Feb 18
Oft verliert man den Blick für die eigenen Leistungen und das, was man schon alles erreicht hat. Umso schöner ist es, wenn man von außen hört, wie weit vor allem Deutschland schon beim Thema Recycling gekommen ist. Das spiegelt der Bericht der Nachhaltigkeitsexperten von Amcor wieder, die Recyclinganlagen in den USA und Deutschland besucht haben, um mehr über Recycling von Kunststoffen zu erfahren. Genauer: Über das Recycling von flexiblen Verpackungen.
Quelle: https://www.amcor.com/blogs/7-sustainability-takeaways-from-plant-visits
Quelle: https://www.amcor.com/blogs/7-sustainability-takeaways-from-plant-visits

Flexible Verpackungen, also v. a. Folien, schützen durch eine Kombination von extrem dünnen Schichten z. B. frische Fleischwaren. Da diese Schichten aufgrund ihrer Beschaffenheit schwer recycelt werden können, wurde in der Vergangenheit flexibles und hochsicheres Verpackungsmaterial meist nicht zum Recyclen gesammelt – außer in Deutschland. Mit dem Ziel, neue Wege für das Recycling von flexiblen Verpackungsmaterialien zu finden, machten sich deshalb die Amcor-Experten auf die Reise durch Deutschland und die USA. Das Ergebnis dieser Reise waren sieben Erkenntnisse, die Amcor gewonnen hat – und die in Deutschland schon weitestgehend Standard sind. Gerade deshalb ist es spannend zu sehen, was den Amcor-Experten alles aufgefallen ist:

1. Flexible Verpackungsmaterialien können in Recyclingströmen sortiert werden

In Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern werden flexible Verpackungen bereits separat sortiert – und später in Sortieranlagen weiter getrennt. In Nordamerika hingegen ist das gängigste Recyclingsystem einstufig. Das heißt: alle Wertstoffe, einschließlich Glas, Metall und Papier, werden zusammengesammelt. Tests haben ergeben, dass das Hinzufügen von flexiblen Materialien auch beim „Einstrom-Sammelsystem“ technisch machbar ist. Allerdings muss dafür entsprechendes Sortierequipment in der Sortieranlage installiert werden. Es wäre also möglich, dass Verbraucher in den USA und Kanada künftig flexible Verpackungsmaterialien in ihren Recyclingbehältern entsorgen können.

2. Deutschlands Grüner Punkt System funktioniert gut

In Deutschland werden leichte Haushaltsverpackungen im Gelben Sack oder in der Gelben Tonne entsorgt. Diese Abfälle werden dann an spezielle Sortieranlagen geliefert. Die Kosten für die Sammlung, Verwaltung und Verwertung von gebrauchten Verpackungsabfällen zahlen die jeweiligen Hersteller und Marken über eine Beteiligung bei einem dualen System, z.B. dem Grünen Punkt. Aufgrund dieses Systems gehört die deutsche Verwertungsquote nicht nur bei Kunststoffen zu den höchsten der Welt.

3. Fortschrittliche Anlagen sortieren hunderte Tonnen pro Tag

Ballistikseparator-600

Die Sortieranlage für Leichtverpackungen der Firma Lobbe in Iserlohn sortiert 18 Tonnen Verpackungsmaterial pro Stunde. Die Abfälle aus dem Gelben Sack/der Gelben Tonne werden durch LKW angeliefert und anschließend in den Sortieranlagen verarbeitet. Dort wird technisch die Materialzusammensetzung jeder Packung identifiziert und die Verpackung sortiert. Danach gelangen die verschiedenen Arten von Kunststoffen, Papieren und Metallen in die entsprechenden Recyclingströme.
Aber: Flexible Verpackungen sind schwieriger zu sortieren, da sie aus gemischten Materialien bestehen können. Hinzu kommt, dass die Materialeffizienz eine Herausforderung darstellen kann: Um Material zu sparen, macht man die Folien immer dünner – das ist gut für die Umwelt und schont Ressourcen, kann aber Sortierung und Recycling erschweren. Beide Faktoren erfordern eine feinere und präzisere Sortiertechnologie.

4. Mit modernster Technologie können Materialien bis 20 mm sortiert werden

Das kleinste Materialstück, das von den Maschinen in der Lobbe-Anlage sortiert wird, ist 20 Millimeter groß, verglichen mit mindestens 40 Millimetern bei älteren Anlagen. Die Materialien werden zu Ballen mit einem Gewicht zwischen 250 kg und 400 kg verdichtet und dann an Recycling- und Verwertungsbetriebe geschickt.

