines neuen Gerätes.

Das Prinzip der Repaircafés basiert auf dem Grundsatz der Gemeinnützigkeit. Es handelt sich hier um ehrenamtliche Treffen, bei denen man kaputte Dinge alleine oder gemeinsam mit anderen repariert. Vor Ort ist sowohl Werkzeug, Material und entsprechende Literatur für alle möglichen Reparaturen vorhanden, so dass man sich in der Regel ziemlich gut selbst behelfen kann. Und falls man es alleine nicht schafft, stehen einem Reparaturexperten mit Rat und Tat zur Seite, z.B. Elektriker, Schneiderinnen, Tischler, usw.

Ich sehe: Früher war sicher nicht alles besser, aber auch nicht alles schlechter. Die Bereitschaft von damals, Dinge erst einmal zu reparieren, ist der Wegwerfmentalität von heute gewichen – und das finde ich eher schlechter! Ich bin schon jetzt ein großer Fan des Konzeptes „Repaircafé“ und ein Blick in den Terminkalender auf der Website verrät mir, dass es schon sehr bald ein Treffen in meiner Nähe gibt, dem zwei Teilnehmer schon abslout sicher sind: Meine Kaffeemaschine und ich 🙂

Weitere Infos findet ihr hier.

 

Bild: Hans-Joachim Liebe

0 Kommentare zu “Serie Nachhaltig Leben (2): Kaffeemaschine kaputt? Auf ins Repaircafé!”

Kommentare
Du möchtest mitdiskutieren? Hinterlasse hier deinen Kommentar oder melde dich in der Community an.

Werde jetzt Mitglied der Community! Hier geht's zur Anmeldung.