Mai 19

Systalen PRIUMUSSeit China vor fast zwei Jahren begonnen hat, die Grenzen für Kunststoffabfälle aus dem Ausland zu schließen, ist das Thema der Plastikexporte in aller Munde. Greenpeace East Asia hat jüngst in Zusammenarbeit mit der NGO GAIA einen Bericht zum Export von deutschem Plastikmüll nach Indonesien, Thailand und Malaysia veröffentlicht, inklusive schockierender Bilder von Plastikmüllhalden inmitten der Natur. Was die dualen Systeme damit zu tun haben und welche Lösung es für dieses Problem gibt, möchten wir euch in diesem Beitrag näherbringen.

Seitdem China keinen Plastikabfall mehr von den OECD-Staaten annimmt, exportieren die USA, Großbritannien, Deutschland und 20 weitere Nationen ihre Plastikabfälle in andere Regionen. Auch nach Ostasien. Laut Greenpeace waren es 2018 allein aus Deutschland monatlich 10.000 Tonnen, die in Indonesien, Thailand und Malaysia ankamen. Oft sind die Quellen, aus denen Plastikmüll nach Asien exportiert wird, nicht nachvollziehbar.

Bei den deutschen dualen Systemen sieht es da allerdings anders aus. 2017 hat der Grüne Punkt weniger als 2 % seiner vermarkteten Altkunststoffe nach Asien exportiert. Laut der Initiative geTon wurden im gleichen Jahr von allen dualen Systemen 2 % der Leichtverpackungen aus dem Gelben Sack/der Gelben Tonne, wie Kunststoff und Metall, nach Asien verkauft. Diese Quote ist weiter zurückgegangen: 2018 waren es beim Grünen Punkt weniger als 0,15 %. Insgesamt bleiben über 93 % des Plastikmülls des Grünen Punkts tatsächlich in Deutschland und werden hier verwertet.

Globaler Rohstoffhandel? Sicher.

Bei seinen Exporten liefert der Grüne Punkt ausschließlich an zertifizierte Abnehmer. Zertifiziert heißt in dem Zusammenhang, dass die Betreiber einer Recycling-Anlage von einem unabhängigen Sachverständigen geprüft worden sein müssen. Sie müssen nachweisen, dass der Kunststoff so verarbeitet werden kann, wie es das deutsche Gesetz vorschreibt. Sie erhalten selbstverständlich nur sortierten Kunststoffabfall, der sich entsprechend nutzen lässt – keine unsortierten Abfälle und schon gar nicht unsortierte Gelbe Säcke.

Doch Kunststoffabfälle werden auch von anderen exportiert. Und die Vorschrift, nur an zertifizierte Anlagen zu liefern, gilt nur für die dualen Systeme. Denn die müssen nachweisen, dass der Kunststoffabfall umweltgerecht verwertet worden ist. Für andere Kunststoffabfälle gelten die Basler Konvention und die deutsche Abfallverbringungsverordnung (AbfVerbrV). Inzwischen wird gefordert, diese Vorschriften zu verschärfen – zum Beispiel um den Handel mit unsortierten Kunststoffabfällen zu unterbinden.

Kreislaufwirtschaft ist eine Chance für die Welt

Michael Wiener, der CEO des Grünen Punkts, spricht sich für eine weltweite Stärkung der Kreislaufwirtschaft aus. Abfälle sollten dort verwertet werden, wo sie anfallen. So entstehen regionale Kreisläufe, die die Problematik der Müllberge vermindern, sie wenn nicht sogar komplett vermeiden können. Das schließt den internationalen Rohstoffhandel nicht aus, denn so lassen sich zum Beispiel Engpässe vermeiden. Allerdings wird all das ohne die passende Infrastruktur vor Ort nicht funktionieren. Und das Bewusstsein dafür, dass es sich bei Kunststoffabfällen um einen Rohstoff handelt, muss ebenfalls gefestigt werden.

Deswegen muss etwas passieren. Als Vordenker der Kreislaufwirtschaft ist der Grüne Punkt mitverantwortlich, Lösungen für dieses Problem zu finden. Es liegt in unserem ureigensten Interesse, dass Altkunststoffe verwertet und in Produkt- und Verpackungsproduktion eingesetzt werden. Die weltweite Kreislaufwirtschaft ist daher nicht nur eine Vision, sie ist unsere Zukunftsaufgabe.

Quellen:

https://www.gruener-punkt.de/de/kommunikation/news/artikel/details/plastikexporte-kreislaufwirtschaft-sowohl-in-europa-als-auch-weltweit-staerken.html
https://get-on.org/2019/02/20/der-gelbe-sack-bleibt-hier/
https://www.euwid-recycling.de/news/wirtschaft/einzelansicht/Artikel/kaum-noch-kunststoffexporte-aus-dualen-systemen-nach-asien.html
https://www.greenpeace.de/presse/presseerklaerungen/indonesien-thailand-und-malaysia-von-deutschem-plastikmuell-besonders

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