Aug 16
Zweite Exkursion von Nestlé Deutschland und dem Grünen Punkt zum Tag der Verpackung

Der Tag der Verpackung fand in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. Der Grüne Punkt und Nestlé Deutschland hatten Studierende aus Leipzig und Stuttgart wieder zu einer Exkursion entlang der Wertschöpfungskette von Verpackungen eingeladen. Nathanael Jetter hat bereits zum zweiten Mal teilgenommen und berichtet für uns von seinen Erfahrungen.

Ein Beitrag von Nathanael Jetter

Verpackungen sind allgegenwärtig, morgens der Fruchtsaft aus dem Verbundkarton, danach die Zahnpasta aus der Kunststofftube und mittags ein Getränk aus der Glasflasche. Jeden Tag kommen wir in direkten Kontakt mit unzähligen Verpackungen. Dennoch nimmt sie kaum einer bewusst wahr. Sie sind „Wegwerfartikel“ mit einer geringen Lebenszeit. Doch was passiert, nachdem man seine Verpackungen in den Mülleimer bzw. den Gelben Sack wirft?

Am Tag der Verpackung von Der Grüne Punkt und Nestlé Deutschland konnten wir, sieben Studenten der HdM Stuttgart und acht Studenten der HTWK Leipzig des Studiengangs Verpackungstechnik, dieser und weiteren Fragen auf den Grund gehen. Im Mittelpunkt der Exkursion stand das Thema Nachhaltigkeit sowie der verantwortungsvolle Umgang mit Verpackungsabfällen und Ressourcen. Die gesamte Exkursion wurde von einem Kamerateam begleitet, der entstandene Kurzfilm wurde vom Grünen Punkt im Internet veröffentlicht.

Der Tag der Verpackung fand dieses Jahr nun schon zum zweiten Mal statt. Die erste Station unserer zweitägigen Exkursion führte uns zur GIZEH Verpackungen GmbH, welche wir an ihrem Hauptsitz in Bergneustadt besuchen durften. GIZEH hat sich auf individuelle Verpackungslösungen spezialisiert und beliefert vor allem Kunden aus der Lebensmittelbranche. Besonders interessant war die große Fülle an Technologien, die wir im Werk in Bergneustadt begutachten konnten. Vom Thermoformen über Spritzguss bis zum Spritzstreckblasen gibt es alles aus erster Hand genau auf die Wünsche des Kunden zugeschnitten. Die hier hergestellten Verpackungen werden nun befüllt, verkauft, gebraucht und anschließend weggeworfen. Doch damit ist die Geschichte der Verpackung noch nicht beendet.

Etliche Sortiereinheiten und mehrere hundert Meter Förderbänder

Über verschiedene Sammelsysteme gelangt, neben ungeliebtem Schulmaterial, der Verpackungsmüll (Gelber Sack) in die Müllsortieranlagen. Mit einer Durchsatzleistung von 95.000 Tonnen pro Jahr zählt die Müllsortierungsanlage von LOBBE am Standort Iserlohn zwar nicht zu den größten, dafür aber zu den modernsten Anlagen in Europa. Das Besondere an dem Standort sind die 15 sensorbasierten Sortiermaschinen, welche die chemische Zusammensetzung des Verpackungsmülls mittels Infrarotspektroskopie erfassen und anschließend die Verpackungen durch gezielte Luftstöße in sortenreine Kunststoffströme lenken können.

Die Bilder von oben links nach rechts unten: Bei GIZEH werden die verschiedensten Verpackungen hergestellt, darunter auch die Becher der 5 Minuten Terrine. Gebrauchte Verpackungen und andere Abfälle aus der Gelben Tonne und dem Gelben Sack sortiert die Lobbe-Anlage automatisch. Die Systec Plastics granuliert gebrauchte Kunststoffverpackungen wie die Becher der 5 Minuten Terrine zu neuem Kunststoff. Am Schluss der Exkursion fanden sich alle Teilnehmer noch einmal zusammen.

Etliche Sortiereinheiten und mehrere hundert Meter Förderbänder später erhält man also sogenannte sortenreine Kunststoffe (Polyethylen, Polypropylen, Polystyrol, etc.). Diese werden zur besseren Handhabung und Transport zu Ballen gepresst die, je nach Art des Kunststoffes, bis zu 600 kg wiegen können. Doch was geschieht nun mit den Kunststoffballen?

