Aug 13
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„Ist Dir Umweltschutz wichtig?“ wurde ich neulich gefragt. „Klar möchte ich, dass es der Umwelt gut geht“, war meine prompte Antwort – und ich bin mir sicher, dass ich mit dieser Meinung nicht alleine dastehe. Die zweite Frage „Und was tust Du dafür?“ hat mich schon eher nachdenklich gestimmt. Ich fliege mehrmals im Jahr in den Urlaub, was ja schon mal nicht so toll ist… aber dafür esse ich kein Fleisch, was ja wiederum gut für meine persönliche CO2-Bilanz ist. Und ich engagiere mich in einem Projekt, das allein im Jahr 2012 zu einer CO2-Ersparnis in Höhe von 1,7 Millionen Tonnen beigetragen hat. Das entspricht dem CO2-Ausstoß, der durch den Flug von 423.000 Personen von Frankfurt/Main nach New York und zurück entstehen würde. Das Tolle: Mein Kostenbeitrag für dieses Projekt beträgt im Jahr gerade mal 11,80 Euro. Ahnt ihr schon, worum es bei meinem Projekt geht? Richtig, die Rede ist von der Mülltrennung!

Fakt ist: Viele schimpfen auf das Recycling in Deutschland im Allgemeinen und auf den Grünen Punkt im Besonderen. „Es wird doch sowieso nur alles verbrannt!“, „Wieso trenne ich den Müll, wenn das Maschinen für mich übernehmen können?“, „Der Grüne Punkt will doch nur Geld verdienen, Umweltschutz ist ihm ganz egal“ – dies ist nur ein kleiner Auszug dessen, was wir täglich lesen.

Ich bin nicht nur Mitarbeiterin beim Grünen Punkt, sondern auch eine Endverbraucherin – genau wie Du. Und natürlich gab es auch eine Zeit vor meiner Tätigkeit beim Grünen Punkt. In dieser habe ich zwar bereits meinen Müll getrennt, jedoch auch nicht immer gewusst, wofür – vielleicht auch wie Du. Aber nachdem ich einen Blick hinter die Kulissen werfen durfte und mich bei einem Besuch in einer Sortieranlage persönlich davon überzeugt habe, wie effizient die von uns vorsortierten Wertstoffe in die einzelnen Materialarten (z.B. Weißblech, Aluminium und sogar in verschiedene Kunststoffarten wie PET, HDPE usw.) getrennt werden, weiß ich, dass mein tägliches Mülltrennen Sinn macht – und vor allem, dass 11,80 Euro im Jahr nicht zu viel sind.

Aber wie kommen die 11,80 Euro eigentlich zustande, wie zahlen wir diesen Beitrag und was ist die Leistung, die dahintersteckt?

Das Recycling in Deutschland unterliegt dem Prinzip der Produzentenverantwortung. Das heißt, für die Finanzierung der Entsorgung von Verkaufsverpackungen ist derjenige verantwortlich, der die Verpackungen auf den Markt bringt.

Diese Kosten gehen natürlich in die Preiskalkulation der Produkte, die wir kaufen, mit ein, so dass wir Endverbraucher am Ende die sind, die die Entsorgung finanzieren. Der gesamte Prozess des Recyclings, d.h. die Sammlung, Sortierung und Verwertung der Verkaufsverpackungen, die wir täglich in die Wertstoffsammlung geben, hat im Jahr 2011 rund 941 Millionen Euro gekostet. Teilt man diese Summe durch die 80 Millionen Bundesbürger, kommt man auf einen Wert von 11,80 Euro. Diese Kosten haben sich übrigens seit 2004, durch die Öffnung des Wettbewerbs halbiert.

In der letzten Zeit konnte man in der Presse viel darüber lesen, dass Der Grüne Punkt die Preise erhöhen wird. Die Rede war von einer Preissteigerung von bis zu acht Prozent. Grund hierfür sind zum einen die gestiegenen Kosten (z.B. für Energie, für das Personal, das die Wertstoffe bei uns vor der Haustür abholt, für die Mitarbeiter in den Sortieranlagen usw.) und zum anderen die Tatsache, dass einige der anderen dualen Systeme (insgesamt gibt es zehn duale Systeme in Deutschland) nicht fair am Markt agieren. Dies führt wiederum dazu, dass die Marktteilnehmer, die fair handeln, am Ende Mehrkosten zu tragen haben, die mittelfristig zu Preiserhöhungen führen.

So eine Preiserhöhung hört sich zwar für uns Bürger erst einmal hart an, macht pro Person aber im Jahr noch nicht mal einen Euro aus, was mich als Endverbraucherin wiederum milde stimmt. In anderen Ländern, wie z.B. Ungarn, hat die Politik die Mülltrennung verstaatlicht. Das hat dazu geführt, dass Unternehmen nun eine Verpackungssteuer entrichten müssen, was wesentlich teurer ist. Da auch diese Kosten in die Preiskalkulation mit eingehen, trägt der Bürger diese höheren Kosten ebenfalls.

Was meint Ihr? Sind 11,80 Euro pro Jahr zu viel für einen wirklich eklatanten Beitrag zum Klimaschutz und zur Erhaltung der Ressourcen oder ist es euch das wert? Schreibt uns Eure Meinung, stellt uns Eure Fragen oder beantwortet einfach unsere „Aktuelle Frage“ auf der Startseite.

Bildquelle: fotolia / © Ljupco Smokovski

0 Kommentare zu “Mein Projekt: 11,80 Euro für den Umweltschutz!”

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