Apr 14
Behälter zur Abfalltrennung im öffentlichen Raum

Nach meinem Beitrag zum Thema Mülltrennung in Hong Kong möchte ich euch heute ein bisschen über meine Erfahrungen berichten, die ich mit den Themen Recycling und Mülltrennung in der chinesischen Metropole Shanghai gemacht habe.

Was mir sofort auffiel: An jeder Ecke gibt es aufwendig verpacktes Essen „To Go“ und Lebensmittel in den Supermärkten sind doppelt und dreifach verpackt. Das reguläre Sortiment des westlichen Supermarktes „City Shop“ beinhaltet zum Beispiel zwei einzelne Kartoffeln, die in einer Kunststoffschale mit einer großzügigen Menge an Folie ummantelt im Gemüseregal liegen. Abgesehen von der Frage, wer Bedarf an zwei einzelnen Kartoffeln hat, wundert man sich in erster Linie über die recht aufwendig gestalte Verpackung für zwei Erdäpfel. Salat wird hauptsächlich geputzt und gewaschen in Kunststoffbeuteln verkauft, deren Wandstärke den Abtransport von Bauschutt ermöglichen würde. Also alles in allem ein mittelgroßes Desaster – wenn man sich überlegt, welche Bemühungen hier in Deutschland vorgenommen werden, um Verpackungsabfälle zu reduzieren.

Das Thema Mülltrennung in den privaten Haushalten existiert jedoch – genau wie in Hong Kong – theoretisch schon. In einer chinesischen Siedlung bin ich auf eine Trennhilfe gestoßen, die auf den ersten Blick recht ordentlich aussah. Die dazugehörigen Tonnen werden allerdings wild mit allem befüllt, was an Hausmüll so anfällt, und der Privathaushalt, in dem ich zu Besuch war, sah erst gar keine Möglichkeit der Mülltrennung vor.

Trennhilfe in Shanghai
Trennhilfe in Shanghai

Im öffentlichen Raum gibt es Abfalleimer, die einem die Trennung von „Non-reyclables“ und „Recyclables“ ermöglichen – aber mein professioneller Mülltrennerblick hat recht schnell erkannt, dass auch hier Theorie und Praxis sehr weit auseinander liegen. Niemand weiß so recht, was überhaupt recycelt werden kann und so landet alles wahllos in den Behältnissen.

Ein Umzug ist ein Fest für jeden Müllpicker
Ein Umzug ist ein Fest für jeden Müllpicker

Die einzigen, die ein wenig zur Trennung des Mülls beitragen, sind die „Picker“, die sich die Wertstoffe, wie z.B. Papier, aus dem Müll „herauspicken“. Mein Freund ist von Hong Kong nach Shanghai gezogen, und der Tag, an dem sein Container mit den aufwendigst verpackten Möbeln kam, war wohl einer der größten Festtage für einen älteren chinesischen Mann, der auf seinem Fahrrad mit drei Rädern Papier und Pappe sammelt, um sich ein paar Yuan damit zu verdienen.

Die Welt hat erst kürzlich über die Müllproblematik in China berichtet. Der Deutsche Thomas Dorn schreibt seine Doktorarbeit über die Müllwirtschaft in China und berichtet über die erschreckenden Zustände in den chinesischen Großstädten – darunter auch aus Shanghai.

Wenn auch ihr Erfahrungen mit Mülltrennung im Ausland gemacht habt, schreibt uns 🙂

 

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