Mär 19

In Erftstadt, Nordrhein-Westfalen, gibt es seit November 2018 einen Ausblick in die mögliche Zukunft: Dort wird auf 90 Metern Radweg eine neue Variante von Solarzellen getestet. Sie lässt sich einfach in den Alltag integrieren, braucht keine Umbaumaßnahmen und mit ihr lässt sich nachhaltig Strom erzeugen. Verantwortlich für das Projekt ist das Cleantech-Startup Solmove aus Berlin, das mit seinen nachhaltigen Vorhaben schon mehrfach für mediales Aufsehen gesorgt hat. Wir wollen euch heute das Projekt und die Idee dahinter genauer vorstellen.

In Erftstadt-Liblar hat sich im Jahr 2018 etwas getan: Ein 90 Meter langer Abschnitt des Fahrradwegs hat keine störenden Schlaglöcher mehr, die Oberfläche wirkt neu und glänzt leicht. Was auf den ersten Blick normal wirkt, eröffnet sich auf den zweiten Blick als möglicherweise zukunftsträchtige Idee. Denn dieser Teil des Fahrradwegs besteht aus kleinen Solarmodulen, die zu einem durchgehenden Belag verzahnt sind. Es handelt sich um die erste praktische Umsetzung von stromerzeugenden Straßen in Deutschland. Die Teststrecke soll Erkenntnisse dazu liefern, inwiefern sich das Projekt auch in größerem Stil einsetzen lässt.

Pro Jahr kann der 90 Meter lange Abschnitt bis zu zwölf Megawattstunden Strom liefern. Das würde ausreichen, um vier Einfamilienhäuser ein ganzes Jahr lang ausreichend mit Elektrizität zu versorgen. Natürlich vorausgesetzt, dass die Sonne lange genug scheint. Aber auch Regenwetter bringt seine Vorteile. Denn der Belag ist rutschfest und das Profil ist so gestaltet, dass das Wasser ablaufen und alle Verunreinigungen dabei mitnehmen kann. So spart sich die Kommune wenigstens zum Teil die Reinigungskosten.

Eine Idee mit großem Potential

Das modulare System soll 20 Jahre lang halten. Die einzelnen Solarzellen werden auf einer zehn mal zehn Zentimeter großen Fliese angebracht und dann elektrisch und mechanisch miteinander verzahnt. Die Unterlage zwischen Weg und Solarzellen besteht aus Gummi. So werden die Zellen geschützt und der Schall der darüberfahrenden Räder wird absorbiert.
Die Idee dazu kam Donald Müller-Judex, Ingenieur und Gründer des Start-Ups Solmove, als er im Allgäu auf der Suche nach Freiflächen für den Aufbau von Solaranlagen war. Dort waren alle geeigneten Flächen schon belegt, aber es gab eine Menge einsamer Straßen mit hoher Sonneneinstrahlung. Also entwickelte er Solarmodule, die wie ein Teppichboden auf Asphalt ausgerollt werden können.

Frankreich und China sind unter anderen im Einsatz von Solarstraßen schon einen Schritt weiter, dort werden sie bereits gebaut und eingesetzt. In Frankreich soll bis 2020 beispielsweise der sogenannte „Wattway“, eine 1.000 Kilometer lange Solarstraße, fertiggestellt sein. Müller-Judex sieht auch für Deutschland entsprechendes Potential: Es gebe über 1,4 Milliarden Quadratmeter an möglichen Nebenstraßen, Radwegen, Parkplätzen, Seitenstreifen und Zufahrten, die für diese Art der Energiegewinnung genutzt werden könnten.

Getestet vor dem Einsatz – und in der Praxis

Gerade durch die Multifunktionalität des Solmove-Belags stellen die nutzbaren Flächen das größte Potential dar. Die RWTH Aachen testete den Belag und kam zu dem Schluss, dass weitere Funktionen ohne Probleme in das System integriert werden könnten: zum Beispiel Heizschleifen, die die Straße im Winter beheizen können, oder LED-Straßenbeleuchtung. Elektromobile könnten direkt über die Straße aufgeladen werden, man könnte Sensoren einbauen, mit denen sich der Verkehr zählen und die Ampelschaltung regulieren ließe – die Anzahl an Einsatzmöglichkeiten ist enorm.
Ein Teil dieser Möglichkeiten wird auf der Strecke in Erftstadt bereits getestet. So soll die Fläche des Radwegs durch den selbst erzeugten Strom aufgetaut werden. Und der überschüssige Strom lässt sich zudem ins regionale Stromnetz einspeisen.

Quelle: Solmove
Quelle: Solmove

Fazit:
Wie die Tests ausfallen werden, ist noch nicht abzusehen. Aber es lässt sich auf jeden Fall festhalten, dass die Idee des Startups aus Berlin zukunftsweisend sein und gerade in Sachen nachhaltiger Mobilität einen großen Beitrag leisten könnte.

 

Quellen

– Artikel zur Teststrecke in Erftstadt:
o https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/verkehr/solarstrasse-von-solmove-der-radweg-zu-mehr-energie/
o http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/erftstadt-bei-koeln-deutschlands-erster-solar-radweg-oeffnet-a-1237681.html

– Firmenseite von Solmove:
https://www.solmove.com/?avia_forced_reroute=1

– Artikel zur chinesischen Solarstraße:
https://www.swr3.de/aktuell/e-mobility/China-hat-die-laengste-Solarstrasse-der-Welt/-/id=4406894/did=4640850/1g49m1h/index.html

– Artikel zur französischen Solarstraße/dem „Wattway“:
https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/energie/frankreich-baut-1000-kilometer-solarstrassen/

Ein Kommentar zu “Strom erzeugen – mit Fahrradwegen?”

Kommentare
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  1. avatar
    Günter

    außer vielleicht im Wald oder in meinem Keller fällt mir momentan kein schlechterer Platz ein um solarzellen anzubringen als auf einer Straße/Radweg. Haben die nichts aus den gescheiterten Versuchen in China, Frankreich, Hoilland bzw. den USA gelernt? nie die debunk-Videos von EEVBlog oder thunderf00t angesehen. schad im das Investment. Baut Solarkraftwerke, aber doch nicht auf Straßen Solarzellen anbringen! Das macht weder vom Energieertrag, noch von der Lebensdauer her Sinn. Kosten Faktor 10, Energieertrag maximal ein drittel (wgen der horizontalen Ausrichtung und der Verschmutzung). Also Faktor 30 ungünstiger….und keines der Pilotprojekte bisher hat länger als ein paar Monate üverlebt.

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