Dies konnten wir auf unserer letzten Station erfahren, welche uns zum Unternehmen Systec Plastics in Hörstel führte. Hier wird der sortenreine Kunststoff (in Hörstel nur Polypropylen) weiterverarbeitet. Ziel ist es, den Kunststoff einer sinnvollen Wiederverwertung zuzuführen. Im Gegensatz zur thermischen Verwertung werden somit die natürlichen Ressourcen geschont. Damit der Kunststoff erneut zur Herstellung verschiedener Produkte verwendet werden kann muss er zunächst aufbereitet werden. Zuerst werden die Verpackungen in kleine Flocken geschreddert, sogenannte Flakes. Anschießend werden diese gründlich gewaschen, um die organischen Bestandteile des Füllgutes und anderer Verunreinigungen vom Material zu lösen.

Nun können die Flakes erneut eingeschmolzen und zu Granulat (Regranulat) extrudiert werden. Mithilfe des Granulats erfährt der Kunststoff sein zweites Leben in Form von Produkten wie Einkaufskörben, Pflanzentöpfen und vielem mehr. Nach aktuellem Stand der Technik sind Regranulate noch nicht für die Verwendung von Lebensmittelverpackungen zugelassen, jedoch ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Wissenschaftler eine geeignete Methode entwickeln um alle Verunreinigungen zu entfernen, und somit den Kreis der Rezyklierung komplett zu schließen.

„Design for Recycling“

Im Laufe der Exkursion konnten wir Studierende, durch die umfangreichen praktischen Einblicke in den Verwertungsablauf von Kunststoffverpackungen, einiges lernen. Recycling beginnt nämlich nicht erst beim Gelben Sack, sondern schon bei der Verpackungsentwicklung. Die richtige Wahl der Werkstoffe und Verarbeitung dieser haben einen enormen Einfluss auf die spätere Wiederverwertbarkeit von Kunststofferzeugnissen. Beispielsweise sollten sich Etiketten gut von der Verpackung lösen oder Verbundfolien einfach in ihre Monoschichten zerlegen lassen.

Jedoch liegt genau hier auch das Problem von „Design for Recycling“, denn die Verpackungen müssen natürlich während der Verwendungszeit alle Schutz- und Verkaufsfunktionen zuverlässig erfüllen. Diesen Spagat zu meistern und beiden Interessen gerecht zu werden stellt eine Herausforderung an jeden Verpackungsingenieur dar. Insbesondere in der heutigen Zeit jedoch ist es von bedeutender Wichtigkeit die Aspekte des Umweltschutzes und der Ressourcenschonung zu berücksichtigen und ins Bewusstsein zu heben, daher war der Tag der Verpackung, aus meiner Sicht, ein voller Erfolg!

Was kann ich persönlich tun? Einiges! Wir als Verbraucher haben mit den größten Einfluss, wenn es darum geht Abfälle wieder in den Wirtschaftskreislauf einzubringen. Denn es liegt in unserer Verantwortung ob wir Verpackungsabfall in den Abfalleimer bzw. den Gelben Sack werfen und somit einer ordnungsgemäßen Verwertung zuführen, oder ob wir ihn achtlos in die Gegend schmeißen, wo er wegen seiner extrem hohen Halbwertszeit sehr lange verbleiben wird und darum eine Umweltbelastung darstellt.

Darüber hinaus liegt es auch in unserer Hand, wie wir Abfall entsorgen. Nicht komplett restentleerte Verpackungen wirken sich, wegen ihres Mehrgewichts, negativ auf den Transport aus. Des Weiteren locken Nahrungsmittelreste und andere organische Substanzen Ungeziefer an, welches die Verwertung von Verpackungsabfällen zusätzlich erschwert.

Damit unsere Umwelt in Zukunft sauber bleibt und die nachfolgenden Generationen noch von den fossilen Ressourcen unserer Erde schöpfen können, würde ich mir wünschen, dass leere Verpackungen nicht nur als Abfall sondern als Wertstoffe gesehen und dementsprechend behandelt werden.

Verfasst von Nathanael Jetter

Bilder von Martin Wunner & Der Grüne Punkt

0 Kommentare zu “Tag der Verpackung – was passiert mit Ressourcen?”

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