Aug 17

Spende dein Pfand RegensburgEine kleine studentische Idee ist erwachsen geworden: Spende Dein Pfand, von sechs Regensburger Studenten ins Leben gerufen, um nachhaltig ökologischen und ökonomischen Nutzen zu schaffen, ist inzwischen ein international erfolgreiches Projekt. Weltweit werden Pfandflaschen gesammelt um Menschen ein Einkommen zu verschaffen und Müll zu vermeiden. Doch wie hat alles begonnen? Ein Erfahrungsbericht von unserer Gastautorin Yvonne Schmid.

Fast sechs Jahre ist es nun her: In der Cafeteria der Regensburger Universität sitzen sechs motivierte Studenten zusammen und planen ihre nächsten Schritte. Wir sind Teil von Enactus (damals noch SIFE). Das Akronym steht für Entrepreneurship (also Unternehmertum), Action und Us. Die Non-Profit-Organisation hat es sich zum Ziel gesetzt, für sozial benachteiligte Gruppen Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Dies geschieht in Form von Projekten, die wir Studenten konzipieren, planen und gemeinsam mit der Zielgruppe umsetzen. Die wirtschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit spielt dabei eine wichtige Rolle – ein großes Ziel also.

Die ersten Schritte

Unsere Idee entstand nach dem Auslandssemester unserer Projektleiterin in Australien: Dort hatte sie beobachtet, wie Menschen ihre Pfandflaschen im Wert von fünf Cent in Eimer an Straßenecken werfen, sodass Obdachlose oder arme Kinder sie herausnehmen und zurückgeben können.

Spende dein Pfand Regensburg
Spende dein Pfand Regensburg

Wenn es mit fünf Cent in Australien funktioniert, warum nicht auch mit 25 Cent in Deutschland? Die Idee stand, unsere Arbeit konnte beginnen. Ein Name war schnell gefunden: Spende Dein Pfand – Simpel und selbsterklärend. So einfach die Namensfindung war, so viele offene Fragen standen im Raum. Welche Behälter eignen sich zum Sammeln und wie können wir sie finanzieren? Was müssen wir hinsichtlich Brandschutz und Genehmigungen beachten? Wo können sie aufgestellt werden und wer soll sie entleeren?

Die Pilotphase

In den folgenden Wochen wurden viele Ideen gesammelt, es wurde hitzig diskutiert und meist wieder alles verworfen. Aber im Januar 2011 war es soweit: Wir stellten den ersten Behälter auf. Mit dem Pilotbehälter starteten wir dort, wo unsere Idee Formen angenommen hatte, an der Universität Regensburg. Hier gibt es auch heute noch die besten Voraussetzungen: Das Studentenwerk unterstützt bei Vorschriften und Genehmigungen, Cafeterien zur Flaschenrückgabe sind nicht weit und sowieso schleppen Studenten immer leere Flaschen mit sich herum. Für die Finanzierung konnte die Telekom als Spendengeber gewonnen werden, die großzügige Summe von 1.000 Euro deckte einen Teil der Anschaffungskosten.

Bis April stellten wir noch weitere sieben Behälter auf und entleerten sie zweimal wöchentlich selbst. So konnten wir Erfahrungswerte sammeln über Pfandsummen, kaputte Glasflaschen und dass der Behälterboden an manchen Aufstellorten lieber gepolstert sein sollte (offenbar variiert der Bier-in-Glasflaschen-Konsum in den Fakultäten erheblich). Nach einiger Zeit war genug Pfandgeld zusammengekommen, sodass wir einen Spendenscheck an die Regensburger Kinder- und Jugendfarm übergeben konnten und noch heute sind wir mächtig stolz auf uns, nach so kurzer Zeit so viel erreicht zu haben! Diese Erfolge spornten zum nächsten großen Schritt an: Die Suche nach Mitarbeitern, die das Projekt dauerhaft betreiben möchten. Unseren Kooperationspartner fanden wir in der Organisation Retex. Hier sind u. a. chronisch psychisch kranke Menschen beschäftigt. Nach den ersten Gesprächen stellte sich heraus, dass die begeistert von der Idee sind! Anfang Mai 2011 wurden also die ersten vier Mitarbeiter angelernt.

Eine Sammeltonne in der Mensa.
Eine Sammeltonne in der Mensa.

Ab jetzt wird’s groß …

Damit gaben wir uns aber nicht zufrieden. Ab jetzt wurde zweigleisig weitergearbeitet. Zum einen sollte das Projekt in Regensburg weiter Fuß fassen. Hierfür stellten wir weitere Behälter auf und konnten sogar einen Kleinbus als Spende akquirieren, den wir den neuen „Pfand-Unternehmern“ für die Entleerung zur Verfügung stellten. Jedes Mal, wenn wir „unsere“ Retex-Mitarbeiter beim Entleeren beobachten, sehen wir, wie viel Spaß ihnen die Arbeit an Spende Dein Pfand macht. Sie selbst gehen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach, kommen dabei unter Menschen und die Pfand-Überschüsse werden für einen guten Zweck verwendet.
Parallel dazu arbeiteten wir im Enactus-Team daran, Spende Dein Pfand in ganz Deutschland zu etablieren. Mit Starter-Paketen wurden 15 weitere Universitäten ausgestattet, die von nun an im Rahmen eines Franchising-Konzeptes selbstständig an dem Projekt weiterarbeiten. Dazu machten wir Roadtrips bis nach Berlin, Hamburg oder Köln.

Spende Dein Pfand war schon im Sommer 2011 so erfolgreich, dass das gesamte Regensburger Team einen nationalen Projektwettbewerb gewann und im Oktober 2011 das Projekt (unter dem Namen „Bottles for a better life“) in Malaysia vor einem internationalen Publikum präsentiert wurde. Ab da machte die Idee auch international Schule: Organisationen aus Kenia, Australien und den Niederlanden möchten das Projekt ebenfalls umsetzen – selbst ohne ein staatliches Pfandsystem.

Sechs Jahre später ist die kleine Idee schon erwachsen

Heute, sechs Jahre später ist die Idee ein Selbstläufer. Spende Dein Pfand wird weltweit in vielen verschiedenen Formen umgesetzt. In Deutschland findet man die Behälter insbesondere an Universitäten, Schulen und Flughäfen. In Regensburg entleeren immer noch die Retex-Mitarbeiter die Behälter, an anderen Standorten sind es die unterschiedlichsten Personengruppen: Behinderte, obdachlose oder langzeitarbeitslose Menschen bekommen eine sinnvolle Beschäftigung und so ihren ganz eigenen Platz in unserer Gesellschaft. Sie helfen uns, tonnenweise Plastikmüll zu sparen uns so unsere Umwelt zu schützen.

All das haben wir unseren Pfand-Unternehmern, Pfand-Spendern, Partnerorganisationen wie Der Grüne Punkt, dem Studentenwerk, den Flughafenverwaltungen und vielen mehr zu verdanken. Es ist allerhöchste Zeit, Danke zu sagen: Danke, dass ihr uns dabei begleitet, unsere Welt ein kleines bisschen besser zu machen …

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