Mär 14
Gelben Tonne plus

Die Kölner haben schon „mehr drin“ – aber nicht nur die. In vielen großen Städten in Deutschland und auch auf dem Land gibt es Wertstofftonnen, in die ihr nicht nur Verpackungen, sondern auch andere Wertstoffe aus Plastik oder Metall einwerfen dürft.

Eigentlich wollte die Bundesregierung schon in der letzten Wahlperiode ein Wertstoffgesetz verabschieden – damit hätten alle Bundesbürger eine Wertstofftonne bekommen. Der Koalitionsvertrag vom Dezember 2013 sieht jetzt immerhin eine Erweiterung der derzeitigen Wertstoffsammlung vor. Beschlossen ist das Gesetz damit noch nicht, aber es gibt schon jetzt jede Menge Wertstofftonnen in Deutschland.

Die Verpackungsverordnung sieht nämlich schon heute die Möglichkeit vor, eine Wertstofftonne auf lokaler Ebene umzusetzen. Dazu müsste sich die jeweilige Kommune nur mit dem dualen System einigen. Und das gibt es schon recht häufig: Ende 2013 waren schon elf Millionen Bundesbürger an eine Wertstoffsammlung angeschlossen. Bis Ende 2014 könnten es über zwölf Millionen sein.

Eines der ältesten Projekte ist die Leipziger Gelbe Tonneplus, die im September 2004 als Großversuch startete. Der Versuch war ein Erfolg: Die Leipziger sammelten mehr Verpackungen und Wertstoffe in ihrer Gelben Tonne – parallel dazu weniger nicht verwertbare Reste. Gleichzeitig nahm der Wertstoffanteil im Hausmüll ab. Durch Gelbe Tonneplus wird also mehr Abfall recycelt als durch die einfache Gelbe Tonne.

Das Recycling spart die Leipziger außerdem bares Geld: Die Sortierung und Verwertung der zusätzlich eingesammelten Materialien ist deutlich preiswerter als ihre Beseitigung zusammen mit dem Restmüll. Deshalb gibt es die Gelbe Tonneplus in Leipzig noch heute – nicht mehr als Versuch, sondern als ganz normalen Alltag.

Ein anderes Beispiel ist Hamburg: Die Hansestädter rangierten in Sachen Mülltrennung lange auf dem letzten Platz unter allen deutschen Bundesländern und starteten deshalb 2009 ihre Recyclingoffensive. Neben vielen grünen Biomüll- und blauen Altpapiertonnen stellten sich Gelbe Tonnen auf. Und in die können die Hamburger seit 2011 nicht nur gebrauchte Verpackungen aus Plastik und Metallen geben, sondern auch andere Abfälle aus diesen Materialien.

Dadurch geht jetzt weniger Abfall in die Müllverbrennung, mehr Kunststoff und Metall wird recycelt. „Die Recycling-Offensive zeigt Wirkung“, lobte das Hamburger Abendblatt die Entwicklung.
Solche pragmatischen und partnerschaftlichen Lösungen zwischen Kommunen und Grünem Punkt gibt es mittlerweile in fast jedem Bundesland. Flächenkommunen wie Aurich in Ostfriesland und der Zweckverband Ostthüringen sind genauso dabei wie die Großstädte Dortmund und Köln in Nordrhein-Westfalen.

Überall nimmt die Menge an Plastik und Metall zu, das getrennt gesammelt wird. Klar ist aber auch: Solche Abfälle finden sich auch heute schon in der Gelben Tonne, weil viele Verbraucher nicht nach Verpackungen oder anderen Abfällen unterscheiden, sondern nur nach dem Material, aus dem ein Gegenstand besteht. Also sorgt die Wertstofftonne nicht nur für mehr Recycling, sondern macht auch das Mülltrennen einfacher.

Dass es nicht immer eine Wertstofftonne sein muss, zeigt der Landkreis Miltenberg in Bayern: Dort gibt es schon seit 1993 den Gelben Sack Plus, in dem die Bürger nicht nur Verpackungen, sondern auch „verpackungsfremde Wertstoffe“ wie Schrauben oder Plastikspielzeug sammeln.

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