Feb 14
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Kunststoffrecycling und EEG-Umlage, wie hängt beides zusammen? Oder zunächst, was ist die EEG-Umlage überhaupt?

EEG ist ein Kürzel für das (deutsche) Erneuerbare-Energien-Gesetz, mit dem der Markt und die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen, wie bspw. die Stromerzeugung aus Sonne und Windkraft, geregelt werden soll. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz löste am 29. März 2000 das bis dahin geltende Stromeinspeisungsgesetz ab und wurde bis heute schon mehrfach novelliert. Über das Gerangel um seine Inhalte wird in den Medien ständig berichtet, die Diskussionen dazu sind praktisch allgegenwärtig. Auch im aktuellen Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD finden sich eine ganze Reihe von Reformansätzen zum EEG.

In dem Gesetz ist neben allerlei Vorschriften u. a. auch die sogenannte EEG-Umlage festgeschrieben, mit der die Kosten, die aus der Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen entstehen, auf die Stromendverbraucher verteilt werden sollen. Hierbei gibt es Sonderregelungen für stromintensive Unternehmen des produzierenden Gewerbes. Um deren Wettbewerbsfähigkeit in internationalen Märkten sicher zu stellen, sind sie ganz oder teilweise von der EEG-Umlage befreit. Genau aus diesem Grunde sind bisher auch die Unternehmen der Kunststoffrecycling-Branche von der Zahlung der EEG-Umlage freigestellt.

Weltmeister im Mülltrennen, aber Fehlanzeige beim Kunststoffrecycling?

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hat nun aber Kunststoffrecycler in Deutschland informiert, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit zukünftig von der Befreiung der EEG-Umlage ausgeschlossen werden. Wenn diese Recyclingunternehmen die Ausgleichsregelung verlieren und dann mit zusätzlichen Kosten belastet werden, können sie wirtschaftlich in den internationalen Märkten nicht mehr bestehen. Betroffen davon sind auch die drei deutschen Kunststoffrecycling-Standorte des Grünen Punkts in Hörstel (NRW), Eisfeld (Thüringen) und Genthin (Sachsen-Anhalt). Muss die Recyclingbranche die EEG Umlage künftig bezahlen, ist der Recyclingstandort Deutschland als Ganzes in Gefahr.

Die deutsche Recyclingindustrie ist überwiegend mittelständisch geprägt – schließen Standorte, fehlen geeignete Recyclingkapazitäten zum Erreichen anspruchsvoller Recyclingquoten. Hochwertiges Recycling bei gebrauchten Kunststoffen war dann einmal – ganz zu schweigen von dem massiven Verlust von Arbeitsplätzen! Und das im Land der Mülltrennweltmeister!

Wettbewerb nicht nur mit dem Ausland …

Bisher ist Deutschland beim Kunststoffrecycling führend. Fällt die Befreiung von der EEG-Umlage, verliert auch Europa sein Kunststoffrecycling-Kompetenz-Zentrum Deutschland. Wenn die energieintensive Recyclingbranche international einseitig und derart gravierend belastet wird, gibt man genau dieses hochwertige Kunststoffrecycling auf. Völlig grundlos wird dann ein für die qualitativ hochwertige Kreislaufwirtschaft entscheidender Eckpfeiler weg gehauen und die weltweit führende Rolle deutscher Kunststoffrecycling-Technologie verspielt. Und jetzt kommt der Treppenwitz: Hersteller von neuen Kunststoffen, die Erdöl als Rohstoff verbrauchen, sind weiterhin von der EEG-Umlage befreit! Das Recycling wird also auch gegenüber den Neuwareherstellern benachteiligt, obwohl es Rohstoffe und Energie spart.

Wichtig ist jetzt: Durch die in Kürze anstehende politische Entscheidung zur EEG-Reform darf das Recycling nicht irreparabel beschädigt werden. Für die weitere Existenz der Kunststoffrecycling-branche in Deutschland ist die Beibehaltung der bisherigen Praxis unerlässlich. Und: Das Recycling so einfach aufzugeben, wäre fatal für unsere Umwelt. Gerade das Recycling trägt entscheidend zur CO2-Minderung und damit zum Gelingen der Klima- und Energiewende bei. Sogar das Bundesumweltministerium hat aktuell darauf hingewiesen, dass die im Jahr 2011 in Deutschland angefallenen 5,45 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle nahezu vollständig verwertet wurden. Rund 50 Prozent werden bereits heute werkstofflich recycelt, also zu neuem Kunststoff verarbeitet, der für die Herstellung neuer Produkte eingesetzt werden kann, und tragen damit zur Rohstoffversorgung in Deutschland bei.

Das Thema „Erneuerbare Energien“ ist also wesentlich komplexer, als es auf den ersten Blick scheint, und greift in viele Bereiche des täglichen Lebens ein. Woher bezieht ihr eigentlich euren Strom? Habt ihr schon auf Anbieter von Strom aus Sonne und Windkraft umgestellt?

 

Bildnachweis: Burkard Vogt  / pixelio.de

 

 

 

 

0 Kommentare zu “Kunstoffrecycling kenne ich! EEG-Umlage noch nie gehört?”

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