Mai 13
(c) Andreas Froese

PET-Flaschen gehören hierzulande in die Gelbe Tonne und den Gelben Sack oder es gibt dafür Pfand zurück. In der sogenannten Dritten Welt dagegen verursachen sie ein großes Müllproblem. Andreas Froese hatte eine Idee, wie man die vielen achtlos weggeworfenen Flaschen sinnvoll nutzen könnte. Mittlerweile gibt es mehr als 50 Projekte auf vier Kontinenten, die darauf beruhen. Exklusiv für unser Blog hat er uns seine Projekte beschrieben:

Es geht um umwelt- und sozialverträgliche Lösungen und um Innovation und letztlich darum, nicht nur ein Müllproblem zu lösen, sondern günstige Ressourcen und Arbeitsplätze zu beschaffen.

Mein Vorschlag: Verwandle eine PET-Wegwerfflasche in einen Ziegelstein und du bekommst eine solche Lösung. Die Methode ist vergleichsweise simpel: Wir füllen die leeren Flaschen mit Erde, Sand oder Bauschutt, vermauern sie mit Lehm oder Mörtel und verbinden sie mit Hilfe fester Schnur. Danach wird die Wand verputzt – fertig!

Das hat viele Vorteile, vor allem brauchen wir das Material in der Regel nicht zu kaufen. Im Senegal zum Beispiel hat mein Partner Stephan Senghor eine Million PET-Flaschen aus den Abwasserkanälen gefischt. Da gehören sie nicht hin und wir können sie gut als Baumaterial verwenden.

Was wir dazu brauchen:

  1. Leere PET-Flaschen: Weltweit werden ca. 500 Billionen jedes Jahr hergestellt und laut Studien der Vereinten Nationen landen die meisten irgendwann im Meer.
  2. Einen Trichter. Den bekommen wir, indem wir einfach einer PET-Flasche den Boden wegschneiden.
  3. Einen Stock zum Verdichten, das kann auch ein Stück Rohr oder Baustahl sein.
  4. Erde oder gesiebten Bauschutt zum Befüllen.

Jede Flaschengröße kann verbaut werden. Der Zeitaufwand: etwa drei Minuten für eine Zweiliterflasche. Ein Haus mit 60 Quadratmetern Wohnfläche und einem Wassertank benötigt um die 6.000 Flaschen. Das bedeutet 300 Arbeitsstunden, also 7,5 Wochen Arbeit für eine Person bei 40 Stunden pro Woche.

Selbst wenn wir diese Menge an Flaschen kaufen müssten, würde dies nur 50 bis 160 US-Dollar kosten, je nachdem wie weit wir von der nächsten größeren Stadt entfernt sind. Ab einer gewissen Entfernung wird der Transport allerdings einfach zu teuer.

Es gibt noch viele weitere Vorteile:

  • Die Flaschenziegelsteine können mit Lehm oder Erdmörtel verbaut werden – auch das eine billige und fast überall verfügbare Ressource.
  • Die elektrischen Leitungen haben Platz, ohne dass wir Schlitze stemmen müssten.
  • Die Schall- und Wärmeisolierung ist gut.
  • Bei Erdbeben sind unsere Mauern flexibel und stürzen nicht ein.
  • Gewehr- und Pistolenkugeln kommen nicht durch – in vielen Regionen ist das leider ein wichtiges Argument!
  • Die Leute lernen zu bauen und haben ein Einkommen.

Auch nach Naturkatastrophen ist mein System gut einzusetzen, da die Flaschen zur Not mit Schlamm oder dreckigem Wasser gefüllt werden können. Vor zwei Jahren habe ich mal eine Gruppe des Technischen Hilfswerks (THW) in dieser Technik ausgebildet. Heute geht es mir besonders um Wassertanks, die dazu dienen, Regenwasser zu nutzen, und um den Bau von Toiletten.

Es gibt mittlerweile mehr als 50 Projekte auf vier Kontinenten. Der nächste und sehr wichtige Schritt ist die Schaffung eines Ausbildungszentrums. Das Ausbildungszentrum wird dazu dienen, viele Techniker auszubilden, die wieder andere Menschen ausbilden. Darum ist das Ziel, viele Trainingscenter aufzubauen.

Doch dafür brauche ich Hilfe: Ich wünsche mir, dass sich sowohl Universitäten als auch große Hilfsorganisationen mehr für meine Arbeit interessieren.

Hier findet ihr eine Liste der Innovationen der letzten 13 Jahre:

  • 2001–2002 Bau des ersten Hauses, bei dem die Flaschen ohne Zement und nur mit Erde verbaut wurden.
  • 2003 Bau der ersten Säulen.
  • 2003 Bau der ersten Kuppeln und Gewölbe.
  • 2003 Das heutige biomimetische Vierpunkt-Verknüpfungssystem ist erfunden.
  • 2004 Bau des ersten Wassertanks mit 5.000 Liter Fassungsvermögen.
  • 2007 Bau des ersten Wassertanks, bei dem die Flaschen mit Erde-Zement-Mischung verbaut wurden.
  • 2009 Bau des ersten Wassertanks, bei dem wir ganz auf Zement verzichten und nur noch mit Erde verbauen.
  • 2011 Bau des ersten Wassertanks aus mit Plastikabfall gefüllten Flaschen.

All das gab es vorher nicht!!! Nicht nur der neueste Chip und das neueste iPhone bedeuten eine Innovation, denn die sind schon nach wenigen Monaten Abfall!!! Ich habe diese Technik ohne externe Finanzierung nach Indien und Afrika gebracht.

Das Team von meingruenerpunktblog.de bedankt sich ganz herzlich bei Andreas Froese für diesen aufschlussreichen Beitrag. Wir meinen: Das ist ein gutes Beispiel, wie an die lokalen Gegebenheiten angepasste Lösungen einen Entwicklungsfortschritt bringen können! Ein anderes Beispiel für eine solche Lösung haben wir in Kenia gefunden.

0 Kommentare zu “Vom Müllproblem zum Mauerersatz – PET-Flaschen als Baumaterial”

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