Apr 14
plasticoceans_coast of Sri Lanka_Taucher unter Müllteppich (1)

Plastiktüten – sie verschmutzen die Umwelt, fliegen durch die Landschaft wie Steppenhexen im Western, bleiben in den Bäumen hängen und landen schließlich im Meer (Bild: Plastic Oceans). Dort verfangen sich Meeresbewohner darin, Seevögel fressen das Plastik oder füttern ihre Küken damit, weil sie es für Nahrung halten.

Obendrein verbraucht die Herstellung der Plastiktüten jede Menge Erdöl, das immer knapper wird und unter immer schwierigeren und für die Umwelt schädlichen Auswirkungen gefördert werden muss. Alles gute Gründe, die Plastiktüte zu verbieten oder ihren Verbrauch zumindest einzuschränken – oder? Sind Plastiktüten Tragehilfe oder Umweltsünde?

Tatsächlich stellen Abfälle, die unkontrolliert in die Umwelt gelangen, ein großes Problem dar – das gilt vor allem für Länder, in denen es keine systematische Abfallwirtschaft gibt. Dort haben die Bürger mitunter nicht einmal eine Mülltonne für ihre Abfälle – die landen auf der Straße und in der Landschaft. Aber Hand aufs Herz: Wenn ich in Köln am Rhein spazieren gehe, sehe ich am Ufer auch Müll liegen. Im vergangenen Jahr haben wir im Rahmen von „Kölle putzmunter“ in der Nähe unserer Verwaltung eine Straße „aufgeräumt“ – dabei kam jede Menge Müll zusammen.

SYSTALEN-LDPE-grau-V02Merke: Was in die Sammelgefäße geworfen wird, landet nicht in der Umwelt und verursacht dort auch keine Probleme. Die Plastiktüte gehört bei uns in die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack, dann wird sie zu neuem Plastik recycelt oder wenigstens zu einem Brennstoff für die Industrie. Das Bild zeigt ein Kunststoffgranulat, das die Systec Plastics aus Plastiktüten und anderen Kunststoffabfällen herstellt. Die Kunststoffindustrie macht daraus dann neue Plastikprodukte.

Was aber würde ein Verbot der Plastiktüte bringen? Plastiktüten dienen dazu, dass wir Waren, die wir im Geschäft gekauft haben, sicher und unbeschädigt nach Hause tragen können. Sind Tüten z. B. aus Papier dazu besser geeignet und sind sie besser zur Umwelt? Daran hat zumindest die FAZ große Zweifel.

Immer wieder werden bioabbaubare oder kompostierbare Kunststoffe als Alternative für das konventionelle Plastik ins Gespräch gebracht – da sie sich in der Natur von selbst zersetzen würden, gehe von ihnen keine Gefahr aus. Und da sie außerdem aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt würden, sparten sie außerdem noch Ressourcen und hätten eine bessere Umweltbilanz. Leider ist das nicht so einfach: Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen haben gegenüber Plastikverpackungen keinen ökologischen Vorteil, hat das Umweltbundesamt herausgefunden. Selbst als praktischen Öko-Beutel für den Biomüll sehen Experten sie kritisch. Im heimischen Komposthaufen zerfallen die Biokunststoffe nicht, weil die Bedingungen dafür nicht ausreichen. Es wird schlicht nicht warm genug. Und in der industriellen Kompostierung bleibt meist auch noch ein Rest übrig, der dann mühsam aus dem fertigen Kompost geklaubt werden muss.

Sowohl beim Plastikverbrauch als auch bei der Umweltbelastung durch weggeworfenen Müll sind Plastiktüten eher die Spitze des Eisbergs – sie fallen halt stark auf, weil sie bunt sind und eine große Oberfläche haben. Mengenmäßig fallen sie bei beiden Themen eher gering ins Gewicht. Was also tun, wenn ihr trotzdem kein gutes Gefühl habt, beim Einkauf Plastiktüten zu benutzen? Wir haben einige Tipps zusammengestellt, die euch helfen sollen, eure persönliche Abfallbilanz zu verbessern.

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