Okt 14
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Meere ohne Plastik – eine Vision, die sich jeder gut vorstellen kann, deren Realisierung doch schwierig, aber hoffentlich nicht aussichtslos ist. Wer kennt sie nicht, schlimme Bilder von Plastik-teppichen in den Meeren, verendeten Seevögeln mit festen Plastiksträngen um den Hals, Robben zugeschnürt mit alten Fischernetzen? Ja, da möchte man schon sofort eingreifen und helfen. Zwar kann jeder von uns einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Umwelt leisten, indem er seinen Müll trennt und Wertstoffe in die dafür vorgesehenen Sammeleinrichtungen des Grünen Punktes gibt, damit sie dann ordnungsgemäß recycelt werden können. Auch das trägt letztlich zur Reinhaltung der Meere bei.

Bis zu 13.000 Plas­tik­teilchen pro Quad­rat­ki­lo­me­ter Mee­res­ober­fläche verschmutzen nach An­ga­ben des UN-Um­welt­pro­gramms (UN­EP) diesen  natürlichen Lebensraum und stellen ein rie­si­ges Um­welt­pro­b­lem dar. Bis sich nämlich Plastik zersetzt, können mehrere 100 Jahre vergehen. Die durch Wind und Wellen zerkleinerten Plastikpartikel werden von Vö­geln, Fi­schen und anderen Mee­restieren ge­fres­sen und ge­langen so letztendlich auch in die Nah­rungs­ket­te der Men­schen: So kommt unser Plastik praktisch wieder zu uns zurück – ideal. Der Mensch ist also das einzige Lebewesen, dass seine Nahrung vergiftet, bevor er sie isst – denkt mal drüber nach!

Einer, der den Anblick des Meeres als größte Müllkippe der Welt, mit den darin wabernden Plastikwäldern – sieht ja unter Wasser genauso aus – nicht mehr ertragen konnte, ist der junge Holländer Boyan Slat. Er hatte die geniale und simple Idee, wie sich das Meer quasi selbsttätig vom Müll befreien könnte: Schwimmende Barrieren an festinstallierten, solarbetriebenen Plattformen, die das Plastik sammeln. Dabei würden die kreisförmigen Strömungen im Meer genutzt, die den Plastikmüll aufnehmen und in die Barriere einer Plattform spülen. Die Barrieren fungieren an dieser Stelle als „Fangarme“ und halten den Müll zusammen. Durch die Strömung wird das Plastik zur Mitte der Barriere getragen und dort mittels Pumpe und Förderband in einen siloartigen Behälter bugsiert. Anschließend kann der Müll mit Schiffen ans Festland gebracht und dort recycelt werden. Mit diesen schwimmenden Sieben und mit Hilfe der Meeresströmung will er ersten Berechnungen zufolge 7,25 Millionen Tonnen Plastikabfall aus den Ozeanen fischen.

Boyan erklärt, Fische und andere Meereslebewesen können problemlos unter der kilometerlangen Barriere durchschwimmen und ist davon überzeugt, dass sein Konzept auch profitabel ist und sich langfristig rechnet. Denn das gesammelte und recycelte Plastik soll Erlöse bringen, die dann in sein Projekt Ocean Cleanup Array reinvestiert werden, damit immer mehr Barrieren entstehen können.

Kritiker bezweifeln jedoch, dass das Vorhaben realisierbar ist. Das Plastik treibe zu tief im Meer, um es abzuschöpfen, und die Barrieren seien zu instabil, um der Strömung und dem Wetter standzuhalten. Zudem würden die Schiffe jede Menge Treibstoff verbrauchen, um das Plastik zu transportieren. Könnte am Ende der Schaden für die Umwelt dadurch sogar noch größer sein als der Nutzen, den das Projekt bringt?

Vielleicht können die Bedenken der Kritiker ja zerstreut werden, denn erste Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie in Form eines Pilotprojektes stimmen positiv und lassen Slats Idee erfolgversprechend erscheinen. Wichtig ist nämlich auch, dass die Meerestiere nicht beeinträchtigt werden. Denn sie werden nicht wie bei Netzen versehentlich mitgefangen, sondern können unter den Barrieren hindurchtauchen. Die Studie hat gezeigt, dass sich der Großteil des Plastiks in einer Tiefe von bis zu drei Metern unter dem Meeresspiegel befindet, und somit auch von den Barrieren erfasst werden kann.

Finanziert werden soll alles zunächst mit Spenden über Crowdfunding. Bislang sind hierüber laut derzeitigem Stand auf der homepage www.theoceancleanup.com 2.154.282 $ zusammengekommen. 38.615 Personen haben hierfür gespendet.

Es scheint so, als könne Boyan Slat zumindest aus finanzieller Sicht sein Projekt realisieren. Verläuft alles nach Plan, soll im Jahre 2020 die größte Säuberungsaktion in der Geschichte beginnen. Hoffentlich klappt´s und denkt dran: Don´t mess with Mother Nature!

(Bild: The Ocean Cleanup)

 

2 Kommentare zu “Oceancleanup – Meere ohne Plastik”

Kommentare
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  1. avatar
    Arnulf Hägele 73431 Aalen

    Hallo,
    Ich war im September in Urlaub auf der Nordseeinsel Langeoog. Dort war im Haus der Insel eine Ausstellung zum gleichen Thema: Plastikmüll in der Nordsee. Auf der Insel sind an den Stränden teilweise Gitterboxen aufgestellt, in die auch Urlauber und Besucher der Insel aufgefordert sind angespülten Müll einzuwerfen.
    Ende September war wohl auch wieder eine Aktion an der Nordsee bei der an einem Tag 2,5 Tonnen Müll gesammelt wurde. 2,5 Tonnen an einem Tag. Das sagt doch wohl alles über den Zustand in unseren Meeren. Da kann man nur sagen: Wir haben nur eine Welt und keine Müllhalde !!
    Ich kann von meiner Seite aus nur bei meinen Einkäufen auf überflüssigen Müll zu verursachen und meinen Plastikmüll richtig zu entsorgen. Beim Recycling muss ich mich allerdings auf den grünen Punkt bzw. den gelben Sack verlassen können. Oder wie kann ich sonst kontrollieren ob mein Plastikmüll auch richtig verwertet wird.

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      Norbert Völl Blogteam

      Lieber Arnulf Hägele,

      es ist wirklich erschreckend, was an den Stränden an angeschwemmtem Müll zu finden ist. Das wissen wir auch aus dem Projekt Fishing for Litter, das sich mit diesem Problem befasst. Auch wir halten eine leistungsfähige Abfallwirtschaft, die ohne offene Deponien auskommt, für ein wirksames Gegenmittel, damit kein Müll ins Meer gelangen kann. Voraussetzung dafür ist, dass alle Verbraucher – nicht nur die privaten, sondern auch gewerbliche und industrielle wie die Schifffahrt! – diese Infrastruktur auch nutzen. Was durch diese Infrastruktur erfasst und weiterverarbeitet wird, gelangt nicht ins Meer.

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