Jul 13
UK_Shoe_Sale_2_von Armchair (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 (httpcreativecommons.orglicensesby-sa3.0)], via Wikimedia Commons

Wie unter grünem Deckmäntelchen Unsinn verbreitet wird:

Schuhe sind überall. Jährlich werden etwa 20 Milliarden Schuhe weltweit produziert. Manche haben 100 Paar oder mehr im Schrank. Wohin aber damit, wenn sie kaputt sind?

Snipe 100 heißt der Schuh, den eine spanische Firma entwickelt hat. Komplett kompostierbar. Die Sohle ist aus einem Spezialkunststoff, der ebenfalls auf den Komposthaufen kann. Heißt das, dass die Schuhe am Fuß verrotten? Nein, sagt der Hersteller. Regen, Matsch und Nässe hielten die Schuhe gut aus. Die Zersetzung des Schuhs geschehe nur unter den speziellen Bedingungen eines Komposthaufens.

Warum aber sind denn die Schuhe überhaupt kompostierbar? Braucht der Hobbygärtner Schuhkompost für besonders schmackhaftes Gemüse auf dem Balkon oder im Garten? Unsinn!

Ist es vielleicht ein besonders preisgünstiger Schuh? Nein, die Weltneuheit hat ihren Preis, der Damenschuh kostet 170 Euro, das Herrenmodell 180 Euro.

Bringt es was für die Umwelt? Nein, im Gegenteil, denn der Schuh löst sich ohne Nutzen über Wochen und Monate unter Freisetzung von klimaschädlichem Kohlendioxid auf. Würde man ihn recyceln oder energetisch verwerten, wär’s sinnvoll.

Bringen wir also Hirn in die Sache: Es lohnt sich, den eigenen Schuhkonsum genauer zu hinterfragen und auf fair und nachhaltig produzierte Schuhe umzusteigen. Und wenn sie dann einmal nichts mehr taugen, gehören sie über die getrennte Sammlung in die Verwertung.

Und was gehört denn nun eigentlich in den Kompost? Das erfahrt ihr hier.

5 Kommentare zu “Was die Welt nicht braucht: kompostierbare Schuhe”

Kommentare
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  1. avatar
    Sven

    Unsinn ist leider nur dieser Artikel. Natürlich wird zwar Kohlendioxid frei, aber es ist die Menge, die in dem Schuh beim Anbau – nicht beim Abbau – der für ihn benötigten Materialien auch gebunden wurde. Das nennt man Klimaneutralität. Beim Recycling dagegen werden die Kunststoffe qualitativ gemindert, es ist daher eher ein Downcycling und führt notwendig zu einem Rest, der verbrand werden muss oder nicht mehr zu nutzen ist. Vergrößert man also den Horizont bzw. den Maßstab und bedenkt die dabei sich immer notwendig vergrößernde Restmenge, verschiebt sich das Problem nur auf spätere Generationen, wobei diese dann auf nicht mehr verrotenden und nicht mehr zu recycelnden Reststoffen sitzen bleiben. Das Problem ist dadurch nicht behoben. Was also nicht zu hundert Procent in technische Kreisläufe zurückgeführt werden kann, wie noch viele Kunststoffe, muss verrotten können. Cradle to Cradle also heißt das wahre Recycling und rulez deswegen auch.

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      Blogteam

      Ein verrottender cradle to cradle Schuh trägt einen großen CO2-Rucksack. Denn er setzt nicht nur die Menge an Kohlendioxid der für ihn benötigten Materialien frei. Auch wenn ausschließlich nachwachsende Rohstoffe für die Herstellung des Schuhs genutzt werden, entstehen CO2-Äquivalente bei Anbau, Ernte und Verarbeitung der Rohstoffe. Um dann einen Schuh herzustellen, wird ebenfalls eine große Menge Energie benötigt, die dann im Material des Schuhs bzw.im Produkt Schuh gebunden vorliegt. Ohne einen strukturierten Recycling-/Verwertungsprozess geht diese gesamte gebundene Energie (die zudem heute in großen Teilen aus fossilen Quellen gewonnen wird) verloren, bzw. es wird die entsprechende Menge an fossilen CO2-Äquivalenten ungenutzt frei.
      Cradle to Cradle ist gleichwohl ein sinnvoller Ansatz, dem wir uns aber Schritt für Schritt annähern müssen. Ziel muss sein, die verwendeten Rohstoffe zukünftig zu möglichst 100 % kreislauffähig zu gestalten. Das wäre dann auch ein großer Schritt in Richtung Klimaschutz. Wenn dann auch die gesamte globale Energieerzeugung aus regenerativen Quellen käme, wäre das ein weiterer großer Fortschritt. Es bliebe aber das Problem der knapper werdenden Ressource Boden, die uns die erforderlichen Rohstoffe liefern muss.
      Wir brauchen daher Abfallvermeidung, Wiederverwendung, Recycling und die energetische Verwertung. Beim Werkstoff Papier wird deutlich, dass wir in bestimmten Bereichen bereits gute Fortschritte gemacht haben. Papier wird klassisch aus dem nachwachenden Rohstoff Zellulose hergestellt. Papier kann man natürlich nach dem Ende der Gebrauchsphase der natürlichen Verrottung überlassen. Dies entspräche jedoch nicht heutigen Erkenntnissen und Erfordernissen im Bereich der Nachhaltigkeit. Altpapier wird daher selbstverständlich recycelt. Der Fachbegriff „Kaskadennutzung“ drückt aus, dass eine mehrfache Nutzung bei organischen Materialien wie etwa Papier oder Kunststoff möglich und sinnvoll ist. Nach 5 – 6 Recyclingdurchläufen ist die Zellulosefaser aber so kurzkettig geworden, dass zum Abschluss die energetische Verwertung steht. Daher der Begriff Kaskadennutzung.
      Ob die globale Produktion in Zukunft komplett auf das cradle to cradle Prinzip umgestellt werden kann oder umgestellt werden wird, ist eine sehr offene Frage. Lange dauern wird es auf jeden Fall. Die Zeit sollten wir aber nutzen, um Lösungen zu entwickeln. Einfaches „schwarz-weiß“ ist sicher nicht die Lösung, wie eine Studie des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2012 zum Thema „Umweltwirkung von Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen“ belegt. http://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/461/publikationen/3986.pdf
      Für den Sektor der Kunststoffe hat Professor Uwe Lahl ein interessantes Modell für den Umbau der Kunststoffchemie entwickelt http://www.boell.de/de/content/going-green-chemie-handlungsfelder-fuer-eine-ressourceneffiziente-chemieindustrie. So sollen Kunststoffe entweder im Recycling genutzt werden, oder, wenn Sie da landen, wo sie nicht hingehören, über einen Prozess der Selbstauflösung als Problem verschwinden.

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        Christian

        Die wissenschaftlich richtige Bezeichnung von CO2 ist übrigens KohlenSTOFFdioxid. Kohlendioxid ohne ‚…stoff…‘ gibt es nicht!

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