Sep 13
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Seit sechs Jahren lebe ich nun als Niederländer in Deutschland – im Land des Weltmeisters… Zwar klappt es in den letzten Jahren bei der Europa- und Weltmeisterschaft im Fußball noch nicht so ganz, aber was Abfalltrennung anbelangt, ist Deutschland ganz klar die Nummer 1: Weltmeister in Abfalltrennung und Wiederverwertung der Verkaufsverpackungen!

Für mich als Ausländer in Deutschland war das Phänomen „Abfalltrennung“ völlig neu – und ich war von Anfang an begeistert. Mit der Einführung der Wertstofftonne in meiner Gemeinde wurde dann noch mal nachgelegt. Von einer derartigen Abfalltrennung und Wiederverwertung können die Niederländer nur träumen.

Aufgewachsen in Haarlem, nicht weit von der Nordseeküste entfernt (ca. 5 km), war Mülltrennung bei uns zu Hause immer schon ein Begriff. Selbstverständlich wurden Altpapier, Glasflaschen und Biomüll getrennt, separat vom Abfall-LKW abgeholt und zwecks Wiederverwertung entsorgt. Anders lief es bei den Leichtverpackungen. Die wurden ausnahmslos über den Restmüll entsorgt. Kunststoffverpackungen, Blechdosen, Getränkekartons etc.:  alles wurde als ‘Restmüll‘ angesehen. Und bei vielen Haushalten und anderen Anfallstellen in den Niederlanden war das bis vor vier Jahren leider immer noch so.

Aber… Die Niederländer kommen!

In 2009 startete die Stiftung Nedvang (Nederland Van Afval Naar Grondstof; auf Deutsch: Niederlande vom Abfall zum Rohstoff) mit der Kampagne ‘’Plastic Heroes’’.

In 370 der insgesamt 408 niederländischen Gemeinden wurden entweder Abhol- oder Bringsysteme für die Kunststoffverpackungen eingeführt. In manchen Gemeinden wird ein Äquivalent des Gelben Sacks verwendet; in den meisten Gegenden aber muss man selbst aktiv seinen Verpackungsmüll zum Container bringen. Berühmte und weniger berühmte Niederländer machten reichlich Werbung im Fernsehen für die ‘’Kunststoff-Helden’’ auf der Straße.

In ca. vier Jahren hat Nedvang es geschafft, die Niederländer für das Thema Wiederverwertung der Kunststoffverpackungen zu sensibilisieren. Bereits über 50% der niederländischen Bevölkerung nimmt aktiv teil. Die Kampagne war ein Erfolg, denn es wurden viel mehr Kunststoffverpackungen eingesammelt, als man sich hätte erträumen können. Jedoch konnten die eingesammelte Kunststoffverpackungen erst ab September 2011 überhaupt in den Niederlanden sortiert werden, als in Rotterdam die erste Sortieranlage für Kunststoffverpackungen eröffnet wurde. Bis dahin wurde der Verpackungsabfall in den deutschen Sortieranlagen sortiert. Auch heute noch wird bis zu 75% der niederländischen Kunststoffverpackungen, die über die Plastic Heroes-Container oder eben bei den Haushalten und anderen Anfallstellen eingesammelt werden, in deutschen Sortieranlagen getrennt, verarbeitet und wiederverwertet.

Der Anfang ist da… Die Niederländer sind bereit für eine nachhaltige Zukunft!

Text: Maarten Vinkenborg

Foto: Milo Laurey

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