Feb 14
Mazout de l'Erika

Bilder, die mit Ölfarben gemalt sind, kennt man. In Öl- oder Teerklumpen ist so mancher auch schon mal unachtsamer Weise am Badestrand getreten und hat seine Füße geschwärzt. Zumindest gesehen hat sie fast jeder Strandbesucher schon: Die mittlerweile an allen – auch an den vermeintlich unberührten – Stränden angespülten Ölklumpen. Zusammengeklumpt aus Öl, das zunächst vielleicht durch Unfälle oder gar Katastrophen mit Bohrinseln oder Tankschiffen ins Meer gelangt ist. Vielleicht aber auch vorsätzlich bei der illegalen Verklappung von Schwerölrückständen im Zuge von Schiffs- oder Tankreinigungen auf hoher See.

Diese klumpigen Ölreste sammelt ein Künstler an den Stränden auf der iberischen Halbinsel oder Irlands, oftmals auch an Deutschen, und malt damit Bilder. Stinkende Bilder – entweder tiefschwarz und dick mit aufgekochtem Rohöl gemalt, oder auch aus Teer als feine Zeichnungen gestrichelt. Ruppe Koselleck heißt er und findet, dass sich die zähe Ölpampe der Klumpen hervorragend zum Malen eignet. Welche Abstraktionen dann letztendlich auf der Leinwand oder dem Papier zu sehen sind, weiß wohl er nur ganz genau. Zumindest farblich sind die Bilder durch die Wahl der Malutensilien schon vordefiniert und changieren zwischen Tiefschwarz und Schokobraun.

Zwar sorgt er mit seinem Ölklumpensammeln für die Kunst zumindest ein bisschen dafür, dass der Dreck von den Stränden verschwindet, aber das ist nicht sein Hauptmotiv. Er versteht sich als jemand, der mit seinen Bildern protestieren will: Protestieren und aufmerksam machen will auf die Verschmutzung unserer Umwelt. Sein eigentliches, großes Ziel ist nämlich die Übernahme des BP-Konzerns durch eigene Aktienmehrheit, angesammelt mit den Verkaufserlösen seiner Bilder.

Vorgenommen hat er sich da schon einiges. Bisher hat er mit dem Verkauf seiner Bilder bereits 2.843 Aktien erworben, allerdings fehlen ihm noch mehr als 9 Milliarden Aktien für die Mehrheit am BP-Konzern, der sich in 18.464.100.000 Aktien aufteilt. Wenn er sein Ziel erreicht hat, soll das neue Unternehmen dann Ruppes Petroleum heißen, mit dem Wiedererkennungskürzel RP.

Die Preise für seine Bilder orientieren sich am tagesaktuellen Aktienkurs der BP-Aktie und richten sich nach der Menge der für das jeweilige Bild verbrauchten Ölklumpen. Hat er mit nur einem Ölfund gemalt, muss näherungsweise auch nur der Preis von einer Aktie gezahlt werden. Der Verbrauch von mehreren Ölklumpen erhöht den Verkaufspreis des jeweiligen Bildes. Ein kleiner Obolus für seine Lebensführung wird allerdings auch in den Verkaufspreis mit eingerechnet. Für die eine Hälfte des Verkaufserlöses kauft er Aktien, die andere Hälfte braucht er zum Leben.

Ausgestellt hat Ruppe Koselleck seine Ölmalereien auch schon. So z. B. im Frühjahr 2011 im Duisburger Lehmbruck-Museum oder 2010 in Florida.

Habt ihr auch schon einen echten Koselleck an der Wand hängen, oder wollt ihr eure Wohnung erst in Kürze damit verschönern? Allerdings – jemand, der sich die Bilder in der Hoffnung auf massive Wertsteigerungen zulegt, dürfte schon ein sehr ambitionierter Kunstsammler sein.

 

Bildnachweis: Fotolia_3972_S_(c)_Casseb

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