Jun 17
Der Meeresatlas 2017 zeigt, warum Meeresschutz wichtiger ist denn je

Überfischung, Müll und andere Verschmutzung, Erwärmung und immer weniger Arten – unseren Ozeanen geht es nicht gut. Wie hoch der Druck auf die Weltmeere wirklich ist und warum vom Wohl der Meere auch die Zukunft der Menschheit abhängt, zeigt der Meeresatlas 2017 der Heinrich-Böll-Stiftung auf eindrückliche und anschauliche Weise.

Meeresatlas_2017Gemeinsam mit den Kieler Meeresforschern des Exzellenzclusters Ozean der Zukunft und unter Mitarbeit der Zeitung Le Monde Diplomatique hat die Heinrich-Böll-Stiftung Anfang Mai 2017 den rund 50 Seiten starken Meeresatlas 2017 veröffentlicht. Die Botschaft ist eindeutig: Die Weltmeere steuern auf einen Kollaps zu. Auch wenn bereits viel zu ihrem Schutz getan wird, bedarf es der gemeinsamen Anstrengung aller Länder und Nutznießer der Meere, um sie nachhaltig zu schützen und für künftige Generationen zu bewahren. Der Inhalt des Meeresatlas 2017 – der gratis zum Download oder zur Bestellung unter www.meeresatlas.org bereit steht – zeigt, wie vielfältig die Bedrohungen aber auch die Chancen für unsere Meere sind.

Zahlreiche Bedrohungen, jede Menge Chancen
Themen des Meeresatlas sind beispielsweise der Einfluss des Klimawandels auf die Meere sowie die Nachteile, die durch Überfischung und das kontinuierliche Schwinden der Arten entstehen. Überschwemmungen, die Situationen in den Küstengebieten und soziale Konflikte werden ebenso dargestellt wie der expandierende Sektor des Tiefseebergbaus und nicht zuletzt die Bedrohung der Ozeane durch Welthandel, Schifffahrt, Tourismus und die starke Verschmutzung der Meere als globale Müllkippe.

Besonders letzteres und speziell der Plastikmüll in den Meeren ist übrigens Thema des Dokumentar-Films A Plastic Ocean, den der Grüne Punkt finanziell unterstützt hat. Zudem sitzt der Grüne Punkt mit am Nationalen Runden Tisch des Bundesministeriums für Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und diskutiert mit Politikern, Umweltschützern, Wissenschaftlern und Vertretern betroffener Branchen, wie das Plastikmüll-Problem der Meere zu lösen ist. Mehr dazu hier.

Zu jedem seiner Themen hält der Meeresatlas aufschlussreiche Infografiken und neueste Zahlen bereit, die die aktuelle Lage verdeutlichen und anschaulich werden lassen.

Müll, Müll und noch mehr Müll
Reste von Fischernetzen, Plastikflaschen und vermüllte Strände sind nur ein kleiner Teil der starken Verschmutzung der Meere mit Müll, Gift und Schadstoffen. Denn was wir beim Strandspaziergang zwischen Muscheln, Sand und Treibholz finden, ist nur die Spitze des Müllberges. Neben den sichtbaren Feststoffen gelangt viel Unsichtbares in die Meere. Zum Beispiel Nitrate und Phosphate, die als Folge stark zunehmender Massentierhaltung ins Grundwasser und damit ins Meer geleitet werden und hier für eine zunehmende Überdüngung sorgen. Auch Chemikalien und Schwermetalle im Wasser können für die Meeresbewohner und damit letztendlich für den Menschen gesundheitsgefährdend sein. Dazu gehört auch Erdöl, das unter anderem nach Tankerunglücken ins Wasser gelangt. Ein weiteres, schmutziges Problem: Radioaktivität und entsorgte Munition. Radioaktiver Müll, Atomwaffentests und zahlreiche Kriege setzen den Meeren nach wie vor zu – eine Bergung und Beseitigung der Ursachen ist in den meisten Fällen zu teuer, zu aufwendig oder schlicht nicht beabsichtigt. Und nicht zuletzt ist die Lärm-Verschmutzung ein ernstzunehmendes Problem: Seefahrt, Tiefseebergbau, Militär, Häfen und Offshore-Anlagen sorgen für einen Geräuschpegel unter Wasser, der vor allem Meeressäugern wie Walen und Delfinen oft zum Verhängnis wird.

