Jul 14
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Die Debatte „Tank oder Teller“ setzt sich kritisch mit dem starken Ausbau der Produktion von Pflanzen für die Erzeugung von Biosprit oder Biokunststoff auseinander. Fehlen die Nahrungsmittel, mit denen Autos bewegt oder Limos in Kunststoffflaschen verpackt werden, den Menschen auf dem Teller?

Wenn wertvolles Ackerland mit Pflanzen bebaut wird, aus denen Biosprit, Biogas und Biokunststoff hergestellt werden, ist das weder sinnvoll noch nachhaltig, sagen die Einen. Sie halten das für „ein ethisch verwerfliches“ Verhalten und befürchten eine „Verknappung von Ackerland“, das für die Ernährung der Menschen zur Verfügung steht.

Saftflasche aus Biokunststoff (Bild: © Blue Lake Citrus Products)
Saftflasche aus Biokunststoff (Bild: © Blue Lake Citrus Products)

Für Andere wiederum ist Biomasse „ein sehr vielseitiger und zuverlässiger erneuerbarer Energieträger und Rohstoff, der eine wichtige Rolle für die zukünftige Energie- und Rohstoffversorgung unseres Landes spielt“.

Wer hat Recht? Mit folgenden Fakten rechnen die Experten zum Beispiel bei den Biokunststoffen:

Durchschnittlich kann man mit dem Ertrag von einem Hektar Ackerland etwa 2,5 Tonnen Biokunststoffe produzieren. Derzeit werden Biokunststoffe in größerem Umfang in Europa, Nord- und Südamerika sowie in Asien hergestellt. Betrachtet man die aktuellen globalen Produktionskapazitäten für alle Biokunststoffe, so benötigen sie heute einen Anteil von 0,02 bis 0,05 Prozent der Ackerfläche der Erde.

Das ist nicht viel. Bei den Biokraftstoffen jedoch liegt der Flächenbedarf schon bei ca. zwei Prozent der globalen Ackerfläche. Und die Steigerung der Produktion verlief sehr rasch. Sie hat sich in nur sieben Jahren verdreifacht.

Die Entwicklung ist vorgezeichnet: Insgesamt wird die Nachfrage nach Biomasse für die Ernährung, als Viehfutter, für Kraftstoffe oder Kunststoffe zukünftig stark wachsen. Das Bevölkerungswachstum, die Veränderung der Ernährungsgewohnheiten, vor allem die Zunahme des Fleischkonsums, führen dazu, dass immer mehr Land als Ackerfläche genutzt werden wird.

Wenn also an allen Nachfrageschrauben kräftig gedreht wird, müssen immer neue natürliche Flächen genutzt werden. Die in den 1980er und 1990er Jahren entstandenen landwirtschaftlichen Flächen sind in großen Teilen das Ergebnis einer Umwandlung tropischer Wälder. Diese Entwicklung ist bedrohlich. Es bedarf einer globalen Strategie, die vor allem die Gefahr miteinbezieht, dass bei stark steigender Nachfrage nach Biomasse auch die Nahrungsmittelpreise stark steigen. Damit sind gerade die Menschen in ihrer Existenz bedroht, die nur über ein sehr geringes Einkommen verfügen.

Anbaufläche für nachwachsende Rohstoffe 2013 (Grafik: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. [FNR])
Anbaufläche für nachwachsende Rohstoffe 2013 (Grafik: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. [FNR])
Experten empfehlen dringend die Festlegung von sogenannten „No-go-Areas“, also von Flächen, deren landwirtschaftliche Nutzung grundsätzlich ausgeschlossen ist. Das wäre ein wichtiger Beitrag zum Schutz der vielen bedrohten Arten, würde aber das Problem der Knappheit noch nicht befriedigend lösen.

Ideen und Regeln für den Markt sind gefragt. Förderer und Hersteller der Biokunststoffe sollten sich unbedingt und öffentlich zu ihrer Verantwortung bekennen. Denn auch wenn der Nachfragedruck bei Biokunststoffen heute noch nicht besonders groß ist, sind sie Teil des Gesamtsystems, in dem sich durch Konkurrenzdruck die Konflikte zukünftig stark verschärfen werden.

Und wie wäre es mit der Idee, Biokunststoffe zukünftig vermehrt aus den Abfällen der Landwirtschaft zu produzieren?

Titelbild: Maisfeld (© uschi dreiucker  / pixelio.de)

0 Kommentare zu “Stehlen Biosprit und Biokunststoff den Armen das Essen?”

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