Nov 14
ViVo Wertstoffhof

Jeden Samstag war bei uns zuhause „ViVo-Tag“. Mein Vater und ich haben morgens den gesamten Hausmüll ins Auto gepackt und zu unserem Wertstoffhof gebracht. Weit weg war der nicht. Aus ca. 100 Metern Luftlinie wurden durch die den Weg kreuzenden Schienen knapp 600 Meter.

Jede Woche haben wir das gemacht, um unsere Wertstoffe zu entsorgen. Theoretisch wäre das bei wöchentlichem Entleeren und gutem Wetter auch zu Fuß gegangen. Doch das haben wir, außer bei seltenen anfallenden Gartenabfällen mit der Schubkarre, nie gemacht, zumal wir danach auch immer einkaufen gefahren sind. Wir sind stets mit dem Auto gefahren, so wie alle eigentlich.

Das anwesende Personal war einem bekannt und auch immer fachlich zur Hilfe, wenn man eine Frage hatte. Der Wertstoffhof war gut gepflegt und die verschiedenen Müllfraktionen eindeutig zu erkennen. Mein Vater und ich kannten unsere Arbeitsaufteilung auf dem Hof auswendig. So ging das fünf bis sechs Jahre. An unseren Container mit der Aufschrift „Verpackungen“ kann ich mich noch gut erinnern.

Als ich für mein Praktikum beim Grünen Punkt von München nach Köln umgezogen bin, fiel mir vor dem Haus meiner Oma in Porz direkt die Gelbe Tonne auf. Sie war mir nicht unbekannt und doch irgendwie fremd. In Bayern und Baden-Württemberg gibt es die Gelbe Tonne nur vereinzelt.

Warum? Wertstoffhöfe haben in Deutschland eine lange Tradition. Als abfallwirtschaftliche Einrichtung gehören sie zu den sogenannten Bringsystemen. Bei diesen bringt man den Müll als Verbraucher selbst vorbei. Im Gegensatz dazu stehen die Holsysteme, bei denen bestimmter Müll, wie beispielsweise Papier, in einer Tonne oder einem Sack beim Verbraucher abgeholt wird.

Beim Wertstoffhof kann der Müll in viele Abfallarten getrennt und entsorgt werden. Was in den frühen 80er Jahren als großer Trend in ganz Deutschland startete, hat sich aber nicht einheitlich weiterentwickelt. Früher waren Müllsortieranlagen technisch noch nicht so weit, eine große Palette aus unterschiedlichem Material ordentlich zu trennen. Die Wertstoffhöfe waren somit mit den vielen Abfallfraktionen und dem Sortieren vor Ort ihrer Zeit voraus, allen voran die Wertstoffhöfe in Bayern und Baden-Württemberg, die größtenteils ihre damalige Führung der Wertstoffhöfe beibehalten haben. Doch inzwischen hat sich vieles verändert und in Bezug auf das Leistungsvermögen einer Sortieranlage vieles verbessert. Während früher auch die Inhalte des Gelben Sackes und der Gelben Tonne als Holsystem für Verpackungsabfall per Hand sortiert werden mussten, leisten die automatischen Sortieranlagen heute sehr viel mehr.

Die Vor- und Nachteile beim Vergleich von einem Bringsystem und einem Holsystem erschließen sich recht schnell. Bei ersterem kann man den anfallenden Müll immer sofort zu den Öffnungszeiten des Wertstoffhofes abgeben und muss nicht auf die Abholtermine warten. Des Weiteren bietet ein Wertstoffhof auch heute mehr Abfallfraktionen zum Trennen.

Doch die Nachteile sind, dass alle trennwilligen Bürger zu diesem Wertstoffhof gelangen müssen. Das kostet Zeit und wirft beim Gedanken von schnell anfallendem Müll nach dem Prinzip, 1000 Leute zu einem statt einer zu 1000, auch die Frage der ökologischen Sinnhaftigkeit auf. Bei schnell anwachsenden Mengen wie Papier, Restmüll und auch Verpackungen wird die wöchentliche Pflicht, zu den Wertstoffhöfen zu fahren, schnell lästig und für die Umwelt durch die Autos auch zur Belastung. Ein Holsystem beispielsweise für Papier und Verpackungen kann da Abhilfe leisten.

Dass es hier in Köln bei meiner Oma dafür eine Gelbe Tonne gibt, war schon ein neuer, gewisser Luxus für mich. Für den Alltag bringt meiner Ansicht nach eine Papiertonne oder eine Gelbe Tonne viel. Gerade für ältere Leute, die vielleicht auch nicht mehr so gerne autofahren wollen oder können, sollte ein angemessener Anreiz zum Mülltrennen erhalten bleiben und nicht wegfallen. Größere Elektrogeräte, wie zum Beispiel eine Waschmaschine oder ein Kühlschrank müssen von den zuständigen Kommunen abgeholt werden.

Beispielsweise für Sperrmüll oder Gartenabfälle wird der Wertstoffhof auch weiterhin erhalten bleiben, da hier die Vorteile des Bringsystems  überwiegen . Denn dieser Müll ist zu groß für einen Behälter zum Entsorgen und fällt auch viel zu unregelmäßig an, als dass sinnvolle Abholtermine eingehalten werden könnten.

Mein Fazit: Obwohl die Menschen dort vielfältiger trennen und Fachpersonal befragen könnten, wird weniger getrennt, wenn man alles zum Wertstoffhof bringen muss. Der Anreiz zum Trennen von schnell anwachsendem Müll ist also geringer, da man auch alles in den Restmüll werfen kann. Aber nur ordentlich getrennter Müll kann den wichtigen Weg des Recyclings gehen, um eine wachsende Kreislaufwirtschaft zu fördern.

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