Meeresatlas2017_Infografik_Müll_und_Gift_im_Meer

Das Problem mit dem Mikroplastik
Etwa zwei Prozent des weltweit jährlich produzierten Plastiks landen im Meer. Das klingt zunächst vielleicht nicht viel – bei einer Jahres-Produktion von 300 Millionen Tonnen sind es jedoch immer noch unglaubliche 8 Millionen Tonnen. Pro Jahr. Und die Plastikproduktion steigt weiter an. So könnte schon 2050 das Massen-Verhältnis von Fisch und Plastik in den Meeren 1:1 betragen. Auch in diesem Bereich zeigt der Meeresatlas Erstaunliches: Die mittlerweile als Müllkontinente bekannten Plastikinseln in den Ozeanen bestehen aus nur etwa 0,5 Prozent des gesamten Plastikmülls im Meer. Diese Inseln zu beseitigen hat sich unter anderem der Niederländer Boyan Slat zur Aufgabe gemacht. Über ihn und seine Arbeit haben wir bereits an früherer Stelle in unserem Blog berichtet.

Meeresatlas2017_Infografik_Plastikmüll_im_Meer

Ein Großteil des Kunststoffes im Meer wird jedoch zu Mikroplastik und damit zu einem zunehmend gravierenden Problem. Als Bestandteil von Kosmetika aber vor allem bei der Zersetzung des „großen“ Plastiks durch Reibung, Sonne und Bakterien entstehen mikroskopisch kleine Plastikteilchen, die in die Körper aller Meeresbewohner gelangen oder letztendlich auf den Meeresboden absinken. Dort unten ist die Plastikkonzentration mittlerweile um das 1000-fache höher als an der Meeresoberfläche! Keine Frage, dass vor allem das Plastikproblem in den Meeren einer schnellen und nachhaltigen Lösung bedarf.

Plastik ist Rohstoff
Der Grüne Punkt fordert seit Beginn seiner Arbeit, dass Plastik als wertvoller Rohstoff begriffen wird – nur so und mit einem geschlossene Wertstoffkreislauf kann die achtlose Entsorgung des Plastiks effektiv verhindert werden. Die Grafiken des Meeresatlas zeigen zudem deutlich, was das größte Problem bei der Plastikverschmutzung der Meere ist: fehlendes oder schlechtes Abfallmanagement. Genau hier setzt die Arbeit des Grünen Punkts an. Ein geschlossener Wertstoffkreislauf verhindert, das Plastik in die Umwelt gelangt.

Meeresatlas2017_Infografik_S19bDie Zukunft: das Meer als Energiequelle
Gerade mit Blick auf zunehmende Rohstoffknappheit sollten die Menschen mit den Geschenken des Meeres sorgsam umgehen. Wenn früher oder später die klimaschädliche Nutzung fossiler Brennstoffe endet, hat das Meer das unglaubliche Potenzial, die Welt mit der so dringend benötigten Energie zu versorgen. Schon heute liefern Offshore-Windanlagen sowie Gezeiten- und Wellenkraftwerke umweltschonende Energie. Dass der Mensch die Meere immer brauchen und für seine Zwecke nutzen wird, steht außer Frage – aber das Wie ist entscheidend. Hier liegt die Verantwortung jedes einzelnen: Der nachhaltige Umgang mit Plastik, die Vermeidung unnötigen Plastikmülls, nachhaltiges Reisen und die Reduzierung des eigenen CO2-Fußabdrucks können schon deutlich dazu beitragen, unsere Meere zu schützen. Allein für diese Erkenntnis ist der Nutzen des Meeresatlas der Heinrich-Böll-Stiftung nicht hoch genug einzuschätzen.

Mehr Infos zum Meeresatlas gibt es unter anderem hier:

https://meeresatlas.org/
https://www.boell.de/

0 Kommentare zu “So steht es um die Weltmeere”

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