Jun 20
Jedes Jahr kommen auf Einladung des Bundeskanzleramtes StipendiatInnen aus aus Brasilien, China, Indien, Russland und den USA nach Deutschland, um hier ein eigenständig entwickeltes Projekt umzusetzen.

Während ihres Aufenthaltes werden sie von der Alexander-von-Humboldt-Stiftung betreut und sind zu Gast bei einem Unternehmen ihrer Wahl. Der Grüne Punkt hat mit einigen dieser Fachleute eine Exkursion durchgeführt und freut sich, Marina Shalginskikh für ihre Zeit in Deutschland eine berufliche Heimat zu geben. Wir haben mit Marina über Ihr Projekt in Deutschland gesprochen.

Marina Shalginskikh möchte das Recycling in ihrer Heimat Russland voranbringen. Das Bild ist in Moskau aufgenommen.
Marina Shalginskikh möchte das Recycling in ihrer Heimat Russland voranbringen. Das Bild ist in Moskau aufgenommen.

Liebe Frau Shalginskikh, Sie sind jetzt etwa ein halbes Jahr in Deutschland – sind Sie gut hier angekommen und wie geht es Ihnen und Ihrer Familie hier?

Es geht uns gut und wir haben uns an das Leben unter den neuen Umständen schon gewöhnt. Der Umzug aus Russland mit der ganzen Familie, die Suche nach einer Wohnung in Köln sowie nach einer Schule und einem Kitaplatz sind nicht so einfach gewesen, waren aber letztlich erfolgreich. Die vergangenen Monate waren lebhaft und eindrucksvoll: die wunderschöne Weihnachtszeit, der Kölner Karneval, die Quarantäne und auch ein herrlicher Frühling mit Magnolie und Kirschblüte.

Was war Ihre Motivation, sich für ein Stipendium zu bewerben, und warum haben Sie als Gastunternehmen den Grünen Punkt gewählt?

Meine Motivation ist immer noch groß, weil ich seit einigen Jahren als Umweltaktivistin und Öko-Bloggerin tätig bin. Ich kümmere mich um die Umwelt und die Zukunft der nächsten Generationen, die ohne Nachhaltigkeit unmöglich ist.

Das Abfallproblem in Russland ist zurzeit sehr aktuell, weil lediglich vier Prozent der Abfälle verwertet werden. Die ökologische Aufklärung und die Entwicklung des Bewusstseins für Mülltrennung im Haushalt sind ein erster und wichtiger Schritt zum Recycling. Das ist der Schwerpunkt meines Projektes.

Auch Deutschland hat ein Problem mit fortgeworfenen Abfällen
Auch Deutschland hat ein Problem mit fortgeworfenen Abfällen

Deutschland gilt als Recycling-Weltmeister. Der Grüne Punkt ist das erste duale System Deutschlands mit einer dreißigjährigen Erfahrung in der Kreislaufwirtschaft-Branche und weltweit bekannt. Deswegen war mir klar, wo ich neue Kenntnisse zu diesem Thema erwerben kann. Für diese Möglichkeit bin ich der Alexander von Humboldt-Stiftung und dem Grünen Punkt sehr dankbar.

Warum glauben Sie, dass Ihnen das Stipendium hier bei Ihrer Arbeit in Russland helfen kann?

Ich erforsche das Entsorgungssystem in Deutschland (die Entwicklung und den aktuellen Stand) und die Kreislaufwirtschaft. Besonderes interessiere ich mich für die Kommunikation zwischen den verschiedenen Teilnehmern des Systems.

Ich schreibe Beiträge für meinen Blog und teile sie mit meinen Kollegen aus den russischen Umweltschutzorganisationen. Ich möchte positive Erfahrungen in Deutschland sammeln und sie bei der Lösung des Abfallproblems in Russland verwenden, da wir dort erst am Anfang des Weges sind.

Wie sind Ihre Erfahrungen nach den ersten Monaten – wo sehen Sie Stärken in Deutschland, wo Schwächen?

Die Stärken sehe ich in einem gut entwickelten Entsorgungssystem, der aktuellen Gesetzgebung und der erweiterten Produzentenverantwortung, der Logistik, den modernen Möglichkeiten und Kapazitäten von Sortieranlagen, der Entwicklung der Kunststoffverwertungsbranche, der Sensibilisierung der Bevölkerung für die Abfallproblematik durch das Pfandsystem –um nur einige erfolgreiche Maßnahmen zu nennen.

Die Ausbeute einer kurzen Sammelaktion
Die Ausbeute einer kurzen Sammelaktion

Was mir aufgefallen ist und was ich sehr schade finde: Nicht alle Menschen hier handeln umweltfreundlich und umweltbewusst. Manchmal lassen sie einfach ihren Müll im Freien liegen. Meine Vorstellungen von der Bevölkerung in Deutschland waren vielleicht etwas zu optimistisch, deswegen war ich davon ein bisschen enttäuscht.

Damit die ganze Gesellschaft umweltbewusst wird, müssen alle an einem Strang ziehen. Die ökologische Aufklärung ist höchst aktuell, besonderes für Jugendliche und Kinder. Man muss ihnen beibringen, unsere Natur und die Ressourcen zu schonen. Nur dann ist eine nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft möglich.

0 Kommentare zu “Für mehr Recycling in Russland”

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