Feb 15
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Fast eine Million Tonnen Kunststoffverpackungen wurden im Jahr 2014 aus den Gelben Tonnen und den Gelben Säcken von privaten Haushalten in Deutschland gesammelt. Doch was passiert mit diesen Verpackungen nach der Sortierung genau? Es gibt in Deutschland Vorgaben, wie viele der im dualen System gesammelten Verpackungen verwertet werden müssen. Diese Quote liegt für Kunststoffverpackungen aktuell bei 60 Prozent – der Grüne Punkt verwertet die gesammelten Kunststoffverpackungen zu fast 100 Prozent und übererfüllt die gesetzliche Quote deutlich. Doch zunächst einmal einen Schritt zurück.

„Verwertung“ – Was bedeutet das im Einzelnen genau?

Zunächst mag man vielleicht bei dem Wort „Verwertung“ stutzen, da dieser Begriff ein wenig abstrakt und vage klingt. Zu Erklärung: Es gibt grundsätzlich drei Formen der Verwertung von Kunststoffverpackungen: die werkstoffliche Verwertung, die rohstoffliche Verwertung und die energetische Verwertung.

Werkstoffliche VerwertungDie werkstoffliche Verwertung – Aus alt mach neu

Die werkstoffliche Verwertung ist ein physikalisches Verfahren, bei der sortierte, sortenreine Kunststoffabfälle – also Verpackungen, die nur aus einer Kunststoffart bestehen – in hochtechnisierten Anlagen zerkleinert, gewaschen, getrocknet und umgeschmolzen werden. Die auf diese Weise erzeugten Sekundärrohstoffe (z.B. Granulate) können dann erneut als hochqualitative Rohmaterialien in die Kunststoffverarbeitung eingespeist werden: Aus ihnen entstehen dann z.B. neue Verpackungen für den Handel, Leitungsrohre für die Bauindustrie, Bau- und Farbeimer sowie Getränkekisten, Körbe, Blumentöpfe und -kästen für den Endverbraucher in den verschiedensten Farben und Formen. Dazu gibt es auch ein anschauliches Video.

Die rohstoffliche Verwertung – Zurück zum Ursprung des KunststoffesRohstoffliche Verwertung

Sind Kunststoffverpackungen zu verschmutzt oder sind mehrere Kunststoffarten untrennbar zusammen in den Verpackungen verarbeitet, werden diese in einem chemischen Verfahren gewissermaßen „rückwärts produziert“, d.h. die großen gemischten Kunststoff-Molekülketten werden in einem chemischen Verfahren unter Einfluss von Hitze in Hochöfen in kleinere Grundbestandteile (z.B. Gase, Wachse und Öle) zerlegt.

Die energetische Verwertung – Energie aus Verpackungen

Sind die gesammelten Kunststoffverpackungen zu stark vermischt oder verschmutzt, sodass sie nicht werk- oder rohstofflich verwertet werden können, werden diese Kunststoffe zu Pellets oder Mahlgut zerkleinert und als Energieträger z.B. in Zement- oder Kalkfabriken verwendet. Diesen Vorgang nennt man „energetische Verwertung“.

energetische VerwertungWarum werden nicht alle Kunststoffe werkstofflich verwertet?

Diese Frage wird sich bei dem einen oder anderen Leser aufdrängen. Daher soll hier klargestellt werden: Es ist immer unser Ziel, das Maß an werkstofflicher und rohstofflicher Verwertung so hoch wie möglich zu halten; dennoch kann es aus ökologischen und/oder ökonomischen Gesichtspunkten sinnvoller sein, einen Teil der gesammelten Kunststoffe energetisch zu verwerten. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn das werkstoffliche oder rohstoffliche Recycling mehr Energie und Rohstoffe „fressen“ würde als damit eingespart werden könnte. Dann hätte das Recycling keine Vorteile mehr für die Umwelt. Es gilt immer: Recycling muss letztlich dem ökologischen Ziel der Einsparung von Ressourcen und der Reduzierung von Umweltbelastung dienen.

Kann dies die energetische Verwertung leisten?

Ganz klares Ja: Denn energetische Verwertung ist nicht gleichbedeutend mit „einfacher Verfeuerung“ der gesammelten Kunststoffverpackungen. In diesem Zusammenhang stößt man immer wieder auf folgende Vorurteile:

Vorurteil 1: Die energetische Verwertung verbrennt wertvolle Rohstoffe

Der wichtigste Rohstoff für die Kunststoffproduktion ist Erdöl. Aber nur etwa max. sechs Prozent des jährlichen Erdölverbrauchs kommt in Deutschland der Kunststoffproduktion zu, wohingegen mehr als 80 Prozent  des Erdöls direkt für Transport und Energie – Auto-Treibstoffe, Flugzeug-Kerosin, Heizöl – verwendet wird, wo das Erdöl direkt und unwiederbringlich verbraucht wird. Im Kunststoff ist die Energie des Erdöls gewissermaßen im Kern „gespeichert“ und damit auch der Brenn- bzw. Energiewert des Öls – so kann eine Verpackung, die ihren Gebrauchszweck erfüllt hat und die nicht zu einem hochwertigen neuen Kunststoffprodukt recycelt werden kann, effizient als Energieträger zurückgewonnen werden – ohne direkt auf die endliche Ressource des Erdöls zurückgreifen zu müssen.

Vorurteil 1: Hohe Umweltbelastung durch energetische VerwertungTreibhausgasemission nach Branchen 1990-2012

Werden durch die energetische Verwertung die Umweltbelastungen durch Emissionen von Treibhausgasen nicht zu hoch? Nein, denn die Kunststoffe werden nur in Anlagen verwertet, die sich technisch auf die Verwendung dieser Energiequelle spezialisiert haben. Die Statistik des Umweltbundesamts hinsichtlich der Produktion von Treibhausgasen zeigt dies sehr deutlich: Während die Emissionen von Industrie und Energiewirtschaft auf hohem Niveau in den letzten 20 Jahren tendenziell zugenommen haben, haben die ohnehin nur sehr niedrigen Anteile der Abfallwirtschaft (3,4 – 1,4 Prozent) an diesen Emissionen zwischen 1990 und 2012 rapide abgenommen (58 Prozent) – Und die Tendenz ist weiter sinkend.

Was kann ich als Verbraucher tun, um diese Entwicklung positiv zu beeinflussen, das werkstoffliche Recycling weiter voranzutreiben und die Umwelt zu schonen?

Klare Antwort: Trennt weiter den Müll und achtet darauf, dass mit der Gelben Tonne und dem Gelben Sack wirklich nur Verpackungen entsorgt werden. Denn je geringer der Anteil an „Fehlwürfen“ (Restmüll) in der Gelben Tonne und dem Gelben Sack ist, desto mehr Verpackungen können sortenrein verwertet werden und zu hochwertigen Sekundärrohstoffen verarbeitet werden. In denjenigen Kommunen, wo anstatt der Gelben Säcke und Tonnen eine sogenannte „Wertstofftonne“ existiert, können zusätzlich zu Verpackungen aus Kunststoff auch sogenannte „stoffgleiche Nichtverpackungen“, also z. B. Plastikbesteck, Frischhalteboxen, Kleiderbügel, etc. mit entsorgt werden.

 

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