Ballen-HDPE-600

5. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Ballen nur gering kontaminiert werden

Es ist wichtig, dass die Fraktionen so effizient sortiert werden, dass sie den Anforderungen des Recyclingbetriebes entsprechen. Daher werden die Ballen immer wieder auf ihre Qualität getestet. Wenn diese nicht hoch genug ist, werden die Ballen zurückgeschickt. Dadurch entstehen zusätzliche Kosten und Umweltbelastungen durch den Transport. Es ist daher von äußerster Wichtigkeit, dass eine flexible Verpackung andere Wertstoffströme nicht verunreinigt.

6. Die Nahinfrarot-Technologie hat in Nordamerika ein hohes Potenzial

In Nordamerika gibt es Materialrückgewinnungsanlagen, sogenannte MRFs. Während der MRF-Besuche in den USA haben sich die Amcor-Experten mit der zweiten Phase des MRFF-Projekts (Material Recovery for the Future) befasst, das Testtechnologien zur Trennung von flexiblen Verpackungen aus Papier in einer realen Umgebung umfasste. Die in MRFs durchgeführten Tests zeigten, dass Nahinfrarotsensoren Kunststofffilme mit hoher Geschwindigkeit und hoher Ausbeute von dem Papierstrom trennen können. Diese Technologie wird bereits in weiten Teilen Europas verwendet, um verschiedene Sortieranforderungen zu erfüllen und kann leicht an nordamerikanische Systeme angepasst werden. Das macht diese wiederum zu geeigneten Kandidaten für potenzielle MRF-Upgrades.

NIR-PP-600

7. Recyclingmaterial kann auf verschiedene Weise genutzt werden

In Deutschland werden gemischte Materialien, die nicht sauber in Recyclingströme getrennt werden können, vor allem als Ersatzbrennstoff verwendet. Nur sechs Prozent des gesamten Inputs landen als Abfall in Müllverbrennungsanlagen (Reststrom). Dadurch wird vermieden, dass Verpackungen auf Deponien landen – in Deutschland ist es seit 2005 verboten, Siedlungsabfälle unbehandelt zu deponieren. Amcors Ziel ist es, gemeinsam mit Partnern zunächst die Materialmenge in den gemischten Kunststoffen und den „Rest“-Strom zu reduzieren und dann starke Absatzmärkte für diese Materialien zu finden.

Fazit:

Amcor fasst seine Ziele in drei Phasen zusammen. Der Anteil flexibler Verpackungen, die recycelt werden, ist erheblich gestiegen – und soll noch weiter steigen. Dies ist ein klares Ziel der Zusammenarbeit von Amcor mit der New Plastics Economy der Ellen MacArthur Foundation sowie der CEFLEX-Initiative in Europa und der MRFF-Initiative in Nordamerika. Die zweite Phase des MRFF-Projekts zielt darauf ab, profitable Recyclingstellen für die wiedergewonnenen Materialien zu finden, so dass ein Anreiz für die Trennung der Materialien besteht. Die dritte Phase besteht darin, eine Pilotgemeinschaft und ein Recyclingzentrum zu identifizieren, um die Sammlung von flexiblen Verpackungen und Sortierungen unter Verwendung der Nahinfrarottechnologie über einen längeren Zeitraum zu testen.
Denn für die Zukunft ist klar: Flexible Verpackungsmaterialien bieten eine ressourceneffiziente, kostengünstige und dauerhafte Möglichkeit, um Lebensmittel und andere verpackte Güter länger frisch und sicher zu halten. Da das ihre Produktion erhöhen wird, müssen sie in Zukunft effektiver recyclet werden.

Ein Kommentar zu “Wie weit ist Deutschland beim Thema Recycling? – Ein Besuch aus dem Ausland zeigt, wo wir stehen.”

Kommentare
Du möchtest mitdiskutieren? Hinterlasse hier deinen Kommentar oder melde dich in der Community an.

Werde jetzt Mitglied der Community! Hier geht's zur Anmeldung.

  1. avatar
    SLN

    s. aktuelle Ausgabe der ZEIT: „Die Plastik-Lüge“ – Die Deutschen verbrauchen mehr Kunststoff als alle anderen Europäer, weil sie glauben, ihr gesamter Müll werde recycelt. Aber da täuschen sie sich – jetzt in der neuen ZEIT…

    Antworten