Aug 19

Anfang Januar 2019 hat das neue Verpackungsgesetz 2019 (VerpackG) die Verpackungsverordnung (VerpackV) abgelöst. Die Zentrale Stelle Verpackungsregister gibt eine Orientierungshilfe zur Bewertung der Recyclingfähigkeit von systembeteiligungspflichtigen Verpackungen. Was nach einer Nachricht klingt, die allenfalls für Branchenkenner relevant ist, ist ein enorm wichtiger Schritt, um Verpackungsrecycling effektiver für den Klima- und Umweltschutz zu machen. Warum das so ist und inwiefern „Design for Recycling“ dabei die wichtigste Rolle spielt, erklären wir euch hier.

 

Kurz zum Hintergrund: Das neue Verpackungsgesetz (VerpackG), das 2019 in Kraft getreten ist, hat neue Regeln für die Produktverantwortung auch für Kunststoff-Verpackungen eingeführt. Das bedeutet, dass die Systeme Verpackungen begünstigen sollen, die sich besser recyceln lassen als andere. Gunda Rachut, Vorstand der Zentralen Stelle Verpackungsregister, erklärt dieses Bestreben in zwei Sätzen: „Die Entsorgung nicht- oder schlecht-recycelbarer Verpackungen muss künftig mehr Geld kosten. Verpackungen, die hingegen in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt werden können und aus denen wieder neue Produkte und Verpackungen entstehen, werden bessergestellt.“

Ein großer Schritt für das Recycling und den Klimaschutz

Doch dafür muss es einen einheitlichen Standard geben, den alle zur Beurteilung des Verpackungsdesigns anwenden. Dieser sollte natürlich berücksichtigen, was tatsächlich mit dem Verpackungsabfall passiert. Die Orientierungshilfe der Zentralen Stelle Verpackungsregister gibt Hinweise, wie so ein Standard beim Kunststoff Recycling aussehen könnte. Die Hinweise resultieren aus einer intensiven Expertendiskussion und wurden über ein Anhörungsverfahren weiterentwickelt.

Michael Wiener, CEO des Grünen Punkts, freut sich über die Entwicklung und erklärt auch, warum sie so wichtig ist: „Realistische und praxisnahe Kriterien sind die Voraussetzung für die Umsetzung des Verpackungsgesetzes. Die durch die Zentrale Stelle vorgestellte Orientierungshilfe stellt einen wichtigen Schritt dar, die Recyclingfähigkeit von Plastik-Verpackungen realistisch einzustufen. Die Experten richten sich nach dem, was mit einer gebrauchten Kunststoff-Verpackung in unserer Infrastruktur tatsächlich passiert. Zunächst muss eine Verpackung durch die aktuell verwendete Technik sortierbar sein. Ist sie das nicht, so ist sie auch nicht recyclingfähig.“

Recycelbar ist nicht gleich recycelbar

Man könnte denken, es ist ausreichend, nur Kunststoffe einzusetzen, die recycelbar sind. Allerdings können Materiale, die von den Sortiermaschinen nicht erkannt und richtig zugeordnet werden können, nicht verwertet werden. Momentan ist dies noch bei vielen Verpackungen der Fall. Häufig kann aber Abhilfe geschaffen werden, indem das Design einer Verpackung optimiert wird, ohne die Funktion der Verpackung zu beeinträchtigen. Das macht der Grüne Punkt mit seiner D4R-Beratung (Design for Recycling). Bei dieser Beratung analysieren Spezialisten vom Grünen Punkt die Verpackungen und weisen auf Gestaltungsmerkmale hin, die eine richtige maschinelle Sortierung des Verpackungsabfalls oder die spätere Verwertung behindern oder sogar unmöglich machen.

Hoch recyclingfähige Verpackung für Speiseeis
Hoch recyclingfähige Verpackung für Speiseeis

Für seine Kunden hat der Grüne Punkt außerdem ein Online-Tool entwickelt, das eine erste Eingruppierung von Verpackungen anhand der Gestaltung und Zusammensetzung ermöglicht. Es ist gleichzeitig ein Indikator für erste Verbesserungspotentiale. Das Tool befindet sich gerade in der Testphase. An einer differenzierteren und tiefergehenden Premiumlösung wird momentan gearbeitet und wird in Kürze gelauncht werden. Das Cluster-Tool soll eine prozentuale Angabe über die Recyclingfähigkeit von Kunststoff-Verpackungen zulassen.

Mithilfe des neuen Cluster-Tools können verschiedene Verpackungstypen eingestuft werden. Die Ergebnisse der Einstufung werden in sechs Clustern der Recycling Fähigkeit zusammengefasst. Die Einstufung bietet eine schnelle Orientierungshilfe hinsichtlich einer möglichen Recyclingfähigkeit des Verpackungstyps. Der Grüne Punkt unterstützt seine Kunden außerdem mit Workshops, Seminaren, Besichtigungen von Sortieranlagen, individueller Beratung und bei der Zertifizierung der Recyclingfähigkeit.

Recycling von Kunststoff und Co. – Ein Fazit

Das Recyclingversprechen unterliegt in der Zukunft einem direkten Realitätscheck. Das heißt, Verpackungen, die sich im Alltag bewähren und auch in der Praxis optimal recycelt werden können, bekommen künftig einen Preisvorteil. Diese Entwicklung begrüßen wir entschieden. Denn Verpackungen, die sich recyceln lassen, schonen Ressourcen bei der Herstellung, vereinfachen die Sortierung und das (Kunststoff) Recycling an sich und sorgen damit dafür, dass hochwertige Sekundärrohstoffe wieder nutzbar gemacht werden.

0 Kommentare zu “Der Weg für recyclingfreundliche Verpackungen ist frei – warum es sich lohnt, vorher schon an nachher zu denken”

Kommentare
Du möchtest mitdiskutieren? Hinterlasse hier deinen Kommentar oder melde dich in der Community an.

Werde jetzt Mitglied der Community! Hier geht's zur Anmeldung.