Jul 13
Gesunder Joghurt

Vor 50 Jahren begann eine Berliner Molkerei, ihren Joghurt statt in Gläser mit Schraubverschluss in Plastikbecher abzufüllen. Der Joghurtbecher aus Kunststoff setzte sich innerhalb kürzester Zeit im Markt durch, und heute ist Joghurt im Glas nur noch ein Nischenprodukt. Umweltschützer tragen ob des Jubiläums eher Trauer – aber wie schädlich ist der Plastikbecher tatsächlich?

Die ersten Joghurtbecher aus Plastik waren eckig und wenig ansehnlich. Heute gibt es sie in allen Farben und Formen und sie sind vor allem praktisch. Aber: Der Kunststoff, aus dem sie bestehen, wird aus Erdöl hergestellt, verbraucht also eine endliche, fossile Ressource. Und er wird gleich nach dem Konsum zu Abfall, während Mehrwegbehälter aus Glas immer wieder befüllt werden können.

Genau das war für die Molkereien ein Argument, auf die Einwegbecher umzusteigen: So sparten sie sich das aufwändige Spülen der Glasbehälter. Ein weiteres Argument: Die Plastikbecher sind erheblich leichter als die aus Glas, das spart Treibstoff und damit Kosten beim Transport. Dieser Effekt ist umso größer, je weiter die Produkte transportiert werden müssen.

Bleiben die Themen Ressourcenverbauch und Abfall: Bis 1990 wurden die leeren Joghurtbecher zusammen mit dem Restmüll überwiegend auf Deponien verbracht und abgekippt. 1991 wurden gerade mal drei Prozent der Plastikverpackungen aus den privaten Haushalten verwertet. Heute, gut 20 Jahre nach Einführung des Gelben Sacks und der Gelben Tonne, liegt diese Quote bei 90 Prozent. Der Joghurtbecher endet also nicht als Müll, sondern wird als Rohstoff weiter genutzt. Wie das geht, seht ihr hier:

Heißt das jetzt, ihr könnt mit gutem Gewissen zum Joghurtbecher greifen statt zum Mehrwegglas? Wir meinen: Bewusst konsumieren heißt, nur so viel einzukaufen, wie man auch verbraucht, um keine Lebensmittel und damit auch Verpackungen ungenutzt zu verschwenden. Und, wenn das geht, auch zu Mehrweggläsern aus regionaler Produktion zu greifen, denn die kann man immer wieder befüllen. Aber: Je weiter sie transportiert werden, desto geringer ist der Umweltvorteil gegenüber dem Wegwerfbecher. Denn der macht den Ressourcenverbrauch durch sein geringeres Gewicht wieder wett.

Und nach dem Genuss gilt natürlich: Den leeren Joghurtbecher in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne geben – Ausspülen ist nicht nötig.

Übrigens: Eine Molkerei in Lüneburg ärgert sich über das Jubiläum in diesem Jahr. Sie hat nach eigener Aussage ihren Joghurt schon ein Jahr früher, nämlich 1962, in Plastikbecher abgefüllt.

2 Kommentare zu “Serie Nachhaltig Leben (3): 50 Jahre Joghurtbecher – (k)ein Grund zum Jubeln?”

Kommentare
Du möchtest mitdiskutieren? Hinterlasse hier deinen Kommentar oder melde dich in der Community an.

Werde jetzt Mitglied der Community! Hier geht's zur Anmeldung.

  1. avatar
    Astrid

    Ich finde es schade, dass nicht auf die Schadstoffe eingegangen wird, die durch das Material, auch die Aludeckel in das Lebensmittel übergehen.

    Antworten

    • avatar
      Norbert Völl Blogteam

      Hallo, Astrid,

      Joghurtbecher bestehen heute meist aus Polypropylen, einem einfachen Kunststoff, der keine Weichmacher enthält. Insofern würde ich da keine Schadstoffe erwarten. Und ohnehin sind die Hersteller ja verpflichtet, nur sichere Produkte auf den Markt zu bringen.

      Antworten