Mai 19

Unsere heutige Welt wird von Konsum beherrscht. Immer mehr und am besten immer billiger soll es sein. Aus ökologischer Sicht ist der ständige Konsum massenhafter Billigware aber ein Problem. Denn die Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern sind häufig schlecht, die Bezahlung unterdurchschnittlich und auch die Umwelt leidet unter unserer Lust nach neuen Dingen. Dabei muss es nicht unbedingt immer das Fabrikneue sein. Auf der Suche nach Neuem kann man auch mit bereits gebrauchten Dingen aus zweiter Hand, also Second Hand, glücklich werden.

Die Zeiten, in denen Ware aus zweiter Hand als minderwertig angesehen wurde, sind vorbei. Flohmärkte und Onlineplattformen wie Kleiderkreisel, Momox und eBay Kleinanzeigen erfreuen sich steigender Beliebtheit. Ausdrücke wie „Retro-Mode“ oder „Vintage“ laufen dem Begriff Second Hand allmählich den Rang ab. Dieser Begriff umfasst aber weit mehr als Mode und Kleidung: Möbel, Spielzeug, Elektrogeräte, Küchenzubehör, Bücher und DVDs zählen auch dazu. Dabei muss die angebotene Ware nicht unbedingt minderwertiger sein als neue, nur weil sie gebraucht ist. Obendrein spart man dadurch Ressourcen und schont so die Umwelt – und den eigenen Geldbeutel.

Die Idee hinter Second Hand

Ob vor einem Umzug oder einfach, weil man mehr Platz braucht: Es gibt viele gute Gründe, um sich von gebrauchten Dingen zu trennen. Das kann ein ausgelesenes Buch sein oder eine nicht mehr aktuelle Hose aus dem letzten Jahr. Bevor man diese Dinge entsorgt, lohnt sich der Blick zu Freunden und Nachbarn. Vielleicht gibt es jemanden, der genau nach diesem und jenem Aussortierten sucht? Ansonsten finden die abgelegten Sachen auf Flohmärkten oder über diverse Onlineplattformen unkompliziert neue Liebhaber. Dazu gibt es auch regional organisierte Tausch- oder Kleiderbasare. Oder man spendet seine gebrauchten Dinge, um durch das Teilen soziale Projekte zu unterstützen.

So werden sie beispielsweise von karitativ-gemeinnützigen Organisationen (KGOs) angenommen, sortiert und verwertet. Und je nachdem, um welche Organisation es sich handelt, richten sie sie auch für den Weiterverkauf wieder her. Damit erwirtschaften sie durch den Verkauf oder die Wiederverwertung Gelder für soziale Projekte und schaffen so unter anderem für Langzeitarbeitslose neue Arbeitsstellen. Sie helfen also Bedürftigen und tragen gleichzeitig zur Verwertung und Abfallvermeidung bei. Second Hand muss also nicht zwangsweise mit Verkaufen zu tun haben. Die Idee des Teilens und Tauschens ist eng damit verbunden und gewinnt immer mehr Anhänger. Es gibt beispielsweise auch regionale Tauschgruppen, die sich regelmäßig treffen und in gemeinsamer Runde mitgebrachte Dinge und Neuigkeiten austauschen.

Quelle: Pixabay
Quelle: Pixabay

 

Second Hand macht Sinn

Warum Second Hand sinnvoll ist, zeigt sich auch an anderer Stelle: So verbraucht ein neues T-Shirt aus Baumwolle in seiner Herstellung etwa 2000 Liter kostbares Trinkwasser. Und bei der Herstellung unserer Smartphones wird auf seltene Erden zurückgegriffen, die mit großen Mengen gesundheitsschädigender Chemikalien gefördert werden. Durch den Kauf von Second Hand-Produkten vermeidet man nicht nur Abfall, man spart auch Rohstoffe und schont so die Umwelt. Gebrauchte Dinge abzugeben, zu nutzen und mehrfach zu verwenden ist also nachhaltig, weil sozial und umweltfreundlich zugleich.

Manche Second-Hand-Händler gehen dabei ähnlich vor wie KGOs, allerdings ohne den sozialen Aspekt: Sie richten gebrauchte Elektronik wieder fachmännisch für den Weiterverkauf her. Dabei ist die Rede von sogenannter „Refurbish-Ware“. Auf diese Weise kann Abfall vermieden werden, ohne auf den gewohnten Konsum verzichten zu müssen. Gerade bei Elektronik mit leichten Defekten ist die Instandsetzung oft nur geringfügig günstiger als die Neuanschaffung. Daher wird sie lieber entsorgt und neu gekauft. Auf diese und ähnliche Problemfelder macht seit 2009 die „Europäische Woche der Abfallvermeidung“ aufmerksam. Reparieren statt wegwerfen, Abfall vermeiden und Ressourcen schonen – ihr Hauptanliegen ist die Aufklärung über Alternativen zur Wegwerfgesellschaft. Die Aktion steht also ganz im Zeichen der Second-Hand-Idee und ist ein Abbild des steigenden öffentlichen Interesses daran.

Fazit

Second Hand bezeichnet in erster Linie gebrauchte Ware aus allen möglichen Produktsegmenten. Dabei ist es heutzutage vollkommen normal und sogar angesagt, Ware aus zweiter Hand zu nutzen. Man vermeidet damit Abfall, schont Ressourcen und einen sozialen Zweck erfüllt der Einkauf oder Tausch auch. Es zeigt sich bei näherer Betrachtung, dass Second Hand viel mehr als bloße gebrauchte Ware ist. Es ist eine nachhaltige Idee, die gut für uns, unser Konsumverhalten und unsere Umwelt ist.

 

Quellen:

https://www.duh.de/themen/recycling/abfallvermeidung/second-hand/
https://www.lfu.bayern.de/abfall/abfallvermeidung/gebrauchtwaren/index.htm
https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/produkten-ein-zweites-leben-geben-451730
https://www.wochederabfallvermeidung.de/home

2 Kommentare zu “Second Hand ist mehr als gebrauchte Ware”

Kommentare
Du möchtest mitdiskutieren? Hinterlasse hier deinen Kommentar oder melde dich in der Community an.

Werde jetzt Mitglied der Community! Hier geht's zur Anmeldung.

    • avatar
      Norbert Völl

      Hallo Simon. Unser Ziel ist nicht neu produziertes Plastik, sondern Rohstoffe, die in einem ständigen Kreislauf wiederverwertet werden können. Es geht uns um die Kreislaufwirtschaft und das Schonen unserer Ressourcen und Umwelt. Für dieses Ziel arbeiten wir stetig an technischen Innovationen, um neue Produkte aus Recyclingkunststoff herstellen zu können.

      Antworten