Jan 14
Kölner Aufkleber

Alle reden darüber – Köln hat sie schon: die Wertstofftonne. Sie kann mehr Wertstoffe aufnehmen als nur gebrauchte Verpackungen und sorgt so für mehr Recycling. Unsere neue Serie stellt verschiedene Wertstofftonnenprojekte in Deutschland vor, denn es gibt mehr davon, als viele denken. Vielleicht habt ihr sogar schon eine zu Hause …

Abfall ist heutzutage eine Rohstoffquelle, gerade in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland. Fast unseren gesamten Rohstoffbedarf decken wir durch Importe aus dem Ausland. Das ist nicht nur teuer und riskant, denn bei manchen Stoffen gibt es Monopole: Coltan zum Beispiel wird nur in der Demokratischen Republik Kongo gefördert, Seltene Erden kommen zum größten Teil aus China. Wenn diese Staaten das Angebot verknappen, können sie die Preise für ihre Rohstoffe in astronomische Höhen treiben.

Rohstoffgewinnung ist zudem mit starken Eingriffen in die Umwelt verbunden – die Umweltauflagen sind nicht überall so streng wie in Deutschland. Daran denken wir nicht immer, wenn wir uns ein neues Handy kaufen oder auch den Tank mit Benzin oder Diesel füllen.

Europa will mehr Recycling!

Ein guter Grund also, noch mehr zu recyceln als bisher. Das will auch die Europäische Union, denn in vielen Mitgliedstaaten werden Abfälle zum größten Teil deponiert, auf Deutsch: auf die Kippe gefahren und verbuddelt. Damit gehen der Wirtschaft wertvolle Ressourcen verloren und die Müllkippen gefährden noch dazu die Umwelt, weil aus ihnen Gase entweichen und Gifte ins Grundwasser sickern können.

Ein sinnvoller Weg, noch mehr Abfälle zu recyceln, ist die Wertstofftonne: Darin werden nicht nur Verpackungen aus Kunststoffen, Metallen und Verbundstoffen gesammelt, sondern auch andere Abfälle aus diesen Materialien. In der Fachsprache spricht man hier von „stoffgleichen Nichtverpackungen“. Neben dem positiven Effekt für die Umwelt, wird es auch für die Verbraucher viel leichter: Man sich zu Hause nicht mehr zu fragen „Ist das eine Verpackung aus Plastik und darf sie deshalb in die Gelbe Tonne?“  Sondern dann heißt es nur noch: „Ist das aus Plastik? Dann gehört es hinein.“

Die Stadt Köln hat 2014 diese Wertstofftonne zusammen mit dem Grünen Punkt und den anderen dualen Systemen eingeführt. Die Kölner haben natürlich jede Menge Informationen darüber bekommen, was in die Tonne gehört und was nicht. Trenntabellen wie die rechts gezeigte gibt es in allen möglichen Sprachen.Kölner Wertstofftonne So können alle mitmachen.

Vorher hatten die Partner die neue Tonne in einem Teil der Kölner Innenstadt erprobt, um zu ermitteln, wie das neue Konzept angenommen wird und wie sich die Sammelmengen verändern. Das Ergebnis des Pilotprojekts: Etwa neun Prozent mehr Abfälle als ohne Wertstofftonne haben die Bürger im Pilotgebiet in Lindenthal und Sülz gesammelt. Die AWB hat die Bürger auch zur Wertstofftonne befragt: Gelobt wurde, dass das Trennen mit der Wertstofftonne einfacher ist. Besonders gern werfen die Verbraucher ausgediente Bratpfannen und Töpfe in die Wertstofftonne. Dementsprechend hat die Menge an stoffgleichen Nichtverpackungen gegenüber der „einfachen“ Gelben Tonne um 66 Prozent zugenommen.

Aber: So neu ist die Wertstofftonne auch wieder nicht

Klar ist aber auch: Solche Abfälle finden sich auch heute schon in der Gelben Tonne, weil viele Verbraucher nicht nach Verpackungen oder anderen Abfällen unterscheiden, sondern nur nach dem Material, aus dem ein Gegenstand besteht. Trotzdem ist die Wertstofftonne ein Erfolg, weil mehr Abfälle recycelt werden, anstatt in die Müllverbrennungsanlage zu wandern.

Damit sind die Kölner weiter als andere Städte in Deutschland – aber die ersten sind sie nicht: Inzwischen haben schon zwölf Millionen Deutsche die Möglichkeit, eine Wertstofftonne zu nutzen. Meist haben die Städte oder Landkreise eine Vereinbarung mit den dualen Systemen getroffen, die Gelbe Tonne zu erweitern. In unserer Serie möchten wir euch einige dieser Projekte vorstellen und die Erfahrungen, die die Bürger und wir damit gesammelt haben.

Wenn ihr zu Hause schon eine Wertstofftonne habt, dann meldet euch: Wie findet ihr die Tonne? Hilft sie euch beim Aufräumen oder haltet ihr die ganze Aufregung darum für übertrieben?

0 Kommentare zu “Serie Wertstofftonne (1): Die Kölner haben „einfach mehr drin“”

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