Jan 14
Hello Kitty

Im November 2013 bin ich nach Hong Kong gereist. Und es mag verrückt klingen… meine Reisevorbereitungen bestanden neben der Recherche potenzieller Sehenswürdigkeiten auch daraus, wie denn die Mülltrennung und das Recycling in Hong Kong wohl funktionieren. So ist das halt, wenn man beim Grünen Punkt arbeitet 😉 Wenn man an China und Umweltschutz denkt, fallen einem ja eigentlich erst mal die hohe Feinstaubbelastung und der Smog ein – ähnlich positive Assoziationen hatte ich bei den Themen Abfallvermeidung und Mülltrennung.

Also bemühte ich das Internet und wurde recht schnell fündig. Auf der Website „GovHK – the one-stop portal of the Hong Kong Special Administrative Region Government“ findet man tatsächlich Informationen zum Thema Mülltrennung in Privathaushalten, Tipps zur Abfallvermeidung sowie Daten zu den Bemühungen und Zielen im Bereich der Abfallreduzierung. Es gibt z.B. das Programm „Source Separation of Domestic Waste“ (Mülltrennung an der Anfallstelle, also z.B. in privaten Haushalten). Die Voraussetzungen zur Teilnahme scheinen etwas kompliziert, da man sich zunächst für das Programm registrieren und seine Abfälle zu Sammelstellen bringen muss. Aber dass Mülltrennung in Hong Kong ein Thema ist, hat mich sehr positiv überrascht und so war ich auf die Gegebenheiten vor Ort sehr gespannt.

Angekommen in Hong Kong, war ich nicht nur von den vielen Wolkenkratzern, sondern auch von den Recyclingbehältern, die man in der Stadt zwar nicht an jeder Ecke, aber flächendeckend findet, beeindruckt. Zudem liegt auf dem Boden keinerlei Müll herum – was mir ebenfalls sehr positiv auffiel.

Foto 1

 

Da ich privat bei einem Freund, der in Hong Kong lebt, gewohnt habe, konnte ich mir neben der Mülltrennung im öffentlichen Raum auch ein sehr gutes Bild von der Mülltrennung in privaten Haushalten machen – und da blutete mein grünes Herz doch sehr. Er lebt dort in einem sogenannten „Compound“. Das sind Wohnhäuser, in denen es alle möglichen Serviceleistungen für die Bewohner gibt, wie z.B. einen Sicherheitsdienst, Hausmeister-Service etc. Und auch die Müllentsorgung ist selbstverständlich geregelt. Meine Erwartungen waren also relativ hoch. In der Küche stand nur ein einziger Abfalleimer, in dem sich Papier, Aluminium, Kunststoff usw. fröhlich vereint tummelten. Die großen Mülltonnen, die es auf jeder Etage gab, standen auch recht alleine da – noch nicht einmal für Papier und Glas gab es Extrabehälter. Mein Freund konnte mir auch nicht sagen, was mit diesem unsortierten Abfall geschieht, eine Information zum Thema „Müll“ hatte er nicht erhalten. Umso schlimmer war es für mich zu sehen, wie viele Produkte völlig „überverpackt“ waren. Zum Beispiel war in einer 10er Packung Toilettenpapier jede Rolle noch einmal einzeln in Folie verpackt. Mehrwegflaschen sucht man vergeblich und die Cola trinkt man in Hong Kong noch standesgemäß aus der Aluminium-Getränkedose – die natürlich nicht bepfandet ist und zusammen mit Kunststoff, Glas und Co. in einer Tonne landet.

 

Foto 4

Mein Fazit: Ich war sehr positiv überrascht, dass Mülltrennung in den Haushalten überhaupt ein Thema in Hong Kong ist. Die Umsetzung kann ich allerdings nicht beurteilen, da der Haushalt, in dem ich zu Gast war, keine Mülltrennung praktiziert aufgrund der nicht vorhandenen Möglichkeiten. Meine Vermutung ist, dass es sich hierbei um keinen Einzelfall handelt und Hong Kong noch viel vor sich hat, um die Ziele im Bereich Abfallvermeidung und Recycling zu erreichen.

Im März reise ich nach Shanghai und bin sehr gespannt, wie es dort im Bereich Mülltrennung in den privaten Haushalten aussieht – darüber werde ich hier natürlich auch berichten 🙂

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